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anderswo
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All you need is love
... and a bit of marijuhana
Publiziert am: 16.09.02 - Medienformen: Medienform Text


Den Laien freut’s, den Betrachter wundert’s und der Experte staunt: Großbritannien hat sich mit der Lockerung des Cannabisverbots zur ersten größeren Revolution seit der „glorious revolution“ im Jahre 1648 entschlossen. England, das neue Kifferparadies? Wird London zum neuen Amsterdam? Noch ist Vorsicht geboten. In den Großstädten blüht die Hanfszene aber kräftig.

Was der britische Innenminister David Blunkett im Juli angekündigt hat, hat einige Briten auf dem Lande in der Tat erschüttert. Cannabis wurde in der Drogen-hierarchie heruntergestuft, und die Polizei wurde dazu angehalten, Kiffer nur noch zu verwarnen und sie nicht mehr aufs Revier mitzu-nehmen. Es rührt sich jedoch bei der sonst so steifen und konservativen Nation, der abends das „pint of beer“ im örtlichen Pub heilig ist, erstaunlich wenig Protest.

„Hashish? Minicab? Weed?“
London. Selbst den unbedarfteren Touristen und Passanten säuseln spätestens ab 17 Uhr in der Charing Cross Road „Straßenhändler“ folgende Worte ins Ohr: „Hashish? Minicab? Weed?“ Abgehärtete Londoner sehen diese Prozedur als Teil ihres Alltags an und reagieren schon nicht mehr geschockt - ganz im Gegensatz zu grauhaarigen japanischen Touristen, die entweder entzückt ihre Kameras auspacken (was weiteren Ärger provozieren kann) oder ergreifen entsetzt die Flucht.
Etwas abseits des offiziellen Londoner Besuchspro-gramms liegt der ehemals alternative und mittlerweile sehr hippe Stadtteil Camden Town. Wer dort aus den verschlungenen Underground-Tunneln ins Tageslicht aufsteigt, erlebt die kommerzialisierte Form des Hippie-tums, die ihren Charme noch nicht verloren hat. In der Camden High Street fühlt sich der Grafikdesigner John zu Hause: „Einfach aus dem Haus gehen, durch die Straße schlendern und man wird versorgt. Nervend ist nur der Preis. Aber London ist eben teurer.“ In einigen Cafes wagen es einige Unverdrossene gar, öffentlich zu kiffen. „Das gehört in dieser Gegend zur Lebenskultur“, berichtet Alistair lächelnd und nimmt den nächsten Zug.

Etwas mehr Vorsicht ist geboten in den Stadtteilen Brixton und Lambeth, die beide im Süden der Themse liegen. Biegt man von der Brixton Station zweimal links in die Coldharbour Lane ab, trifft man auf genügend, vorwiegend schwarze, Händler. Eingefleischte Londoner genießen die Atmosphäre zwischen HipHop und aufgeregtem Marktleben, warnen aber auch vor zuviel Vertrauen. Schon mancher Konsument hat hier böse Überraschungen erlebt - sei es beim Preis als auch in der Qualität.

In diesen beiden Stadtteilen begann die Metro-politan Police auch vor einem Jahr ihren Testver-such, Kiffer nur noch zu verwarnen und nicht mehr aufs Revier mitzunehmen. Dabei spielte weniger eine Rolle, dass die Polizei Kiffer nicht mehr als Gesetzes-brecher begriff, sondern dass sie einfach überfordert war. Auch der Kleinkiffer mit einem Joint kostete zwei Polizisten bis zu vier Stunden Arbeitszeit und damit für den Geschmack der Polizeiführung zuviel Geld. Das wirtschaftliche Argument hat die Londoner Lokalpolitiker überzeugt und sie haben den Weg für die kleine Entkriminalisierung freigemacht.

Der perfekte Sonntag
Der Puls der britischen Musikszene vibriert nicht in der Metropole London, sondern in der Arbeiterstadt Manchester. Oasis, Stone Roses, Happy Mondays – der Britpop wurde im Norden Englands erfunden und belebt die Livemusik-Clubs noch immer. Dass in diesem Umfeld auch ordentlich gekifft wird, dürfte spätestens seit den Bekenntnissen der Gebrüder Gallagher von Oasis bekannt sein. Doch Peter, Betreiber eines Live-Clubs, warnt vor zuviel Euphorie in Manchester: „Die Mancs’ sind für ihren exzessiven Drogenkonsum bekannt.

Dementsprechend hat die Polizei hier in den letzten Jahren hart durchgegriffen und sie werden auch in Zu-kunft eher mal hinschauen als dezent wegzuschauen.“
Manchester hat sein Image einer grimmigen und verwahr-losten Industriestadt abgelegt und sich zu einem kleinen Finanzzentrum gewandelt. Viele der Investmentbanker und Controller outen sich als Feierabendkiffer, liegen sonntags im Picadilly Gardens in der Sonne – sollte sie mal scheinen – und nehmen ihren Spliff. „Den Kindern beim Fußballspielen zuschauen, im Grass liegen und einen Joint in der Hand – ein perfekter Sonntag“, freut sich der Banker Ashley Bunton.

Gitarrist Dave liegt auf der Wiese nur ein paar Handtücher weiter und sinniert: „All you need is love - … and a bit of marijuana.“ Heute würden die Beatles ihre Hymne wohl um diese Textzeile erweitern.
Marco Valentino


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