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Französische Kontakte
Der Sampler „French Connection“ vereint französischen und deutschen Rap.
(Pub. August 2003)
Publiziert am: 03.08.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 03august artikel Französische Kontakte Der Sampler „French Connection“ vereint französischen und deutschen Rap.

HipHop ist eine internationalistische Jugendkultur, die Grenzen hinter sich gelassen hat und Menschen auf der ganzen Welt verbindet. Das könnte mensch denken, aber wie sieht die Realität aus? Eine konsequente Zusammenarbeit über den eigenen nationalen Rahmen hinaus ist schwer zu finden. Es wird sich zwangsläufig an den Staaten orientiert, denn dort gibt es das Graffiti-Mekka und ist die Geburtsstätte der vier Elemente. Aber wie sieht es mit Kontakt zu unseren Nachbarländern aus? Ein reger Austausch, der für die Welt der elektronischen Musik bis hin zum guten alten Punk Normalität ist, scheint im HipHop schwer zu finden.
Langsam kommt etwas Bewegung in die Verhältnisse, sie fangen nicht an zu tanzen, doch Kopfnicken ist allemal drin. Aus den langjährigen Kontakten, die zwischen den HipHop-Gemeinden Stuttgart und Straßburg bestehen (oder zumindest zwischen einzelnen Heads der Szene), fand nun endlich ein Projekt namens „French Connection“ seinen Weg in die Öffentlichkeit. Auf zwölf Tracks versammeln sich MCs, die über die Kontakte von Strachi (Stuttgart) und Jerome (Straßburg) zu einander fanden. Das Konzept war nicht, wie das ja bei allzu vielen Features der Fall ist, einfach nur eine DAT zu verschicken und jeder rappt dann seinen Part im eigenen Studi, sondern einen realen Kontakt herzustellen. Dies mag wohl auch erklären, warum die Realisierung des Projektes so viel Zeit verschlang. Schon vor zwei Jahren gab es die erste Single zum Album, das aber erst Anfang Juli dieses Jahres erschien.
„French Connection“ ist ein vielseitiger Sampler. Dem Untergrund-Liebhaber liefern z. B. Creutzfeld&Jakob zusammen mit Pyroman (der aus dem Assassin-Umfeld stammt) einen amtlichen Track. Wer eher auf Clubtaugliches steht wird mit „Get Down“ von Biff 2000 und FlownImmo bedient. Sogar das Ragga-Genre wird mithilfe von Lord Kossity (Paris), Gentleman und D-Flame gehuldigt. Wobei hier Lord Kossity beweist, welcher Standard möglich ist und D-Flame ziemlich schlecht aussehen lässt (von dem Track gibt’s übrigens einen feinen Bonus-Remix).
Insgesamt wirkt der Sampler leider etwas flach, was an der Vielfalt liegen könnte oder dass ein wirklich herausragender Track fehlt. Auf französischer Seite wird uns zwar eine sehr sympathische Mischung der Szene geboten (Marseilles Elite plus Faf la Rage, dem kleinen Bruder von Shurik’n, Paris mit Lord Ko und Less du Neuf), die deutsche Auswahl wirkt jedoch etwas einseitig aus den Augen der Stuttgarter gewählt.
Sehr angenehm ist die komplette Übersetzung aller Texte, somit erfährt also auch der einsprachige Hörer, worum es in den Texten geht. Die Texte bieten jedoch nicht gerade Neues und orientieren sich à la „ich lebe für Hip Hop“ an Lobhuldigungen des gemeinsamen Ausdrucks. Sind die beiden Welten doch zu weit entfernt um sich anderen Themen zu widmen?
Dieser Frage kann mensch in dem Buch zur CD nachgehen. Kopfnicker Records beauftragte Sascha Verlan das Projekt zu begleiten und zu dokumentieren. Sascha Verlan ist zusammen mit Hannes Loh Autor des Buches „20 Jahre HipHop in Deutschland“ und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der HipHop-Szene. Das Buch, das den selben Titel wie die CD trägt, ist ein Produkt aus einer Vielzahl von Interviews, die er mit den am Sampler Beteiligten und weiteren Künstlern führte. Es gibt eine Einführung in die HipHop-Szenen der beiden Länder, zieht Vergleiche und bringt nette Backgroundinfos zum Soundtrack. Auch wenn das Buch einige streitbare Thesen aufwirft und es wenig über die aktuelle französische Szene informiert, ist es sehr empfehlenswert und bietet Freunden des französischen Rap eine der wenigen Möglichkeiten sich über die Geschichte von Rap im Hexagon zu informieren.
Bleibt zu hoffen, dass die Kontakte des Projekts nicht im Sand verlaufen und das nicht die letzte deutsch-französische Kollabo war.

Die CD „French Connection“ ist auf Kopfnicker Records erschienen.
Das Buch „French Connection. HipHop-Dialoge zwischen Frankreich und Deutschland“ von Sascha Verlan ist im Hannibal Verlag erschienen (ISBN 3-85445-235-7)


Christian Schlicht
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