Hanf Journal Logo Teil 1
Hanf Journal Logo Teil 2
*
  SITEMAP
 
  * Rubriken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

*
 
*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-

*
 
*
-
-
-

anderswo
Druckversion
Post Orgasmic Chill in Sevilla
(Pub. April 2004)
Publiziert am: 07.04.04 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 04april artikel Post Orgasmic Chill in Sevilla

Vor etwa einem Jahr gab ich in diesem Druckwerk mein Debüt mit einem Artikel über die A.R.S.E.C. Sevilla, dem betischen Ableger der über ganz Spanien verstreuten, nach dem antiprohibitionistisch eingestellten Rechtsanwalt Ramón Santos benannten Hanf-Vereine. Nun, zum zweijährigen Bestehen des Vereins hatte ich die Gelegenheit, mich vom Fortschritt der Aktivitäten rund ums Kraut vor Ort zu überzeugen.

Die Mitgliederzahl ist inzwischen auf über 500 angewachsen, und trifft man jemanden im Vereinslokal in der Calle Álvaro Bazán, den man noch nicht kennt, stellt man sich meist mit Namen und Mitgliedsnummer vor, wobei diejenigen mit der niedrigen Nummern, die Gründungsmitglieder, das immer mit einem gewissen Stolz preisgeben (ich geb’ da natürlich nichts drauf, aber übrigens ich bin Nummer 41, nur so nebenbei . . .).

Wie das bei den meisten Vereinen so ist, hat sich die Anfangseuphorie nach zwei Jahren schon ein bisschen gelegt, die meisten der 500 Leute sind unterstützende Mitglieder, die man im Lokal selten sieht, und der harte Kern, der das Ganze wirklich am Laufen hält, ist derselbe wie anno 2002, eine Handvoll Leute, die immer noch mit einem beeindruckenden Animo dabei sind.

Einige der Ziele, die man sich für 2003 gesteckt hatte, konnten verwirklicht werden, so zum Beispiel die Implementierung einer nationalen Dachorganisation der unzähligen verschiedenen Hanf-Vereine, um die Zusammenarbeit bei landesweiten Aktivitäten (etwa den alljährlich im Februar stattfindenden Festivitäten zu Ehren des „St. Canuto" oder Großdemos) effektiver zu gestalten. Das Vereinslokal wurde mit viel Liebe zum Detail weiter ausgestaltet und mit exquisiten Wandgemälden verschönert, wobei die Tatsache, dass einer vom „harten Kern" als Karikaturist einer großen Sevillaner Tageszeitung firmiert, sehr zu Ästhetik und Gelingen beitrug. Mittlerweile ist abends täglich geöffnet, was der Fluktuation an Leuten sehr zugute kommt und das Clublokal als alternatives Kulturzentrum in Sevilla etablierte. Montag bis Freitag finden jeden Abend die verschiedenen Workshops statt (von Rechtsberatung über Medizin bis hin zu Grow-Fragen), das Wochenende gehört den DJs, DJanes, diversen Bands und der puren Diversion. Die Rechtslage hilft bei diesem Unterfangen (noch) kräftig mit, denn wer einen Mitgliedsausweis besitzt, darf in Bar-Atmosphäre bei Live-Musik legal Hanf konsumieren und hat dabei noch dazu die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten Wissen, Erfahrung und Kostproben der eigenen Ernte auszutauschen. Wie lange das noch so sein wird, hängt momentan sehr vom Ausgang der Wahlen am 14. März ab. Sollte die derzeitige konservative Regierungspartei PP (Partido Popular) unter Rajoy wieder gewinnen, ist die Gefahr groß, dass am derzeitigen Plan des Innenministeriums festgehalten wird, durch eine Abänderung der bestehenden Gesetze mit der grünen Contrakultur Schluss zu machen, und zwar rundum - sprich mit allem was dazugehört: Hanf-Läden, Hanf-Vereine, Hanf-Zeitschriften. Hanf-Aktivisten aller Lager versuchen nun, möglichst viele Menschen zum Wählen zu motivieren um zu verhindern, dass die PP durch eine zu geringe Wählerbeteiligung die absolute Mehrheit erhält. In Sevilla fabrizierte man Anstecknadeln mit der Aufschrift „+ THC - PP" und „No al Pepe", welche die Leute auch fleißig tragen (die Spanier fliegen generell auf Anstecker und so Zeug). Was die sozialistische Opposition, die PSOE, in den nächsten Jahren mit der Pflanze im Sinn hätte, bleibt allerdings ebenfalls fraglich, und die Hanf-Partei (ja die gibt es wirklich!), welche bei den Regionalwahlen in Valencia mehr Stimmen abräumte als die Grünen (!), ist zwar wieder vertreten, allerdings nur in drei Provinzen, da man den Sprung auf die Nationalebene nicht schaffte.

Zwischenzeitlich sind cannabische Aktivitäten wie die der A.R.S.E.C. allerdings noch legal und das wurde und wird heftig ausgenutzt. Die kreativen Köpfe des Vereins zeigen auch immer wieder planerisches Geschick, so zum Beispiel als sie die erste Antiprohibitions-Demo genau in der Osterwoche veranstalteten und somit einerseits viele spontane Partizipanten hatten und sich andererseits der Aufmerksamkeit aller in der Stadt anwesenden Touristen sicher sein konnten (und das sind um diese Zeit viele). Auch die Zusammenarbeit mit der Presse funktioniert gut, da die Medien hier im Süden zum Thema illegalisierte Genussmittel generell schon etwas entspannter eingestellt sind. Beim zweiten Hanf-Wettbewerb „La Semillita 2003" nahmen Grower aus ganz Spanien teil (Barcelona, Valladolid, Madrid), die Qualität der präsentierten Kräuter war sehr hoch und zu meiner ganz speziellen Freude gab es auch einige Growerinnen, die sich dem Wettbewerb stellten. Zu Beginn und zum Ende des Sommers hin mietete man ein Veranstaltungsboot und feierte mit Reggae-Band und allem was dazugehört den Guadalquivir, den durch Sevilla führenden Fluss, rauf und runter. Mit dem eingenommenen Eintritt konnte man auch das Vereinsbudget wieder etwas aufbessern. Denn so wie anscheinend jedes idealistische Unterfangen, so hat auch die A.R.S.E.C. immer wieder mit doch sehr praktischen Problemen zu kämpfen, und die sind anscheinend überall dieselben: Mitglieder, die die Beiträge nicht zahlen kontra Lokalmiete, die trotzdem gezahlt werden will. Ein großer Haufen Leute, der die Vereinsräume (be-)nutzt kontra einer Hand voll, welche aufräumt und saubermacht. Viele vertrauenswürdige Mitglieder contra Einzelexemplare, welche aus dem Büro die vereinseigene Maria klauen (so geschehen letzten Winter). Es bleibt abzuwarten, ob und wie sich der Verein dieser Probleme entledigt und wie es dann auf lange Sicht weitergehen wird.

Die Feria Alternativa, welche jedes Jahr im Frühling Kunsthandwerk, Contrakultur und Gauklertum in Sevilla vereint, findet dieses Jahr symbolträchtigerweise just am Wochenende der Wahlen statt. Grund genug für die A.R.S.E.C., vor Ort noch mal kräftig die Werbetrommel zugunsten dieser wunderbaren Pflanze zu rühren und möglichst viele Menschen dazu zu bewegen eine grüne Zukunft zu wählen. Mit Infomaterial und Hanf-Produkten satt, unterstützt von Workshops, Videovorführungen, Kinderecke und Hanf-Keksen wird sich an diesen drei Tagen vom Hanf-Stand aus eine Wolke des Lächelns über die Feria ausbreiten, wobei die meinerseits beigesteuerten Maria-Hörnchen nach original österreichischem Keksrezept hoffentlich ihren kleinen Beitrag dazu leisten werden. Pake España vaya bien.

Claudia Greslehner
Versenden: Artikel drucken Druckversion Versenden: Artikel bookmarken bei einem ServiceBookmark it!

Mehr zum Thema:

- Diskutiere das Thema im Hanf Journal Forum

 
*
 Aktuelles HanfJournal
-