Hanf Journal Logo Teil 1
Hanf Journal Logo Teil 2
*
  SITEMAP
 
  * Rubriken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

*
 
*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-

*
 
*
-
-
-

cool-tour
Druckversion
Frühstück mit Spritzbesteck
William S. Burroughs: Junkie
(pub. feb.03)
Publiziert am: 01.02.03 - Medienformen: Medienform Text


Naked Lunch machte ihn weltberühmt. William S. Burroughs, Jahrgang 1914, aufgewachsen in gutbürgerlichen Verhältnissen. Er studierte Archäologie und Ethnologie, um als Privatdetektiv, Barmann und Pestbekämpfer zu arbeiten. Während des Zweiten Weltkriegs diente er kurz bei der Army. 1944 kam er, eher zufällig, zum ersten Mal mit Opiaten in Kontakt.
Das ist der Punkt, an dem Junkie ansetzt. Junkie ist eher ein Bericht, denn ein Roman. Burroughs berichtet von seinen Erlebnissen als Süchtiger, der nicht mehr von der Droge los kann, und eigentlich auch gar nicht mehr von ihr los will. Und so beschreibt er ein Leben und ein Milieu, wie wir es schon von Algren kennen. Aber Burrouhs verzichtet auf alle künstlerische Form. Vom rein literarischen Standpunkt aus gesehen ist das Buch wertlos. Aber es ist kein schlechtes Buch. Was Burroughs liefert, ist der nüchterne, sachliche Bericht über einen Suchtkranken. Es ist eine Aneinanderreihung von Anekdoten und kleinen, unscheinbaren Beobachtungen, gemischt mit persönlichen Randbemerkungen des Autors. Der Ton bleibt sachlich und auffällig unemotional. Da erzählt einer lediglich, was war.
1944 setzt sich Burroughs in New York den ersten Schuß. Das ist der Anfang einer langen Odyssee, quer durch die amerikanischen Südstaaten, immer auf der Flucht vor der Polizei, immer auf der Suche nach dem nächsten Schuß, um schließlich in Mexiko zu landen. Kleine Diebereien, Schießereien im Suff und Taschenspielertricks als Tagewerk. Schäbige Hotels, heruntergekommene Wohnblocks und Gefängniszellen die Orte der Handlung. Immer auf der Suche nach Stoff, immer unterwegs. Kein Wunder, daß die amerikanischen Autoren der Beatgeneration in Burroughs eines ihrer Vorbilder sahen
Junkie ist die Bestandsaufnahme für das Rohmaterial, aus dem Nelson Algren seinen Mann mit dem goldenen Arm schmiedete. Doch die fehlende künstlerische Form, der nicht vorhandene psychologische Tiefgang, die mangelnde plastische Schärfe, sie geben dem Buch etwas Authentisches. Da erzählt einer aus seinem Leben, und man hört gerne zu. Vielleicht weil er ehrlich ist.
Aber Vorsicht: „Meine Frau hat sich von mir getrennt“ heißt es auf der letzten Buchseite. Das ist nicht ganz falsch. Aber Burroughs verrät nicht alles. Er hat seine Frau in Mexiko erschossen.


William S. Burroughs:
Junkie
Rowohlt Taschenbuch Verlag (rororo)
Pol Sax
Versenden: Artikel drucken Druckversion Versenden: Artikel bookmarken bei einem ServiceBookmark it!

Mehr zum Thema:

- Diskutiere das Thema im Hanf Journal Forum

 
*
  Sonderausgaben
-