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Cannabistote auf Pro7
oder: Wie man für dumm verkauft wird - Ein Kommentar
Publiziert am: 21.03.12 - Medienformen: Medienform Text

Unser Gedenkstein ist wieder hochaktuell


In einem eigentlich sehr fortschrittlichen Beitrag von "Gallileo" über Cannabis war von 300 Cannabistoten pro Jahr die Rede.
Das ist natürlich völlig aus der Luft gegriffen, auch die Bundesregierung bestätigt das im jährlichen Drogen-und Suchtbericht. Der hat Zeit seines Bestehens noch keinen einzigen Cannabistoten registriert. Max Plenert vom Deutschen Hanfverband hat daraufhin die Redaktion von "Gallileo" nach der Quelle gefragt, auf der diese 300 Cannabistoten beruhen.

"Stellungnahme der Pro7 Redaktion zu Cannabistoten

vielen Dank für Ihre Email und Ihr Interesse.

Was stimmt ist, dass Cannabiskonsum nicht direkt zum Tod führt. Cannabis hat also keine toxische Wirkung wie andere Drogen. Außer man würde mehrere tausende Joints auf einmal rauchen. Dazu gibt es aber keine wissenschaftliche Fakten.
Fakt ist aber, und da haben wir uns bei mehreren Experten (Suchtexperten, Psychiater) rückversichert, dass es Cannabistote gibt. Und zwar Suizidtote (durch die sogenannten Horrortrips), Tote durch Verkehrsunfälle (die meisten drogenbedingten Unfälle passieren durch Cannabiskonsum) und durch Lungenkrebs.

Die Zahl in dem Bericht haben wir der aktuellen Drogenstudie von 2011 der Deutschen Beobachtungstelle für Drogen und Drogensucht (REITOX Jahresbericht) entnommen, in dem die Drogentoten von Langzeitschäden und Unfälle enthalten sind.

Zu behaupten es gibt keine Cannabistote gibt, ist falsch. Und diese Sichtweise wäre journalistisch sehr gewesen. Allerdings haben wir nicht behaupten, dass es Tote durch direkten Cannabiskonsum gibt.

Wir hoffen Ihre Frage ausreichend beantwortet zu haben."


Super geschrieben, Glückwunsch an den Praktikanten in der Redaktion. Da sieht man wieder, wie sauberer Journalismus funktioniert: Kurz beim Experten rückversichern und ohne Prüfung der Quelle publizieren. Leider haut das nicht ganz hin, denn die Zahl der Drogentoten wird nicht nach Gutdünk von Journalisten, Psychologen oder "Suchtexperten" definiert, sondern nach vom Bund festgelegten Kriterien. Denen zufolge gab es bislang in Deutschland noch keinen Cannabistoten.

Folgt man der Argumentationskette, so gibt es jährlich eine Vielzahl Auto-, Bananenschalen-, Leiter-, Beziehungsstreit-oder Sporttoten. Diese Gefahrenquellen kann man dann gleich im Zuge des neuen Sicherheitsbedürfnisses mitverbieten. Die Zahl der Alkoholtoten müsste zudem ins Unermessliche steigen, spielt doch Alkohol in der Kriminal- und Unfallstatistik eine weitaus größere Rolle als Cannabis. Doch keiner kommt auf die Idee, von fünf Alkoholtoten zu reden, wenn wieder einmal ein besoffener Autofahrer eine Hand voll Zeitgenossen ins Jenseits geschickt hat.

Das ganze erinnert doch eher an eine Posse der bayrischen Polizei, die vor Jahren schon einmal versucht hatte, die Statistik zu manipulieren. Vergeblich, denn auch im Drogensuchtbericht tauchte dieser angebliche erste "Cannabistote" der Republik nie auf.
Kimo