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Inventur eines Fixers
Alexander Trocchi: Die Kinder Kains
(Pub. Dezember 2003)
Publiziert am: 03.12.03 - Medienformen: Medienform Text


Joe lebt in New York, auf einem der schweren Schleppkähne, mit denen Schotter und Kies über den Hudson River in die Metropole gebracht werden. In seinen freien Stunden - und davon hat er reichlich - besucht er so genannte Freunde, spritzt sich Heroin in die Adern, hängt in verrauchten Kneipen ab um auf seinen Dealer zu warten oder sitzt in der Kajüte und schreibt an einem Buch.

Manche Menschen bilden sich ein, ihr Leben sei wie ein Roman, der nur noch niedergeschrieben zu werden braucht. Doch das Leben folgt seinen eigenen Gesetzen, und so ist es auch mit der Kunst. Der 1925 im schottischen Glasgow geborene Alexander Trocchi macht in seinem Roman „Die Kinder Kains“ (Cain’s Book) den Fehler, genau diese Grundregel zu missachten. Als die Autoren der amerikanischen Beat-Generation in den fünfziger Jahren ihre Bücher schrieben, feierte man sie, weil ihre Texte als besonders „authentisch“ galten, und Bücher wie Kerouacs „On the Road“ gelten auch heute noch als Klassiker, wenn es um die Beschreibung des Lebensgefühls einer Generation geht, die man die verlorene nannte.

Trocchi, selbst schwer heroinabhängig, hatte es sich zum Ziel gesetzt, das alltägliche Leben von Junkies und ihre Wurzellosigkeit zu beschreiben. Damit traf er 1959 den Nerv der Zeit, was ihm immerhin einen gewissen Achtungserfolg beschied. Die Welt war dabei sich neu zu ordnen, der Kalte Krieg strebte seinem Höhepunkt zu. Auf Kuba siegten die Revolutionäre um Fidel Castro, in den USA führte McCarthy seinen erbitterten Kreuzzug gegen alles, was ihm kommunistisch und mithin unamerikanisch dünkte. Es war ein prüdes und engstirniges Amerika, ein kleinbürgerliches Idyll, das sich anschickte die Weltherrschaft zu erobern und in dem Nabokovs Lolita-Roman eben noch zum Skandal geworden war, auf das Trocchi stieß. Doch die künstlerische Form, die Nabokov mit leichter Hand zu meistern schien, war genau der Punkt, an dem „Die Kinder Kains“ scheiterten.

Denn dreihundert Druckseiten, prall gefüllt mit banalen Gesprächen, unglaubwürdigen Rechtfertigungsversuchen, philosophischen Binsenweisheiten und literaturtheoretischen Platituden, ergeben eben noch keinen Roman. Trocchi brilliert weder durch Schärfe der Beobachtung noch durch sprachliche Eleganz. Seine spärlich eingestreuten Metaphern wirken meistens etwas verrutscht. Und die zahlreich in den Text eingefügten Zeitblenden, der einzige handwerkliche Trick dessen er sich bediente, sind mehr willkürlich als zwingend. Vor allem aber: Trocchi ist unheimlich platt. „Es kam mir der Gedanke, dass ich allein war. Und dann kam mir der Gedanke, wie oft mir dieser Gedanke schon gekommen war. (. . .) Als ich dort lag, fiel mir auf, dass meine Gedanken den Zusammenhang verloren, was nicht ungewöhnlich war.“ Solche Satzfolgen machen das Buch in weiten Teilen unerträglich.

Immerhin galt Trocchis Roman dank seines Themas eine Zeit lang als Klassiker der Drogenliteratur, dass er dann aber relativ schnell in Vergessenheit geriet, verdankt er vermutlich der mangelnden Form. Anrechnen muss man ihm nur, dass er sich ehrlich für die Legalisierung seiner Droge einsetzt und dafür nicht einmal schlechte Argumente vorzuweisen hat. Doch diese kleinen drogenpolitischen Exkurse haben nichts mit Literatur zu tun. Sie wären in der Leserbriefspalte jeder großen Tageszeitung besser aufgehoben.

Trocchi verbrachte seine letzten Jahre in London, wo er sich seinen Lebensunterhalt als Buch- und Drogenhändler verdiente. Er starb am 15.April 1984.


Pol Sax
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