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Bologna, die Stadt der Revoluzzer
(Pub. August 2003)
Publiziert am: 03.08.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 03august artikel Bologna, die Stadt der Revoluzzer

Ganz Italien ist von Rechten besetzt! Ganz Italien? Nein, ein kleines Nest kämpft seit Jahren für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit. Bologna, die Stadt der Revoluzzer.
Wer in Bologna eintrifft, kann sehr schnell an der Deckenbemalung der alten Arkaden erkennen, dass Kiffen hier definitiv zur alten Tradition gehört hat. Denn wie sollte sich sonst das Bild eines Bischofs, verziert mit Hopfen und Cannabis, erklären lassen? Wer dann noch die Zigarettenautomaten genauer inspiziert, merkt das er hier richtig ist. Schließlich gibt es hier sogar Päckchen mit langen Filtern, Tipps und Reggae-Feuerzeug. Was will man eigentlich mehr? Legal kiffen? Das geht dann leider doch nicht – schließlich wacht Berlusconi in Rom über Recht und Ordnung.
Mit diesem Herren stehen aber die meisten Einwohner Bolognas eher auf Kriegsfuß. Schließlich hat diese Stadt eine lange linke Tradition und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass es hier von linken Radiosendern, autonomen Jugendzentren (mit angeschlossenen Drogenvereinen) und Intellektuellen-Cafés nur so wimmelt.
Die Kultkneipe schlechthin ist eindeutigerweise die „antica drogheria calzolari“. Eine Horde von Menschen – meist jedoch Männer – belagert regelmäßig die Straße vor diesem Lokal. Wirre Gespräche, enthusiastische Plädoyers und philosophische Abhandlungen stehen hier auf der Tagesordnung. Selbst Howard Marks kehrte hier schon ein, aber was soll er schon groß machen, wenn oben drüber „drogheria“ steht?
Solltet ihr irgendwo ein Plakat einer Party von M.D.M.A. entdecken - dann nichts wie hin. M.D.M.A ist eine Organisation, die sich für die Legalisierung aller Drogen einsetzt und fette Partys feiert. Auf diesen Partys gibt es dann noch passende Informationen über die verschiedensten Drogen, Hilfe in Notsituation und immer ein nettes Lächeln. Wer die italienische Sprache nicht beherrscht, sollte sich jedoch schon vor dem Italienurlaub über seine Drogen informieren. Denn selbst auf Englisch ist fast kein Flyer zu erhalten. Auch die meisten anderen Clubs haben angeschlossene Drogenaufklärungsgruppen mit im Haus oder betreiben diesen sogar selbst. Eine umfassende Aufklärung ist dadurch in Bologna sicher gestellt. Sicherheit gibt es aber auch hier nicht. Weder kontrollierte Abgabe noch Drug Checking ist in Italien erlaubt.
Unter den vielen Aktivisten der bolognischen Drogenszene ist auch Enrico Fletzer. Neben seinen Aktivitäten für die Legalisierung arbeitet er auch noch für das Radio Kappa Centrale, in dem er immer wieder Beiträge über Cannabis und andere Drogen bringt. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Italien eine ausgeprägte „Radioszene“. Jede Region hat ihre eigenen kleinen und meist auch sehr politischen Sender. Reinhören empfiehlt sich auch beim Nichtverstehen – zumindest einmal. Was die Italiener auch besser als wir können, ist das Demonstrieren. Schon allein in der kleinen Stadt Bologna kamen zu einer Podiumsdiskussion über Drogen fast 1.000 Menschen, bei den großen Demos in Mailand oder Rom kann man dann schon mit deutlich über 50.000 Demonstranten rechnen. Und diese Aufmärsche überzeugen nicht nur durch Masse, sondern auch durch Kreativität. Haben nicht schließlich die Italiener mit ihren bunten Cannabis-Pace-Fahnen (Plakat im Hanf Journal Mai 2003) und ihren vielen Teilnehmern die UNO Demo in Wien gerettet?
Kiffen ist in Bologna nicht schwer. Zwar sollte man es in der Öffentlichkeit eher unterlassen, ist aber schon in den meisten Clubs und Kneipen in guter Sicherheit. Bei einer Menge von bis zu drei Gramm Marihuana passiert in Italien meist nichts. Eventuell bekommt man eine Rüge und die Polizisten das Gras, dass ist aber dann schon alles. Unentgeltliche Weitergabe ist jedoch verboten. Wer mehr dabei hat oder gar dealt, muss mit ähnlichen Strafen wie in Deutschland rechnen. Etwas zu bekommen, funktioniert genauso wie in jeder anderen Stadt. Wer ein bisschen in der Luft schnuppert, lockere Typen anquatscht und gezielt fragt, wird sicher glücklich. Aber immer Vorsicht, denn gerade durch die rechtskonservative Regierung Silvio Berlusconis gibt es immer mehr Bestrebungen auch die User zu verfolgen.
Wen es trotz der politischen Aufregung nach Italien zieht, der sollte auch ein paar schöne alte Ruinen betrachten. Wenige Locations laden mehr zu einem entspanntem Chillen ein als alte halb zerfallene Ruinen. Und wenn man dabei noch einen Ausblick auf das Meer oder ein kleines Dörfchen hat, dann ist das sicherlich der beste Ort zum Abfilmen.
Eines ist bei einem Italienurlaub auf jeden Fall immer bestens befriedigt: Der Fressflash. In Bologna und wohl auch im Rest Italiens gibt es wohl das beste Essen dieser Erde. Zwar werden nicht alle das Glück haben, von Einheimischen in waghalsigen Motorradrallyes an den Gipfel des Berges chauffiert zu werden um dort leckeren Schinken, dünn geschnittene Mortordella, milden Mozzarella und mundigen Schafskäse zu verzehren. Doch das Essen in den Lokalen und Kneipen ist auch hervorragend. Ich habe – auch dank des Eisladens – in Bologna mindestens drei Kilo zugenommen. Aber so ist das eben.



Werner Graf


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