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Interview mit Mono & Nikitaman
(Pub. Dezember 2003)
Publiziert am: 03.12.03 - Medienformen: Medienform Text


Mitte September bot sich die Möglichkeit, Mono und Nikitaman im Rootdown-Studio, Köln Hürth, zu treffen. Im Untergeschoss eines am Abend etwas unheimlich wirkenden, modernen Gewerbegebäudes hieß mich Producer Teka herzlich willkommen. Wir machten es uns im kleinen „Cockpit“ des Studios gemütlich. Während ich angespannt und nervös versuchte meinen MD-Player zum Laufen zu bewegen, verströmten Nik und Mono äußerste Gelassenheit mit der richtigen Portion Wärme. Ein Interview, so schien es, sei zwischen den Aufnahmesessions genau das richtige zur Entspannung.

Hanf Journal: Wie kamt ihr zum Reggae?

Nikitaman: Wie alle anderen auch! Ich habe Tapes gehört! Tapes von Freunden bekommen. Ein Onkel hat mal ein Tape gemischt. Macka B und Mad Professor und dadurch hab ich die ersten Sachen gehört. Und dann haben halt Freunde aufgelegt.

Mono: Bei mir war es England. Ich habe viel Drum & Bass gehört und bin nach England gegangen. Und dort war die Reggaebar das einzig illegale Lokal, wo man nach Pub-Ende noch hingehen konnte. Die war richtig geil. Super Musik. Ein alter Opa hat dort seine alten Reggaeplatten aufgelegt. Mir sind jedesmal die Augen übergegangen, es wurde Ska und Rocksteady gespielt, der Typ war siebzig.

Hanf Journal: Wie weit seid ihr bei eurem neuen Album? Was kommt auf uns zu?

Nikitaman: Das letzte Drittel wird gerade bearbeitet. Es nimmt langsam Gestalt an: Man kann ein reines Dancehall-Bashment-Album erwarten. Vielleicht zwei, drei ruhigere Sachen, aber die Richtung ist klar.

Teka: Bei der EP (Nikitaman - ahh...loco..?) sagen viele Leute, dass gerade das Dreckige, Unfertige den Charme ausgemacht hat. Das wollen wir auf jeden Fall auch bei der LP drin haben. Es muss nicht bei jedem Refrain versucht werden das letzte an Volumen herauszuholen, sondern man soll auch mal zu einer gewissen Rohheit und Unausgefeiltheit stehen.

Mono: Wir stehen gerade auf dreckige Sachen, auf dreckige Bässe, dreckige Beats . . . etwas bei dem man noch Lebendigkeit spürt.

Hanf Journal: Ihr seid live im Toasten oft so schnell, dass man kaum was versteht. Wie viel ist euch das Verständnis der Texte wert?

Nikitaman: Für mich sind die Texte sehr wichtig. Es soll sich beides tragen. Ich will, dass die Leute abgehen. Es muss nicht alles verstanden werden, jede Zeile, jede Textstelle. Aber man soll wissen, worum es geht. Ich will nicht nur Partymusik machen. Die Energie, die wir entfesseln, ist auch eine Energie um Protest auszusprechen. Ein Protest ist nicht nur eine Demo oder eine Lichterkette, sondern auch ein Konzert. Mit Singen, Party und Spaß. Daher ist mir auf jeden Fall wichtig, dass mit den Texten alles passt.

Hanf Journal: Seit 1 ½ Jahren seit ihr gemeinsam auf Tour. Wie ist euer Verhältnis da?

Nikitaman: Ich hatte auch ein paar mal Bookings alleine: Man fährt ein paar Stunden im Zug hin, kommt an, macht seinen Auftritt, kriegt Applaus – was natürlich supernett ist - sitzt danach aber wieder alleine im Backstage, trinkt noch ein Bier, und es fehlt etwas. Es ist einfach was anderes, wenn man mit Kollegen hinfährt. Wir sind oft auf Konzerten gewesen, wo Mono den Leuten geben kann, was ich an dem Abend nicht geben kann, und umgekehrt. Es gibt Momente, wo man sehr nah aneinander rankommt und wo man sich auch mal verletzt. Aber man spricht das aus und dann ist es auch wieder in Ordnung.

Hanf Journal: Was war der größte Erfolg bisher für euch?

Nik & Mono (einstimmig): Chiemsee, Reggae-Festival.

Mono: Vor wenigen Wochen. Sechs Uhr im kleinen . . . großen Zelt und so ausrasten, habe ich die Leute noch nie gesehen. Sehr krass.

Nikitaman: Die Band nach uns ist ausgefallen und wir haben ca. 1½ bis 1¾ Stunden gespielt. Das Zelt war gerappelt voll. Wir wussten auch nicht mehr, was wir machen sollten: die Leute haben am Stück geschrieen, ich habe richtig Gänsehaut gekriegt. Wir konnten nicht mehr weitersingen, weil die so geschrieen haben. Es war echt Wahnsinn, unglaublich.

Hanf Journal: Zum Thema Hanf: Wie würdet ihr die Legalisierung bewerkstelligen?

Mono: Ich finde, wie die Schweizer das machen schon ganz cool. Auch die Steuern, die dabei rauskommen so einzusetzen, wie sie das tun: Pensionsversicherung. (In der Schweiz soll auf den Cannabishandel eine Lenkungsabgabe, deren Ertrag zur Hälfte an die Alters- und Verbliebenenversicherung und je zu einem Viertel an die Invalidenversicherung und die Suchtprävention geht, erhoben werden.)

Nikitaman: Das Recht auf Rausch sollte man ausleben können. Ich denke mit den richtigen Informationsmaterialien kann es der Mensch gut schaffen – mit einer Altersbegrenzung versteht sich – mit allen Substanzen, die es so gibt, umgehen zu können. Vor allem harte Drogen machen durch eine Legalisierung auch einen qualitativen Sprung , sie werden weniger gefährlich. Es ist ja nicht unbekannt, das jemand, der viel Geld hat und sich sehr gutes, reines Heroin kauft, nicht unbedingt schnell daran verreckt. Das soll jetzt nicht verherrlichend sein. Ich denke halt, dass eine allgemeine Legalisierung von Drogen möglich wäre.

Mono: Grundsätzlich stimme ich Dir da zu. Ein Problem ist jedoch, dass einige Leute dahinter gleich wieder den wirtschaftlichen Aspekt sehen werden. Gerade, wenn ich an Werbung für Heroin denke, dreht es mir den Magen um.

Nikitaman: Das, denke ich, wird es niemals so geben. Der wirtschaftliche Aspekt spielt allerdings jetzt schon eine große Rolle. Das Drogengeschäft macht einen riesigen Teil des Wirtschaftsumsatzes auf der Welt aus. Und für mich ist das schon ein Grund, dass sehr viele Leute oder Regierungen da mit drin stecken. ( Mono stimmt zu.) Das ist viel Geld und da kann keiner die Finger von lassen.

Hanf Journal: Wart ihr schon mal auf Jamaika?

Nikitaman: Ja, letztes Jahr im September und es war stark beeindruckend. Es ist unglaublich, wie viel sich da bestätigt hat. Für mich war es nicht so „Boah krass, so ist Jamaika!“ sondern mehr so „Ja, genau so ist es.“

Mono: Mir ist aufgefallen, das die Leute dort nicht so dogmatisch umgehen, wie wir mit Reggaemusik. In Deutschland muss man immer noch groß drauf schreiben, dass das jetzt Reggae auf deutsch ist. Für die war total klar, dass wir – die wir aus D kommen – unsere Musik auf deutsch machen. Warum denn auch anders, wir wollen doch verstanden werden. Der unbekümmerte Umgang mit Musik, den fand ich sehr positiv dort. Auch die Rastas waren weniger dogmatisch, als das manch anderer hier ist.

Hanf Journal: Noch eine Botschaft zum Schluss, die ihr unseren Lesern mitgeben wollt?

Nikitaman: Ein fröhliches Erntedankfest. Und freut euch auf das Album!

Mono: Wir freuen uns, euch beim nächsten Konzert zu sehen.

Das Interview führte Raoul Roßmann
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