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Jamaika
die (gras)grüne Insel
(pub. Juli 2003)
Publiziert am: 26.06.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 03juli artikel Jamaika die (gras)grüne Insel

Die Tür geht auf, mein Freund kommt rein und wedelt wie wild mit einem Papier. „Wir fliegen nach Jamaika, zwei Wochen, im Juni!“ Jamaika!
Zu dem Zeitpunkt war Jamaika für mich der Inbegriff einer kiffenden, reggae-hörenden Nation mit massig Sonne. Nach einem kurzen Blick in den Reiseführer weiß ich, dass Jamaika etwa 2,5 Millionen Einwohner hat und Kiffen tatsächlich nicht erlaubt ist. Jamaika ist eine Insel, liegt 145 km südlich von Kuba und ist 11.000 qkm groß. Ich hatte mich also vorbereitet. Dennoch kam dann alles ganz anders, aber irgendwie auch nicht . . .
Und schon am Anfang war eines klar, dieser Urlaub wird nicht normal! Wir wohnten unter den Einheimischen in einer Pension, die von einer Deutschen und Hubert dem Rastafari geführt wurde. In unserem Zimmer stand ein Ventilator, ein großes Bett und ein Schrank ohne Türen. Fließendes Wasser gab es nicht und vom Fernseher hatten die Vermieter vermutlich noch nicht mal was gehört.
Unser erster „Trip“ mit den anderen Bewohnern der Pension führte uns zu einem abgelegenen Dschungelfluss und zu den Plantagen des Onkels unseres Rastafaris, Nevil.
Drei Stunden dauert die Reise zum Dschungelfluss. Nun hieß es: Bikinis und Badehosen anziehen. Drei junge Jamaikaner warteten bereits sehnsüchtigst auf uns. Sie versuchten per Augenmaß unsere Schuhgröße herauszufinden, denn jeder von uns bekam ein paar wasserfeste Gummisandalen, oder zumindest das was noch davon übrig blieb. Und schon ging’s los, mehr brauchst Du nicht. Schuhe und Bikini, fertig!
Auf den ersten Blick wirkte der Fluss harmlos, ruhig und ungefährlich. Doch meine Phantasie verbot es mir, mich hemmungslos ins Wasser zu werfen. Denn die Erinnerung an Alligatoren, Riesenspinnen und tödliche Riesentausendfüßler, von denen mein Reiseführer schonungslos berichtete, kam zurück. Und wer will schon wirklich engen Kontakt mit solchen Tieren? Doch plötzlich – die Jungs vom Schuhstand setzen sich in Bewegung und ohne ein Zeichen der Furcht - und weißt du - fett ohne Schuhe steigen sie in den Fluss. Da blieb mir keine andere Wahl! Okay. Das Wasser ist angenehm kühl und die Angst vor den schleimig-bestialischen Wassertieren sinkt zusehends. Wir liefen durch den kompletten Fluss und kamen uns vor wie Computerspielhelden, die mehrere Level zu meistern haben: Eine reißende Strömung gleich nach den ersten dreißig Metern. Gefährliche Hindernisse, die kletternd und tauchend überwunden werden mussten. Und immer ein Auge aufs Ufer - plötzliche auftauchende Alligatoren lauerten von dort. Beruhigend wirkten die tapferen, jungen Flussführer, die die ganze Zeit in unserer Nähe leichtfüßig mitwateten. Der Höhepunkt des Walks, eine Klippe mitten im Dschungel - fünf Meter hoch! Natürlich, alle springen! Wer will sich so was schon entgehen lassen? Ich liebe Jamaika, denke ich, während ich ins kühle Nass falle . . .
Wir schwammen ein bisschen, klettern und tauchen, bis plötzlich einer unserer Begleiter den Fluss verließ. Da uns ja eh nichts anderes übrig blieb, folgten wir ihm alle schweigend. Bis auf ein paar Schreie und Quietscher fiel die Tour ohnehin sehr schweigsam aus, da unsere Begleiter keine Sprache beherrschten, deren wir auch mächtig gewesen wären. Nun folgte ein Marsch über ein großes Feld und wir trotteten in unseren quietschenden Gummischuhen und genossen die warme Sonne. Immer wieder blieben wir stehen, um Pflanzen zu begutachten. Eine hatte die Fähigkeit, dass, nachdem man ihre Blätter mit den Händen rieb sofort Seife entstand, sogar der Geruch war original! Curry, Basilikum, fleischfressende Pflanzen, alles da.
Zurück bei dem Schuhverleih und den Umkleidekabinen war wieder Umziehen, Schuheabgeben und schnell ins Auto Springen angesagt, denn jetzt kamen die Hanfplantagen und das Mittagessen. Wir fuhren eine weitere Stunde mit dem Auto bis zu unserem nächsten Stop, dem sagenumwobenen Garten von Nevil. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung bekam jeder von uns direkt eine Kokosnuss in die Hand gedrückt. Huberts Onkel lief mit einem langen Stab in das hintere Ende seines Gartens und kam mit einem langen Stab und einem Sack voll Früchte wieder: Ananas, Bananen, Mango, Papaya - alles was das (Kiffer-)Herz begehrt. Und natürlich wurde auch für den Rest gesorgt! Eine große Plastikeinkaufstüte voll mit Gras vom Gastgeber, für die Gäste. „Raucht!“ Niemand lässt sich so etwas zweimal sagen, denn das Gras auf Jamaika ist nicht nur sehr billig, sondern auch sehr lecker. Aber ganz so krass wie die Einheimischen, die ganze Blüten einfach in Papers wickeln, sind wir dann doch noch nicht. Filter und Tabak waren bei uns angesagt. Also rauchten wir und aßen während des alltäglichen tropischen Regens und warteten auf die Dunkelheit, denn dann werden wir zu den Plantagen geführt werden . . .
Nach fiebrigem Warten ging es endlich los. Zusammen mit Huberts Onkel brachen wir zu einem Fußmarsch zu den kleinen Hanfplantagen auf. Übrigens trägt Nevil keine Schuhe, er besitzt keine Schuhe und braucht auch keine. Den ganzen Weg führt er uns durch Matsch und steinige Wege, und wie gesagt alles ohne Schuhe! Plötzlich standen wir vor den ersten Pflanzen. Die Dunkelheit ist bedrückend: ein Meter Sicht war Maximum. Aber das Wichtigste war zu sehen: Pflanzen über Pflanzen, große, kleine und im Bonsaiformat.
Die Grassorte nannte er Alaska, und er hatte sie soweit hochgezüchtet, dass er viermal im Jahr ernten kann! Diese Pflanzen brauchen vom Samen bis zur Blüte drei Monate. Was hier wirklich wichtig ist, denn die Polizei brennt hier alle vier bis fünf Monate die Felder nieder. Die fliegen auf der Suche nach Hanfplantagen mit einem Hubschrauber über die Insel und wenn sie eine entdecken, brennen sie die armen Babies eiskalt nieder. Aber das sehen die Bauern nicht so wild. Meistens sitzen sie daneben und warten bis das Feld abgebrannt ist, um dort gleich wieder auszusäen. Es kostet zu viel Zeit ein neues Feld zu suchen und verbrannter Boden ist außerdem der beste Dünger. Leider sahen wir die richtig großen Felder nicht mehr, da der Regen nicht aufhören wollte und der Fußmarsch im Dunkeln ansonsten zu beschwerlich gewesen wäre, zumindest für unsere ungeübten Tourifüße. Zurück von der Plantage gab es noch ein exotisches Abendessen bei Huberts Familie. Diese Menschen leben an der Armutsgrenze und hatten trotzdem eine gute Portion Reismix für jeden übrig. Man hat nichts, gibt aber trotzdem auf Jamaika!
Es ist schön zu sehen, dass sich manche Vorurteile doch noch bestätigen. Denn auf Jamaika gibt es tatsächlich nur weiße Strände, türkises Meer, super Gras und lauter Rastafaris.
IRIE!



Sina Schidor


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