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Interview mit GANJAMAN
„Schröder und Bush sind bedauernswerte Personen, in deren Haut ich nicht stecken möchte."
(Pub. August 2003)
Publiziert am: 03.08.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 03august artikel Ganjaman:„Schröder und Bush sind bedauernswerte Personen, in deren Haut ich nicht stecken möchte.“

Was ein Musiker mit dem Namen Ganjaman in diesem Heft zu suchen hat, kann man erahnen. Auch auf den Begriff „Reggae“ als Beschreibung der vermutlichen musikalischen Ausrichtung würde man vielleicht noch selber kommen. Spätestens dann bleibt einem aber nichts anderes übrig, als die restlichen Wissenslücken durch einen Gang zum Plattenladen zu füllen. Dort steht seit Ende Juni sein Nachfolgewerk zum im letzten Jahr erschienenden Debüt „Resonanz“, auf dem er sich über selbstproduzierte Riddims zusammen mit seinem Partner Junior Randy über die Regierung, ihr Betäubungsmittelgesetz, den Papst und die Medienmanipulation beschwerte. „Die Brandstifter“ besticht nicht nur durch die Präsenz von fünf weiteren Berliner Sängern, sondern auch durch die inhaltliche Vielseitigkeit.

Hanf Journal: Vielleicht mal eine etwas abgedroschen wirkende Anfangsfrage, die aufgrund deines Künstlernamens aber durchaus ihre Berechtigung hat: Was bedeutet Ganja für dich?
Ganjaman: Ziemlich komplexe Frage, ziemlich vielschichtige Frage – eine Scheiß-Frage! (lacht) Ich will diesbezüglich einfach nicht zu plump sein, damit das nicht missinterpretiert wird. Ich denke, es beginnt damit, das Marihuana für viele Menschen der Anfang einer Bewusstseinsveränderung ist oder eine Bewusstseinserweiterung darstellt. Bewusstseinserweiterung stellen wir uns aber meistens in dem Sinne vor, das es im Gehirn irgendwie „klock!“ macht und wir um 180 Grad verdrehte Menschen sind und plötzlich alles anders sehen. Ich glaube, es ist einfach ein Anfang, einen anderen Blickwinkel auf Dinge zu bekommen. Das hat bei mir zu einer starken Sensibilisierung bestimmter Energien gegenüber geführt, der Natur, meinen Mitmenschen, mir selbst gegenüber, aber auch überhaupt erst mal gegenüber bestimmten Gefühlseigenschaften, die wir als Mensch normalerweise haben. Diese werden in der Welt, in der wir leben, ganz klar durch Reizüberflutung und Manipulation, die wir uns selbst erbauen und auferlegen, blockiert. Wir probieren immer, vor Veränderungen wegzulaufen. Hanf, wenn es richtig eingesetzt wird, kann diesbezüglich zu einem verstärkten Bewusstsein führen. Hinzugefügt werden muss auf jeden Fall aber auch, dass man die erwähnte Bewusstseinserweiterung natürlich auch ohne Marihuana erfahren kann.

Hanf Journal: Beim diesjährigen „Summerjam“ in Köln durftest du angeblich nicht als „Ganjaman“ angekündigt werden.
Ganjaman: Was da jetzt detailliert abgelaufen ist, weiß ich persönlich auch nicht. Ich weiß nur, dass die Organisatoren den „Summerjam“ beinahe hätten nicht durchführen dürfen. Das hing unter anderem damit zusammen, dass wohl die Kölner Staatsanwaltschaft, der Bürgermeister oder wer auch immer behauptet hat, es wäre eine Veranstaltung, die primär den Konsum vom Marihuana propagiert, fördert und unterstützt. Da ist es für den Veranstalter natürlich schwierig, einerseits dem zu widersprechen und dann andererseits mit jemanden zu werben, der als Ganjaman betitelt ist. Das kann ich auch verstehen, obwohl es schon ein bisschen affig ist, dann „G.Man“ zu schreiben.

Hanf Journal: Gab es denn bereits andere Probleme in dieser Richtung? Schließlich forderst du zusammen mit deinem Partner Junior Randy bei euren Auftritten während des Ganja-Sets immer wieder unmissverständlich die Legalisierung.
Ganjaman: Nein, bis jetzt nicht. Sicherlich hat der eine oder andere da ein Auge drauf, aber nach wie vor ist es so, dass wir unsere Meinung in einer künstlerischen Art und Weise frei äußern. Das dürfen wir, bis wir eine gewisse Grenze erreichen, an der wir allerdings immer ziemlich knapp dran sind.

Hanf Journal: Eure Texte auf dem „Brandstifter“-Album sind weniger anprangernd als noch auf der ersten Platte.
Ganjaman: Wir haben die „Resonanz“ vor einem Jahr veröffentlicht und sie eigentlich vor weitaus längerer Zeit gemacht. Seitdem habe ich persönlich, was meine Sichtweise betrifft, eine extreme Entwicklung durchgemacht. Mittlerweile ist eher so, dass ich unser eigenes Verhalten und unsere passive Haltung kritisiere. Wir sind im Prinzip Urheber von vielen Problemen und bauen auch das System, in dem wir leben, selber auf. Bei der „Resonanz“ haben wir verschiedene Leute wie beispielsweise den Papst angegriffen, darum geht es mir inzwischen weniger. Es ist an der Zeit, die Verantwortung jedes Einzelnen anzusprechen, als immer mit dem Zeigefinger auf andere zu zeigen. Das haben wir sicherlich auf der „Resonanz“ viel gemacht, aber es bringt uns nicht in eine Einheit. Dieses Trennungsprinzip gilt es ja eigentlich zu überwinden. Wir sollten alle sehen, dass wir das, was wir wissen, auch wirklich einsetzen. Wir selber sind die, die uns im Weg stehen. Es ist kein Gerhard Schröder und auch kein George Bush. Das sind sehr bedauernswerte Personen, in deren Haut ich nicht stecken möchte, denn ich möchte nicht für soviel Leid, Kummer und Ärger verantwortlich sein. Es geht darum, die Eigenverantwortung zu erkennen und nicht immer nur die Verantwortung abzugeben.



Das Interview führte Paul Schlagk
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