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"Ich hab zum Kiffen nie ein Vorbild gebraucht"
Interview mit Götz Widmann
(pub. jan.03)
Publiziert am: 19.12.02 - Medienformen: Medienform Text


Götz Widmann ist in der Kifferszene kein unbeschriebenes Blatt. Seit einigen Jahren spielt er immer wieder auf Events wie der Hanfparade und lässt mit seinen witzigen Texten so manches Kifferherz höher schlagen.
Mit dem Tod seines Partners Kleinti, mit dem er als „Joint Venture“ große Bekanntheit erlangt hatte, begann für Götz eine Zeit des Umbruchs und der Neuorientierung.
Aber von Aufgeben war keine Spur. Götz Widmann geht nun musikalisch eigene Wege; arbeitet hier und da mit anderen Musikern zusammen. Seiner Beliebtheit hat dies keinen Abbruch getan.
Seit seiner letzten CD im Herbst 2001, die zugleich auch sein erster Alleingang war, bastelt er nun an seiner neuen Platte, die im März nächsten Jahres herauskommen wird. Wichtig war es Götz auch eine CD mit Kleinti´s Greatest Hits herauszubringen und damit seinem Freund ein Andenken zu setzen.
Das Hanf Journal hat für euch mit Götz Widmann gesprochen:

Hanf Journal: Wie hast du deine musikalische Kreativität entdeckt?

Götz Widmann:
Das war völlig nüchtern. Ich war zwölf und hatte mir grade meine erste Beatlesplatte gekauft. Dann wollte ich wissen, wie man auch ein Beatle wird und hab meine Eltern überredet, mir meine erste Gitarre zu kaufen. Richtig los ging es dann aber erst, als ich auch noch zu Weihnachten ein Songbook bekam.

Hanf Journal: Der Tod von Kleinti war für dich ja ein persönlicher Wendepunkt. Wie ging es danach weiter? Was hat dich dazu bewegt, dich musikalisch neu zu orientieren?

Götz Widmann:
Nach Kleintis Tod war ich erst mal platt, zu nichts in der Lage. Ich hatte aber einige extrem unangenehme Dinge zu erledigen, unsere Finanzen aufzulösen und sonst so organisatorischen Kram. Ich hasse das schon unter normalen Umständen. Das ging alles sehr langsam. Die Heuchler aus Essen waren die ersten, die mich überredet haben, wieder wirklich mit ner Gitarre auf die Bühne zu steigen, als ihr „Special Guest“ sozusagen. Mein erstes Lied hat auch etwas gedauert und hieß dann "Das Leben sollte mit dem Tod beginnen". Das beruht auf einer Idee von Donald Sutherland, dem Schauspieler, die ich im Stern gelesen habe. Er sagt, das Leben wäre viel besser, wenn es vom Tod aus gesehen rückwärts laufen würde und dann mit dem Zeugungsorgasmus endet. Dann bin ich von meinem letzten Geld in Urlaub gefahren, nach Australien, danach war ich pleite. Ich stand vor der Wahl, mir entweder einen Job zu suchen oder mit meiner Solonummer anzufangen. Zum Glück konnte ich echt in eine Woge von Hilfsbereitschaft eintauchen, bin erst mal als Gast von Brings und den Busters aufgetreten und hab mich so nach und nach an meinen ersten 90minüten Abend rangetastet. Der war im Februar 2001 im Cafe Kreuzberg in Göttingen.
Ich hab zwei Autos kaputtgefahren auf dem Weg dahin, aber es waren Leute da, ich hab nicht allzu viel Mist gebaut, wurde gefeiert, hatte am Ende ein paar Scheine in der Hand. Danach musste es weitergehen. Die erste Tour war hart, alleine in die Backstage-Räume von früher zu kommen, den alten Kumpels in die traurigen Gesichter schauen und so weiter. Das gab jedes Mal noch nen Kloß im Hals, aber sobald ich auf die Bühne kam, war der zum Glück weg. Mittlerweile hat sich das alles aber wieder ganz schön normalisiert, verdanke ich am meisten den Leuten, die zu meinen Konzerten kommen und fast die gleiche Stimmung entstehen lassen wie früher. Das war alles andere als selbstverständlich, ein lustiger Act mit einer traurigen Geschichte, so was muss nicht funktionieren.

Hanf Journal: Du gehst ja viel auf Reisen... Stellt das für dich eine Art Ausgleich zum stressigen Musikerdasein dar oder suchst du dadurch auch nach Inspirationen für deine Lieder?

Götz Widmann:
Die Inspirationen für meine Texte finde ich eigentlich eher im normalen Alltag. Im Urlaub spiele ich viel Gitarre und hänge ab, ohne den Zwang, was Verwertbares von mir zu geben. Dabei kommt natürlich ab und zu gerade etwas heraus. Übrigens ist das Musikerdasein gar nicht so stressig, ich kann viel schlafen, werd fürs Feiern bezahlt, 95% von dem was ich tun muss, tu ich gern. Jeder normale Erwerbstätige hat ne härtere Existenz als ich.

Hanf Journal: In deinen Texten geht es ja häufig um das schöne Thema Hanf. Hängt das mit deiner eigenen Beziehung zu Cannabis zusammen oder hat das andere Gründe?

Götz Widmann:
Nee, ist schon Betroffenenlyrik. Auch wenn ich immer mehr das gesamtgesellschaftliche Interesse an einer Legalisierung erkenne. Das würde einfach ein paar Milliarden mehr in die Staatskassen bringen, die jetzt nur entweder nutzlos verschwendet werden bzw. in irgendwelche illegalen Kanäle abfließen.

Hanf Journal: Hast du im Bezug auf Hanf Vorbilder und welche Ansprüche hast du an die heutige Jugend?

Götz Widmann:
Ich hab zum Kiffen nie ein Vorbild gebraucht, aber von den Leuten, die irgendwann mal Vorbilder für mich waren, haben glaube ich die meisten gekifft. Die heutige Jugend ist schon ganz okay so. In Sachen Legalisierung findet heute viel mehr statt als damals, als ich Jugendlicher war. Wenn man so was wie die Hanfparade sieht, muss man einfach mal anerkennen, dass gar nicht alle so politikverdrossen sind, wie immer behauptet wird.

Hanf Journal: Kannst du dir neben deinen provokativen Songtexten auch noch vorstellen anderweitig für Hanf aktiv zu werden?

Götz Widmann:
Wie wär`s denn als Hanfkönigin? In so nem engen grünen sexy Kleidchen?
Mal im Ernst: ich glaube, ich persönlich kann als Sänger und Schreiber am meisten bewegen. Jeder muss das tun, was er am besten kann. Und im Tütenbauen bin ich nur Durchschnitt. Aber ich geh natürlich auch zu Demos, helfe über meinen Newsletter Nachrichten zu verbreiten, bei meinen Konzerten wurden auch schon mal Unterschriften für die "Zeig Dich"-Aktion gesammelt, wir haben damals mit Joint Venture am Vorabend des Samenverbotes noch eine riesige Verteilaktion gemacht, haben Howard Marks auf Tour nach Deutschland geholt und was sonst so geht. Vor allem aber rauch ich das Zeug gerne.

Hanf Journal: Jetzt wo deine CD im Kasten ist, hast du doch sicher neue Pläne und Projekte?!

Götz Widmann:
Jetzt müssen wir die erst mal schneiden und mischen, das ist ein Haufen Arbeit. Außerdem bin ich bis Ende Januar auf Tour, dann fahre ich in Urlaub und im März kommt die neue CD raus. Es wird eine Live-CD mit den Highlights aus meinem Programm und heißt „Drogen“.
Das Interview führte Veronika Deinbeck
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