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Essen oder Trinken von rohem Cannabis. Ist das sinnvoll?

Dr. med. Franjo Grotenhermen Mitarbeiter des nova Institutes in Hürth bei Köln und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM)
Publiziert am: 14.11.13 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Dr.med. Franjo Grotenhermen
Dr. med. Franjo Grotenhermen - Foto: Archiv
In den USA gibt es den neuen Trend, Cannabis roh, beispielsweise als Saft von frischen Cannabisblättern und -blüten zu sich zu nehmen. Diese Idee wird vor allem von Dr. William Courtney, ein Arzt aus Kalifornien, propagiert. Wie ist dieser Gedanke aus medizinischer Sicht zu beurteilen?
Cannabinoide liegen in der frischen Pflanze überwiegend in der Form von Cannabinoid-Säuren, also THC-Säure (kurz: THCA), Cannabidiol-Säure (CBDA), et cetera vor. Da die THC-Säure keine psychischen Wirkungen verursacht, können von diesen Säften große Mengen eingenommen werden, ohne dass relevante Nebenwirkungen auftreten. Durch das Erhitzen von Cannabisprodukten, etwa beim Rauchen, beim Inhalieren mittels Vaporizer, beim Erhitzen zur Herstellung von Extrakten (Haschischöl) oder Gebäck mit Cannabisprodukten, werden diese Säuren in ihre neutralen Formen umgewandelt. Wenn man von THC, CBD (Cannabidiol), CBG (Cannabigerol), et cetera spricht, ist normalerweise von diesen neutralen Formen mit ihren bekannten Wirkungen die Rede.
Der Auslöser für die Idee, rohen Cannabis medizinisch zu nutzen, war die gesundheitliche Entwicklung von Courtneys Frau Kristen, die an einer schweren chronischen Autoimmunerkrankung leidet, einem systemischen Lupus erythematodes. Es ging ihr seit Jahren sehr schlecht. Ihr Zustand verbesserte sich dramatisch, nachdem sie mehrere Wochen lang rohen Cannabis gegessen und den Saft von THCA-reichen Pflanzen getrunken hatte. In der Tat weist THCA und auch CBDA entzündungshemmende Eigenschaften auf, die sich positiv auf chronische Entzündungen bzw. Autoimmunerkrankungen auswirken können. So wurde nachgewiesen, dass CBDA ein bestimmtes Enzym, die Zyklooxygenase-2 hemmt, wie dies auch von Aspirin bekannt ist. Angeregt durch diesen Erfolg ist das Paar überzeugt, ein neues Heilmittel für chronische Erkrankungen gefunden zu haben. Beim Erhitzen würden viele wertvolle Inhaltsstoffe zerstört.
Dies ist allerdings nicht korrekt. Neutrales THC weist andere pharmakologische Eigenschaften auf als THCA (THC-Säure). Den meisten Patienten kann mit rohem Cannabis nicht besser geholfen werden als mit erhitztem. Das Umgekehrte ist der Fall.
Von den sauren Formen des THC und CBD weiß man, dass sie nicht nur entzündungshemmend wirken, sondern auch gegen Übelkeit und Erbrechen helfen. Dabei können THCA und CBDA nach Ergebnissen tierexperimenteller Studien zusammen mit anderen Medikamenten gegen Übelkeit, wie beispielsweise Ondansetron oder Metoclopramid, eingesetzt werden. Möchte man aber die bekannten medizinischen Wirkungen nutzen, die mit einer Aktivierung der Cannabinoid-Rezeptoren verbunden sind, so ist eine Umwandlung der THC-Säure (THCA) in das neutrale THC erforderlich. Erst dann verursacht THC seine bekannten Wirkungen, wie Schmerzlinderung, Entspannung der Muskulatur, Steigerung des Appetits, Verbesserung der Stimmung, et cetera.
Weitere Effekte von CBDA sind eine Reduzierung der Kontraktionen des Darmes und die Hemmung der Ausbreitung von Brustkrebs. Allerdings ist die Wirkung von CBDA auf Krebszellen schwächer als die von neutralem, also erhitztem CBD und von THC. Die Wirkungen von CBD gehen über die Wirkungen von CBDA weit hinaus, denn CBD hemmt nicht nur Entzündungen und Übelkeit, beeinflusst die Kontraktionen des Darmes oder hemmt die Ausbreitung von Brustkrebs, sondern es wirkt darüber hinaus Angst lösend, antipsychotisch, Krampf lösend und nervenschützend.
Kristen Courtney behandelte sich mit Cannabis-Säften, die reich an THCA waren. Erst in den vergangenen Jahren wurden CBD-reiche Pflanzen identifiziert und für medizinische Zwecke verwendet. In dieser Zeit begannen die Courtneys damit, die Säfte von CBDA-reichen Sorten zu empfehlen. Da CBD selbst nicht psychoaktiv ist, stellt sich allerdings die Frage, warum man CBD-reichen Cannabis nicht erhitzen sollte, um die vollständige CBD-Wirkung nutzen zu können. Und warum sollte man sich dann die Mühe machen, Saft aus großen Mengen CBDA-reichen Pflanzenmaterials herzustellen. Selbst in Kalifornien haben die meisten Menschen nicht so viel Material zur Verfügung, dass sie große Mengen an Saft herstellen können.
Courtney legt nahe, dass neutrale Cannabinoide den sauren Formen unterlegen seien, weil sie "synthetisch" sind, da sie nicht von der lebendigen Pflanze produziert würden. Das ist allerdings nicht korrekt. Die Pflanze produziert auch selbst neutrale Cannabinoide. Wenn die Pflanze trocknet, tritt die Decarboxylierung, also die Umwandlung der sauren in die neutralen Formen, natürlich auf.
In Mitteleuropa und den USA liegen zwar über 90 Prozent der Cannabinoide in der Pflanze als saure Formen vor, ein kleiner Teil besteht jedoch bereits aus neutralen Formen. In heißen Gegenden der Erde enthält das Harz der Pflanzen aber häufig natürlicherweise bereits große Konzentrationen an neutralem THC und CBD.
Das ist ein Grund, warum gegessener Haschisch aus diesen Ländern häufig auch ohne Erhitzung psychische Wirkungen entfalten kann.
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