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anderswo
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Irak
Publiziert am: 03.03.03 - Medienformen: Medienform Text



Über kaum ein anderes Land spricht man derzeit soviel wie über den Irak. Jeden Tag die gleiche Frage: Gibt es bald einen Krieg im Irak? Grund genug, um dieses Land näher zu beleuchten. Wer weiß schon, unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben.
Leider war es uns aber nicht möglich, selbst in den Irak zu reisen, die Gründe werden sich im Laufes des Textes von selbst erklären. Allerdings hatten wir das Glück, mit jungen Leuten aus dem Irak zu sprechen. Aber lest am besten selbst...

Der Irak in Zahlen und Fakten

Der Irak mit der Hauptstadt Bagdad liegt am nordwestlichen Ende des Persischen Golfs, der im Süden an Kuwait (Iran) und Saudi-Arabien, im Westen an Jordanien, im Nordwesten an Syrien, im Norden an die Türkei und im Osten an den Iran grenzt. Das Land hat rund 23 Millionen Einwohner. Gemäß der 1970 in Kraft getretenen „Provisorischen Verfassung“ ist der Irak eine demokratische Volksrepublik. Ein im Juli 1991 verabschiedetes Parteiengesetz schränkt die Bildung von Parteien jedoch stark ein. Alle Macht konzentriert sich auf den Staats- und Regierungschef: Saddam Hussein al-Takriti, und das schon seit 1979.
Der Südwesten des Landes ist von Wüste beherrscht, während der Nordosten gebirgig ist. Dazwischen liegt das fruchtbare Becken der Flüsse Euphrat und Tigris. Drei nördliche Provinzen werden nicht von der Regierung in Bagdad kontrolliert, sondern von den Kurdenparteien KDP und PUK. Hier gilt Kurdisch offiziell als Amtssprache, die irakische Landessprache hingegen ist Arabisch und Staatsreligion der Islam. Davon sind 65 % Schiiten und 32,5 % Sunniten. Klein verstreut findet man auch christliche Kirchen im Land
Seit 1964 sind sämtliche Großbetriebe verstaatlicht. Der Irak hat die zweitgrößten Erdölreserven der Welt (ca. 15 Milliarden Tonnen) und riesige Erdgasressourcen. Außerdem ist es Mitglied der OPEC, wobei die Ölexportmenge seit dem Ende des 2. Golfkrieges eingeschränkt wurde. Das erwirtschaftete Geld darf nur für humanitäre Zwecke verwendet werden. Jedoch leidet vor allem die Bevölkerung an den harten Sanktionen. Durch die schlechte Wirtschaftslage gibt es eine hohe Dauerarbeitslosigkeit. Die wichtigsten Handelspartner für den Irak sind Brasilien, Deutschland, Frankreich, Japan und die Türkei. Landwirtschaft und Fischerei sind weitere wichtige Industriezweige im Irak.

Das öffentliche Leben

Aufgrund fehlender staatlicher Altersversorgung und mangelnder medizinischer Versorgung liegt die durchschnittliche Lebenserwartung zwischen 60 und 62 Jahren. Durchschnittlich 0,5 Ärzte müssen 1.000 Menschen versorgen, die zusammen 1,4 Krankenhausbetten zur Verfügung haben. Jede Irakerin bekommt 4 bis 5 Kinder in ihrem Leben. Die Säuglingssterblichkeit ist hoch, die meisten Kinder sind unterernährt. Vor allem in den ländlichen Gegenden haben nur wenige Zugang zu sauberem Trinkwasser, geschweige denn Sanitäranlagen. Die Analphabetenrate ist mit 54% bei den Frauen am höchsten. Die meisten Kinder können nur 6 Jahre eine Schule besuchen, ein Studium ist nur für die wenigsten finanzierbar. Hinzu kommt eine schlechte Infrastruktur – durch den zweiten Golfkrieg verursacht. Nur 30 von 1000 Einwohnern besitzen einen Telefonanschluss, sogar Rundfunkgeräte sind selten. Die Medien unterliegen der Zensur, Rundfunk und Fernsehen unterstehen direkt dem Informationsministerium. Die Opposition lebt überwiegend im Exil.
Die UN-Sanktionen

Die Auswirkungen der UN-Sanktionen auf die irakische Bevölkerung wurden bereits von UN-Stellen, Nichtregierungsorganisationen, Journalisten und Experten dokumentiert. Es gibt einen allgemeinen Konsens darüber, dass die Sanktionen in hohem Ausmaß zur aktuellen humanitären Krise im Irak beitragen. Auch wenn sich der Zugang zu Nahrung, Medizin und anderen lebenswichtigen Gütern Berichten zufolge seit 1998 gebessert hat, ist die Situation weiterhin kritisch.
Die Sanktionen gefährden das Menschenrecht auf Nahrung, Gesundheit und Bildung der irakischen Bevölkerung bzw. das Leben Hunderttausender, darunter zahlreicher Kinder. Es gab die Behauptung, dass die irakischen Behörden die Sanktionen bewusst für Propagandazwecke missbrauchten – das entbindet den UN-Sicherheitsrat aber nicht von seiner Verantwortung dafür, dass er jene Stimmen ignoriert hat, welche die Aufhebung aller Sanktionen forderten, die zu schweren Menschenrechtsverletzungen an der irakischen Zivilbevölkerung führen.

Die Menschenrechtssituation im Irak

Menschenrechtsorganisationen haben in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder über massive Menschenrechtsverletzungen im Irak berichtet, von denen sämtliche Ebenen der Gesellschaft betroffen sind. Das Konsumieren von Cannabis wird übrigens im Irak mit Amputationen oder der Todesstrafe bestraft. Ob dort Cannabis angebaut wird oder nicht, konnten wir leider nicht herausfinden. Unter anderem sind Menschenrechtsverletzungen wie Folter, „Verschwindenlassen“, staatlicher Mord bis hin zu Rekrutierungen von Kindern in die bewaffneten Streitkräfte oder Hinrichtungen bekannt. Bei den meisten Opfern handelt es sich um mutmaßliche Oppositionelle und ihre Familien bzw. um Angehörige verschiedener religiöser und ethnischer Gruppen. Atymera, eine 25 Jährige Studentin, die vor fünf Jahren nach Deutschland floh, konnte selbst nur knapp einer Verhaftung im Irak entgehen. „Mein Vater hatte sich zu sehr gegen die Regierung aufgelehnt, die irakische Armee wollte meine ganze Familie „verschwinden lassen“, aber wir konnten noch rechtzeitig fliehen“, berichtet die junge Irakerin. Ihr Bruder Salem, der neben ihr sitzt, macht ein trauriges Gesicht und beginnt zu erzählen: „Es freut mich, dass so viele Menschen für eine friedliche Lösung im Irak eintreten. Die ganze Bevölkerung leidet doch schon an Saddam Hussein genug, die Menschen im Irak brauchen Hilfe und keinen Krieg!“
Saddam Hussein bekämpft seit seinem Amtsantritt zwei Problemgruppen: Auf der einen Seite lässt er gezielt vermeintliche Regimegegner durch seinen Geheimdienst ausschalten, auf der anderen Seite bekämpft er die ethnischen Minderheiten im Norden (Kurden) und Süden (Schiiten). 1988 ordnete der Diktator den Einsatz chemischer Waffen gegen kurdische Zivilisten an. „Dass die internationale Gemeinschaft damals versäumte, auf dieses Verbrechen zu reagieren, lag nicht daran, dass das bestehende Menschenrechtssystem nicht genügend Optionen dazu geboten hätte – es fehlte einfach der politische Wille. Tatsache ist, dass viele Staaten die irakische Regierung nicht nur nicht öffentlich verurteilten und eine UNO-Untersuchung forderten, sondern – obwohl sie von den chemischen Angriffen wussten - weiterhin Waffen an die irakische Regierung verkauften.“, entrüstet sich Atymera darüber. „Deshalb bin ich auch so wütend, dass jetzt einige Staaten versuchen, dieses Problem durch Bomben zu „lösen“ oder zu vertuschen.“


Katrin Schmidberger


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