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JAMAICAN R`N`B
Als ich vor Kurzem in der Glotze das grauenhafte Remake des Rocksteadyklassikers „Tide is high“ von irgendeiner dieser unsäglichen zusammengecasteten Girlgroups namens „Astronomic Tittens“ oder so mit anhören musste, merkte eine der mit im Raum befindlichen Personen empört an, dass dies eine äußerst miese Coverversion eines sehr guten Stückes der Combo „Seeed“ sei. Ich hingegen griff in die Singlekiste und präsentierte 2 etwas betagtere Versionen des Songs von Paragons und Blondie, was zu nicht geringem Staunen Anlass gab. Es folgte ein langer Abend mit viel Musik und Erklärungen sowie der Erkenntnis meinerseits, dass bei den jüngeren Reeggaehörern betreffs Geschichtskenntnis der Musik doch sehr viel im Argen liegt. Was ist Reggaae? Was Ska? Wo kommt`s her? Wie kam`s zu Dancehall, Jungle etc.? Fragen über Fragen, Zeit für etwas Musikarchäologie.
Publiziert am: 09.01.03 - Medienformen: Medienform Text


Ca. 50 Jahre zurück: Die Karibik ist ein beliebtes Urlaubsziel begüterter Amis. Vorherrschende Musik der Region ist im weitesten Sinn der Calypso, der von Insel zu Insel in Form, Inhalt und Namen leicht variiert. In Jamaika heißt er Mento, seine Inhalte bestehen aus Lokalnachrichten, Anzüglichkeiten sowie Tratsch und Klatsch (Der Schauspieler und verurteilte Kiffer Robert Mitchum mit Ferienvilla in Jamaika versucht sich sogar als Sänger am Calypso, m.E. gar nicht mal so schlecht). Die Amis nehmen diese exotischen Klänge mit nach Hause und bringen ihrerseits den Rhythm`n`Blues in die Region. Während die Jamaikaner den R`n´B freudig aufnehmen, spielen die 2 örtlichen Radiostationen JBC und RJR ausschließlich Mento und US-Swing, also konsequent am Publikumsgeschmack vorbei. Da der durchschnittliche Insulaner bettelarm ist und sich weder Radio noch Plattenspieler leisten kann, entwickelt sich in den Ghettos eine einzigartige Art des Musikkonsums: Soundsystems, die in sog. Dancehalls , Straßenkreuzungen oder am Strand für ein geringes Entgelt zu den begehrten Klängen aus den USA zum Tanz laden. Derer gibt es viele, doch zwei und später noch ein drittes stechen aus der Masse hervor: Arthur „Duke“ Reid, ein Ex-Bulle mit dem Soundsystem „Trojan“ und sein Konkurrent Clement „Coxsone“ Dodd mit „Downbeat“. Für Dodd arbeitete anfangs noch ein gewisser Prince Buster, der sich aber bald aufgrund Geld-Nerv mit Dodd via „Voice of the People“ selbständig macht und obendrein Dodd`s DJ Count Machuki abwirbt. Als Soundsystem braucht man natürlich immer die neuesten Hits aus den USA. Die werden entweder von Matrosen verhökert oder von den Betreibern selbst aus den USA geholt. Dabei versucht man Titel und Interpreten vor der Konkurrenz geheim zu halten, zB. durch Labelabkratzen, um exklusiv zu bleiben. Auch jagt man anderen Systems sogenannte Dance Crasher auf den Hals, die Konkurrenzveranstaltungen einfach mit Gewalt verhindern oder stören. Die ärmeren Systems hingegen müssen auf inländische Billigproduktionen zurückgreifen, die auf den lausigen zwei Acetatcuttern der Insel von Ken Khouri und Stanley Motta aufgenommen werden. Das hätte ewig so weitergehen können, hätte sich nicht der Rock`n`Roll aus dem R`N`B entwickelt, der komischerweise in Jamaika keinen Erfolg hat. Doch R`N`B-Nachschub gibt`s nicht mehr, also müssen sich die Systembetreiber was einfallen lassen: Sie nehmen einfach R`N`B in Jamaika auf, belagern Khouris Minimalstudio, um eigene Songs zu produzieren. Zum ersten Mal tauchten Namen von einheimischen Stars und Produzenten auf, wie zB. Chris Blackwell, späterer Betreiber von Island-Records, Edward Seaga, später Premierminister von Jamaika, Laurel Aitken, bis heute aktiver Ska-Sänger u.v.a.. Und unter dem Einfluss des Burru-drumming - einer religiösen, meditativen doch rhythmisch sehr treibenden, komplexen „Musik“, ausschließlich von Anhängern der Rastafari-Bewegung betrieben mit Ursprung in Afrika - sowie Mento entwickelt sich schnell eine Art von R`N`B, die schon bei den ersten Aufnahmen (zB. „Easy Snappin“ von Theophilus Beckford und ganz speziell DIE historische Produktion von Prince Buster: „Oh Carolina“ unter Mitwirkung von Rasta Count Ossi und seiner Burrudrummer, viel später ein Nr. 1 Hit für Shaggy) einen ganz eigenen Charakter aufweisen und zeigen, wo`s lang geht: Here comes Ska!

Seid gespannt! Denn in der nächsten Ausgabe werden Ska und Rocksteady folgen!
rude knut aka ras putin, selecter & bass
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