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Momentaufnahmen aus Iberien
Claudia Grehslehner, Weltenbummlerin, Hanf-Expertin und treue Journalistin für das Hanf Journal hat in Spanien so einige Erfahrungen gemacht . . . gerade wenn es um das Thema „Kiffen“ geht. Und so schilderte sie uns einige Momentaufnahmen ihrer Reise durch ein wunderbares Land:
(Pub. Juli 2004)
Publiziert am: 07.07.04 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 04juli artikel Momentaufnahmen aus Iberien

Sevilla im Mai. Flucht vor der Nachmittagshitze in ein kleines Beisl an der Alameda, der Alternativmeile der Stadt. Zwei Bauarbeiter genießen am Nebentisch ihre Pause bei einem Bier und einem Joint. Von den insgesamt sechs Tischen im Freien wird an dreien gebaut, auf dem Tisch, nicht darunter.


Jacinto führt uns stolz sein neues System vor: minimaler Platzverbrauch bei maximaler Ausbeute  indoor. Sechzig Pflanzen in einem Kasten, Erde nur so viel wie nötig. Jose-Luis dagegen hat seinen rund 30 Pflanzen in seiner Wohnung ein eigenes Zimmer reserviert. Zum Abschied gibt’s von beiden einen ausgewählt schönen Bud mit auf den Weg.


In einem Vorort der andalusischen Hauptstadt besuchen wir Francisco, der noch bei den Eltern wohnt, wie hier üblich bis zur Hochzeit, die Dachterrasse in voller Länge und Breite Marien geweiht. Seine über sechzigjährige Mutter hat das Hanf-Kochbuch in der Küche liegen, die getrockneten Buds am Küchenkastl und benutzt den vom Sohnemann fabrizierten Hanf-Alkohol zum Einreiben ihrer schmerzenden Knie. Ich nutze ihre Küche, um Cyberkese nach original österreichischem Rezept zu fabrizieren, welche am Stand des Hanf-Vereins auf der Alternativmesse in Sevilla verkauft werden sollen. Mit den Worten, sie würde damit so gut einschlafen, zweigt sie sich gleich ein paar für sich ab. Auch von Francisco gibt’s ein besonders schönes Stück Mexican Sativa.


Javi, Häuslbauer und Semi-Austeiger, lebt mit Frau, pubertierendem Sohn, Hühnern und Ziegen in der Sierra de Aracena am Rande eines Naturparks. Jeden Tag nach getaner Arbeit gönnt er sich zwischen acht und neun Uhr abends seinen Joint. Als wir ihn besuchen, ist es schon zehn, als er Feierabend macht, weshalb er diesmal drauf verzichtet, weil er sonst am nächsten Morgen nicht aufkommt.


Cuenca, pitorreskes Touri-Dörflein in der Provinz Castilla  La Mancha, Heimat Don Quijotes. Im Wohnhaus direkt hinter der von unzähligen Besuchern frequentierten Aussichtsplattform im ersten Stock am Fenster zwei Plastikkübel mit eindeutigem grünen Inhalt, umringt von kleinen abgeschnittenen Tetrapacks, aus denen der Nachwuchs die Blätter der Sonne entgegenstreckt. Auf unser Fachsimpeln hin erscheint ein vollbärtiges Studentengesicht am Fenster – ob es hier keine Probleme mit der Polizei gäbe? Bis jetzt nicht, meint es. Wir wünschen gute Ernte und ziehen weiter. Gleich ums Eck treffen wir auf einige Gitanos, die Straßenmusik machen. Das heißt, im Grunde singen und spielen sie die Bulerías und Flamencos hauptsächlich für sich, das Geld, das in das Schachterl wandert wird in unregelmäßigen Abständen fürs Bierkaufen verwendet. Wir bleiben eine Weile, das Bier macht die Runde und irgendwann auch der Joint aus feinstem „Hachís“. Auf dem Weg zurück zum Auto treffen wir an einer Hausecke auf einen jungen Mann, der in der hier typischen Haltung im Stehen baut: auf dem Oberschenkel (hier im Süden muss man schon sehr gut sein, wenn man jemanden mit seinem Können beeindrucken will).


In Castellón habe ich mich mit Dr. Juan Carlos Usó verabredet, dessen Dissertation über Hanf in Spanien mir bei meiner eigenen Arbeit sehr geholfen hat. Bei den landesüblichen Insignien der Gastfreundschaft, Cola, Bier, Knabbereien und Bauzeug, erzählt er mir von der ersten Unterredung mit seinem betreuenden Professor an der Uni in Madrid, Antonio Escohotado, seines Zeichens Verfasser des nationalen Standardwerkes „Die Geschichte der Drogen“: die beiden gaben sich erst mal eine Runde Ketamin, bevor es ans Arbeiten ging.


In Katalonien treffen wir Christina. Als Seemannsbraut ist sie oft monatelang alleine zu Hause und als Hausfrau hat sie dabei genügend Zeit, um sich um ihre Pflanzen auf der Dachterrasse zu kümmern. Dort wachsen sie in den Himmel – denn es sind, untypisch für Spanien, auch einige Sativa dabei – und den Nachbarn ist das herzlich egal. Mit dem Verkauf des Grases verdient sie ihr eigenes Geld. Wobei einem als an mitteleuropäische Preise gewöhnten Menschen der Preis von zwei Euro pro Gramm die Tränen in die Augen treibt.


In Barcelona bin ich in der Redaktion der spanischen Hanfzeitung „El Cáñamo“ mit Xaquín verabredet. Schon beim Eintreten bemerke ich den eindeutigen Geruch, der über allem in der Luft zu schweben scheint. Er hat noch etwas zu erledigen, bittet mich, in seinem Büro zu warten, meint mit einer für Nicht-Südländer unnachahmlichen Selbstverständlichkeit, ob ich mir in der Zwischenzeit einen bauen will und schiebt mir das Schachterl über den Tisch zu.


Nahe der französischen Grenze leben Martí und Rosa. Wir kennen uns gerade mal ein paar Stunden und schon sind wir bei ihnen zu Hause zum Essen eingeladen. Auch Martí ist Hobby-Gärtner, und zum Abschied drückt er uns einen Gefrierbeutel voller Hirngrün in die Hand.


In praktisch jedem Tabakladen, Wohnladen, Modeshop, Versandhaus oder Verkaufsstand finden sich Accessoires mit Hanfblattverzierung, vom Feuerzeug über Taschen bis zu Tischlampen. Egal wohin man geht, egal mit wem man spricht – in Spanien ist Hanf allgegenwärtig, quer durch alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen. So allgegenwärtig und offensichtlich, dass man manchmal glatt vergessen könnte, dass es auch hier immer noch illegalisiert ist. Immer wieder ist hier im Unterschied zum nördlicheren Europa der starke Einfluss der muslimischen Hanfkultur spürbar, Grund für den so viel entspannteren Umgang mit der Pflanze, und das generationenübergreifend. Uns bleibt die Hoffnung, dass es irgendwann einmal in ganz Europa so sein wird, oder vielleicht sogar noch besser. Mit den Worten David Bispals, erfolgreicher Teilnehmer des nationalen TV-Gesangsspektakels „Operación Triunfo“ und damit in aller Ohren: „Ave Maria, cuando seas mía“.



Claudia Grehslehner
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