Hanf Journal Logo Teil 1
Hanf Journal Logo Teil 2
*
  SITEMAP
 
  * Rubriken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

*
 
*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-

*
 
*
-
-
-

anderswo
Druckversion
Indonesien
Die sanften Nischen im südostasiatischen Indonesien
Spiel, Spaß und Spannung – und etwas Süßes
(pub. feb.03)
Publiziert am: 01.02.03 - Medienformen: Medienform Text


Der Backpacker an sich sucht gewöhnlich nach etwas Spiel, Spannung und Abenteuer. Was Süßes soll dann auch dabei sein. Wem die Inseln des klassischen Aussteiger- und Kifferlands Thailand zum Seelebaumeln zu überlaufen ist, kann sich etwas südlicher umschauen. In Indonesien findet jeder seinen Platz. Man muss nur suchen.

Auf der Suche nach Natur, Glück und Entspannung

Indonesien erstreckt sich immerhin auf einer Breite von ca. 5.000 km, umfasst mehrere tausend Inseln und beherbergt verschiedenste Kulturen und Religionen. Jede der größeren Inseln setzt mit ihrer Kultur ihre eigenen Duftmarken. Auf der Reise von West nach Ost gerät der staunende Bewunderer vom islamisch geprägten Java nach Bali, das seine eigene Spielart des Hinduismus mit ca. 20.000 Tempeln pflegt, reist weiter auf Lombok, das als etwas islamisch-fundamentalistischer gilt als Java, kommt schließlich zum stockkatholischen Flores, wo einst die portugiesischen Kolonialherren deutlich ihre Spuren hinterlassen haben. Nicht zu vergessen die verschiedenen Naturvölker auf den versprengten Inseln, die ihre Rituale pflegen und sich verzweifelt gegen die Einflüsse der westlichen Moderne wehren.
In dieses bunte kulturelle Potpourri mischen sich überdies noch gigantische Landschaften. Tropische Wälder übersäen die westlichste Insel Sumatra, auf Java ragen gigantische Vulkane heraus, die nach Lust und Laune rote Asche spucken, Balis Reisterassen und der stimmungsvolle Sonnenuntergang lassen jeden dahinschmelzen, Flores glänzt mit seiner reichen Pracht an – wie der Name schon sagt – Blumen.

Multikulti mit Natur zum Staunen = alles Paletti?

Natürlich nicht ganz. „Seit der Unabhängigkeit haben wir in Indonesien ganz gut zusammengelebt. Aber die Konflikte zwischen den Inseln sind schärfer geworden. Der Fundamentalismus nimmt leider zu“, beklagt sich Kraton Purwato. Der Terroranschlag auf Bali ist nur ein Ausdruck des zunehmenden Fundamentalismus – und hat die Insel schwer getroffen. Dummerweise bleiben auf Bali nicht nur die australischen Fit-for-fun-und-Spass-Touristen, sondern auch die klassischen Backpacker langsam weg. Gerne nahm dieses Klientel am Strand des Hauptortes Kuta mal `ne Tüte zu sich, das die fliegenden Händler neben Cola, Sarong-Tücher und Massagen anbieten. Dirk – ein Backpacker - vergleicht die Situation auf Bali vor und nach dem Terroranschlag: „Früher war der größte Spaß in Kuta, einen zu rauchen und dabei das ‚Japanese-watching’ zu betreiben. Heute bleiben die Japaner weg und das Dope ist billiger als je zuvor. Leid tun mir die Balinesen, die vom Verkauf leben. Das nervt fast schon, wenn alle zwei Minuten ein Verkäufer ‚a bit of hashish’ schreit.“ Etwas betroffen schaut Dirk zu Boden, während an seinem Gewissen das Ausnutzen der ökonomischen Zwangslage nagt. Reisen bedeutet eben auch, sich mit der Situation vor Ort auseinander zu setzen.

Abseits des Magneten Balis findet sich vor der Nebeninsel Lombok die kleine Insel Gili Air. Dort ist die kleine, heile Welt noch in Ordnung, auch wenn Touristen die kleinen Welten mittlerweile entdeckt haben. Auf der Fläche von ca. 1 km Länge und 500 m Breite tummeln sich in aus Bast geflochtenen Strandhütten, den sogenannten Losmen, Sehnsuchtssuchende der Welt – meist auf der Durchreise nach Australien, wobei die Reise in manchen Fällen auch mal mehrere Jahre dauern kann. Dass manche hängen bleiben, ist auch kein Wunder: vor der Hüttenhaustür ein Riff, das zum Schnorcheln einlädt; abends ein Zug durch die vier Freiluftbars, in denen abwechselnd die Open-Air-Disco stattfindet; nachmittags zur Erfrischung vorgeschnittene und frisch geerntete Ananasstückchen zum Preis von 10 Cent; Engländer begeisterten sich an der Satellitenschüssel, die Fußball aus der heimatlichen Premier League ausspuckt; und natürlich Gras zum Selberernten auf den wenigen Feldern, die auf der Insel Platz haben. Das wird dann auch zu allen Gelegenheiten konsumiert. Der örtliche Barkeeper hilft schon mal den Ungeübten beim Rollen eines Joints, der dann pfleglich am Nachmittag unter der fast schon kitschigen Palme am Strand abbrennt. Easy livin’ leicht gemacht.
Das besondere Schmankerl der Insel kann man auf der Kuhweide finden. Gut gedüngt von Kuhfladen der glücklich weidenden Kühe wachsen dort Pilze, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Bringt man die frisch geernteten Pilze dem Besitzer der Strandhäuser vom Spaziergang mit, bereitet er ein leckeres Pilzomelette zu. Der 23jährigen Ina aus Köln waren die Wahrnehmungsverschiebungen und extremen körperlichen Verlangsamungen dann doch etwas zu heftig: „Vom Anzünden der Zigarette bis zum Ausdrücken der Zigarette konnte ich nur einmal dranziehen. Und dann war meine Freundin nur noch grün im Gesicht. Ich möchte es nicht noch mal haben – aber auch nicht missen.“ Den exzellenten Kundenservice auf der Insel lobt sie noch immer.

Schlecht kann einem auch auf der Insel Flores werden. Vom westlichsten Kleinhafen bis in die Mitte der Insel zum Krater eines Vulkans dauert die Busfahrt ca. 16 Stunden. Busfahrt? Höllenritt wäre die richtige Bezeichnung. Feldwege mit einer Masse von Schlaglöchern, 180 Grad Serpentinenwendungen, der gewagte Fahrstil eines übermütigen und übermüdeten Fahrers und der extrem schlecht gefederte Kleinbus lassen den Fahrgast zur Kotz- oder falls nicht vorhanden zu einer hektisch entleerten Plastiktüte greifen. Das Virus greift dann meist schnell um sich, denn wenn einer erst einmal loslegt, regt der beißende Geruch schnell seinen Nachbarn an.
Am Ziel angelangt, wird der harte Trip belohnt mit dem Blick auf drei magische Seen. Diese liegen nebeneinander in kleinen ehemaligen Kratern und schimmern abwechselnd in den Farben blasgrün, schwarz und tiefblau – oder umgekehrt. Denn alle paar Wochen oder Jahre wechseln die Seen die Farbe.
„Aufgrund metallischer Veränderungen in den Seen kommt es in unregelmäßigen Abständen zu Farbwechseln an der Seeoberfläche“, liest der Brite Mike aus dem Independent-Reiseführer vor. In seiner linken Hand brennt das Gras ab, das er bei einem örtlichen Kleinhändler abgestaubt hat. Es ist 6 Uhr morgens, ca. 2.000 Meter über der Meeresoberfläche. Der Blick schweift zur über dem Meer aufgehenden Sonne. Etwas kitschig, aber ruhig. Ein kleiner Zug, kurz den Atem angehalten, langsam ausgeblasen – den Frieden mit der Welt gemacht. Frieden auf den Inseln, auf denen hoffentlich viele ihren Frieden finden werden.

Marco Valentino


Druckversion
 
*
 Aktuelles HanfJournal
-