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Lets do the raggae
“The music changed. Ska was quicker than reggae; rocksteady was slower than reggae. They used to call reggae bluebeat and boogiebeat until I say, “Let´s do the Reggay.” (Zitat: Toots Hibbert)
(pub. feb.03)
Publiziert am: 01.02.03 - Medienformen: Medienform Text


Die jamaikanische Musik durchlebte mehrere Phasen mit fließenden Übergängen, bis sie sich eines Tages, nachdem die im Ska und Rocksteady so wichtigen Bläser in den Hintergrund und der Bass in den Vordergrund getreten waren, Reggae nannte - ein Begriff der wohl auf den Songtitel “Do The Reggay” von Toots & The Maytals zurückgeht.
Eine maßgebliche Rolle für Reggae spielte die in Jamaika Anfang der Dreißigerjahre entstandene Glaubensgemeinschaft der Rastafarians, auch wenn Reggae und Rasta keinesfalls gleich zu setzen sind und es auch immer völlig “weltlichen” Reggae gab. Die vom Burru-Trommeln inspirierte Musik der Rastas, die auf drei verschieden großen Trommeln basiert, hatte bereits Ska und Rocksteady beeinflußt, auch wenn sich die Philosophie der Rastas nur äußerst selten in den Texten widerspiegelte, da Rastas noch in den Sechzigerjahren als kriminelle Taugenichtse angesehen wurden. Produktionen wie Prince Busters “Oh Carolina”, das vom Trommelspiel des führenden Rasta-Musikers Count Ossie lebt, halfen allerdings diese Sichtweise allmählich aufzuweichen.
Durch den Jamaika-Besuch des äthiopischen Kaisers Haile Selassie, den die Rastas als Menschwerdung Jahs (Gottes) ansehen, wurde im Jahr 1966 sogar ein regelrechter Rasta-Boom ausgelöst, in dessen Zuge der Rasta-Einfluß mehr denn je in der Musik und den Texten zu Hören war. So war es dann auch bezeichnenderweise ein religiöses Lied, das zum ersten großen Reggae-Klassiker wurde – “Satta Massa Gana” in der Interpretation der Melodians. Mit Anfang der Siebzigerjahre begann Rasta das jamaikanische Musikgeschehen fast vollständig zu dominieren, und Reggae wurde zum populären Ausdruck der Rasta-Bewegung. In den Texten spiegelte sich die Religion und Philosophie der Rastas. Wichtige Themen von Reggae-Songs sind seitdem - neben der Lobpreisung Jahs - der Wunsch nach “Equal Rights & Justice” für alle, der Aufruf zu Frieden zwischen den Menschen, sowie der Ruf nach Niederschlagung der Unterdrückung. Feindbild der Rastas ist dabei “Babylon”, ein biblischer Begriff, der das gesamte unterdrückende System bezeichnet. Rastas ziehen eine Parallele zwischen den biblischen Israeliten und ihren als Sklaven verschleppten Vorfahren und streben die Rückkehr ins gelobte Land Afrika an, was ebenfalls ein wiederkehrender Aspekt vieler Reggaetexte ist. Rastafari und Reggae sind zum großen Teil ein sehr spezieller Ausdruck der afro-karibischen Kultur, was stark dazu beigetragen hat, dass sich Reggae in dieser Gegend als “Volksmusik” für alle Generationen etablieren konnte.
Mit den rebellischen Texten und dem meditativen Rythmus des Reggae konnten sich aber auch amerikanische und europäische Zuhörer anfreunden. Der Anfang der Siebzigerjahre veröffentlichte Film “The Harder They Come” mit Jimmy Cliff und der dazu gehörende Soundtrack trugen zu der internationalen Verbreitung des Reggae bei. Die wichtigste Rolle bei der internationalen Popularisierung von Reggae spielten aber Bob Marley und die Wailers, zu denen auch Peter Tosh und Bunny Livingston gehörten. Chris Blackwell, der Gründer des Island-Labels, ermöglichte den Wailers als erste Reggae-Band, Zugang zu Aufnahme- und Promotions-Möglichkeiten zu erhalten, die bis dahin nur von Rock- und Pop-Gruppen genutzt werden konnten. Der Aufwand machte sich schon bald bezahlt und der Erfolg der Wailers half auch anderen Künstlern wie Culture, Jacob Miller, Black Uhuru und Third World, internationale Aufmerksamkeit zu bekommen.
Die Entwicklung der Musik wurde aber nicht nur von den internationalen “Aushängeschildern” voran getrieben, sondern ebenso von den kreativen Köpfen des jamaikanischen “Untergrunds”. An dieser Stelle seien vor allem King Tubby und Lee Perry erwähnt, die als Erste die einzelnen Aufnahmespuren der Instrumentalversionen mit Hall und anderen Effekten belegten und damit die Reggae-Spielart Dub erfanden. Zusammen mit “Niney the Observer” gehört Lee Perry gleichzeitig zu den wegweisenden “Rebel-Producers”, auf deren Konto auch unzählige jamaikanische Chart-Hits gehen.
Neben der Erfindung des Dub brachte vor allem die Erfindung des “DeeJay-Styles” durch den legendären U-Roy zusätzliche Vielfalt in die Reggaelandschaft. U-Roy und andere frühe Soundsystem-DeeJays wie I-Roy und Dennis Alcapone nutzten das Mikrofon nicht mehr nur für Ansagen, sondern begannen auf den Instrumental-Stücken, die sich auf den Rückseiten der Singles befanden, zu “toasten”. Sie entwickelten eine eigene Art Sprechgesang, ohne die HipHop und Dancehall wahrscheinlich gar nicht existieren würden.

Ronald Wolfgramm
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