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Barcelona vs. Madrid 3:0
Publiziert am: 08.03.04 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal maerz04 artikel Barcelona vs. Madrid 3:0

Die Katalanen haben’s nicht leicht. Vom Rest Spaniens „Polacos“ (= Polen) genannt, weil sie so anders seien – so „europäisch“, „sauber“ und „fleißig“ – kämpfen sie unermüdlich um die Unabhängigkeit, und trotzdem mögen sie nicht einmal ihre Mitstreiter in diesem Punkt, die Basken, so richtig – weil die ihnen den Erfolg, den sie dabei haben, neiden; ganz ohne Bomben und Terrororganisation, dafür mit der Wirtschaftsmacht, die den Basken fehlt.

Auch in Punkto Hanf sind die Katalanen „anders“ als die übrigen Spanier: schon vor zwei Jahren konnten Frauen der Barceloner Brustkrebs-Selbsthilfegruppe „Agata“ im Rahmen einer im staatlichen Fernsehen ausgestrahlten Dokumentation unbehelligt über ihre (durchwegs positiven) Erfahrungen mit Hanf als Linderungsmittel berichten, und auch über ihre Zusammenarbeit mit dem ältesten Hanfverein Spaniens, der ARSEC Barcelona, von dem sie das Gras erhielten. Und das alles, obwohl der Handel mit Hanf offiziell verboten und Hanf als Medizin noch alles andere als zugelassen ist. Nun legte die autonome Regierung Kataloniens noch ein Schäuferl nach und verkündete im Januar – sehr zum Missfallen der Zentralregierung in Madrid – Hanf für die medizinische Forschung freizugeben. Und es ist wohl auch kein Zufall, dass die Redaktion der größten spanischen Hanf-Zeitschrift „El Cáñamo“ ihren Sitz ausgerechnet in der katalanischen Hauptstadt hat. Es fragt sich allerdings, wie lange noch. Denn von der Madrilener Hochebene weht den marijuan@s ein eisiger Wind entgegen. Bereits vergangenen Herbst verkündete Innenminister Acebes eine Expertenkommission einberufen zu wollen, um auf legalem Wege mit Hanfläden, -vereinen und -medien Schluss zu machen. Seine Begründung dieses Angriffs gegen die Meinungsfreiheit: Der Anstieg der jugendlichen Hanf-Konsumenten aufgrund dieser Institutionen, die die Werbetrommel für Hanf rühren würden (Hanf Journal berichtete). Dass etwa die „Cáñamo“ nur an Menschen über 18 Jahren verkauft werden darf und ihre Leser laut einer unlängst durchgeführten Umfrage ein Durchschnittsalter von 25,5 Jahren aufweisen, scheint dabei nicht weiter zu interessieren.

Bei dem Mitte Dezember vom „Plan Nacional Sobre Drogas“ (PNSD) – quasi die spanische DEA – einberufenen Kongress „Cannabis – Mythos und Realität“ waren oben angeführte gefährliche Institutionen konsequenterweise gleich von vorneherein ausgeschlossen. Ganz im Einklang mit dem Innenministerium – das ganz zufälligerweise auch der Geldgeber des PNSD ist – wurden jenige welche im Zuge der Präsentation der Studie „Strategien und Organisation der pro-cannabischen Kultur“ gleich auch als Verantwortliche für den Anstieg an Hanf-Konsumenten in den vergangenen Jahren entlarvt. Zitat: „Die Bewegung kämpft nicht mehr nur für die Legalisierung dieser Substanz, sondern versucht vielmehr den Hanf-Konsum als soziale Notwendigkeit und somit die absolute Normalisierung dieses Verhaltens zu vermitteln.“ Warum fällt denen sowas nie in Verbindung mit Alkohol- und Zigarettenwerbungen auf?

Die Strategie der Regierung ist altbekannt und simpel: Irgendjemand muss schuld sein, und das sind bestimmt nicht wir! Schon gar nicht einen Monat vor den nächsten Wahlen . . . Die Antwort ist mindestens ebenso alt und mindestens genauso öd: Repression, mehr Repression, und wenn das auch nicht hilft, noch mehr Repression! Alarmierend die Aussage dazu beim Kongress: „Man sollte doch beginnen, von einer rein negativen Interpretation des Begriffs „Repression“ abzusehen. Angewandt auf schädliche Substanzen oder Realitäten wehren wir uns so gegen soziale oder natürliche Übel.“ Zeilen eines Brecht-Gedichts drängen sich auf: „Zuerst kamen sie wegen . . .“. Es scheint beinahe, Franco sei schon zu lange tot.

Abenteuerlich auch die mit Steuergeldern bezahlten Anti-Drogen-Kampagnen, so etwa der letzte Slogan der PNSD: „Das Rauchen von Joints multipliziert die schädlichen Effekte des Tabaks.“ Na, soweit kommt´s noch, dass etwas legalisiert wird, dass unsere geliebten Tschik schädlicher macht! Pfui Teufel!

Dem stehen die Plakate des 1988 gegründeten „Vereins Hilfe gegen Drogenabhängigkeit“ (FAD) um nichts nach. Unter dem Titel „JedeR ist verantwortlich. Die Erziehung ist alles.“ prangen Sätze wie: „Wenn du die Macht hast, sie glauben zu lassen, wenn sie nicht schlafen käme ein Mann mit einem Sack und würde sie mitnehmen . . .“ oder „Wenn du die Macht hast, sie glauben zu lassen, dass das Quadrat der Hypotenuse gleich der Summe der Quadrate der Schenkel ist, . . . stell dir vor, welche Macht du hast.“ Well . . . Erziehung mit Autoritätshörigkeit und Macht über Schutzbefohlene zu vermischen ist eine Sache; ein Kindermärchen mit dem mathematischen Satz des Pythagoras gleichzustellen, die andere. Angesichts so viel Blödheit kann man wirklich nur mehr den Kopf schütteln. Man fragt sich zwangsläufig, welche Substanz erwachsene, wahlberechtigte Menschen so beeinflussen kann, damit so was dabei rauskommt.

Und die Blödheit scheint immer noch kein Ende zu nehmen: Als weitere Begründung seines geplanten Vorgehens warf Acebes in die Schlacht, dass heutzutage die Konzentration von THC viel höher sei als früher und Hanf damit heute noch gefährlicher und addiktiver. Der Verdacht drängt sich auf, dass dieses Argument der engen Freundschaft Bush – Aznar entspringt, wird es vom Weißen Haus doch schon seit gut 20 Jahren immer wieder bemüht. Konzentriertere Substanz ergibt geringere notwendige Mengen ergibt weniger Rauchen für gleichen Effekt, was gesundheitlich eindeutig positiv wäre – erscheint eigentlich logisch, aber Logik ist hier ja nicht gefragt. Ebenso wenig scheint bis zu den Verantwortlichen durchgedrungen zu sein, was denn da eigentlich genau geraucht wird. Wie anders ist es zu erklären, dass sich beim PNSD-Kongress kein geringerer als der Präsident der Spanischen Gesellschaft zur Erforschung der Cannabinoide (SEIC) selbstpersönlich in Ausführungen über den hohen Gehalt an karzinogenen Substanzen in den Hanfblättern erging, ohne die Blüten auch nur zu erwähnen, wo sie in weit geringeren Konzentrationen enthalten sind. Bei so viel Wissenschaftlichkeit ist es gar nicht mehr so verwunderlich, dass den Jugendlichen auch noch daraus ein Strick gedreht wird, dass sie richtig liegen: denn die Zahl derer, die Hanf als weniger schädlich als Tabak einstufen, steigt ebenso – unabhängige Studien bestätigen dies ja auch laufend. Aber es kann einfach nicht sein, was nicht sein darf.

Die „Cáñamo“ hat in ihrem letzten Editorial alle Leser dazu aufgefordert, am 14. März wählen zu gehen, um zu verhindern, dass Aznars Partei, die PP, die Mehrheit durch eine geringe Wahlbeteiligung erreicht. Die Ära des „Bigote“ (=Schnauzbart), wie Aznar hier genannt wird, ist dann zwar ohnehin vorbei, aber keiner weiß, was von dieser Seite nachkommt – Acebes und Konsorten lassen Schlimmes befürchten. Es bleibt abzuwarten, ob eine der bisher liberalsten Bastionen Europas in Uncle Sam´s Moralmühle zerquetscht wird.

Claudia Grehslehner
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