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Hans Cousto
(published aug. 2002)
Publiziert am: 15.08.02 - Medienformen: Medienform Text


Bücherwände bis unter die hohe Stuckdecke. Weit über 100 Ordner, Lexika und Fachbücher zu allen möglichen Themen. Die Altbauwohnung in Berlin nahe Sonnenallee, hat sich zum eindrucksvollen Archiv entwickelt. Was ansonsten noch im Kampf gegen Drogenlügen gebraucht wird, findet der Computer schnell. Doch das Arbeitszimmer von Hans Cousto fasziniert vor allem durch die chillige Atmosphäre. Der Mathematiker und Musikwissenschaftler sitzt am Boden zwischen orientalischen Kissen und erzählt, wie er dazu kam, sein Leben unter anderem der Drogenbefreiung zu widmen.
„Der erste Impuls war mein unabdingbarer Freiheitsdrang. Ich lasse mich nicht bevormunden. Wenn ich Drogen konsumieren möchte, ist das meine Sache und nicht die der Politiker. Erst recht, wenn die keine Ahnung haben. Schließlich schade ich keinem Menschen.“ Das galt schon 1969, als er in seiner Heimatstadt Zürich in der Arbeitsgemeinschaft Drogen des Autonomen Jugendzentrums aktiv war. Mittlerweile ist Hans Cousto mit 54 Jahren nicht mehr ganz so jung, betont aber, er „gehe immer noch gerne abfeiern“ und ist nicht weniger engagiert.
Nach dem Studium in Zürich zog es ihn nach Indien, Kaschmir und Afghanistan. Dort bekam er auf dem Land bei Bauern die Hanfkultur- und Herstellung vermittelt.
Verteufelung der Hanfpflanze und ihrer vielfältigen Produkte kann er daher nur schwer hinnehmen: „In dem ganzen Bereich wird so viel gelogen.“ Engagiert berichtet er von den vielen Lügen und Halbwahrheiten auf www.drugcom.de, der offiziellen Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Das ist der Hammer, was da drin steht. Fachliche Fehler, manipulative Formulierungen“, entrüstet sich Hans Cousto. In dem Drogenlexikon auf der Internetseite heißt es beispielsweise, dass Streckmittel ein gängiger Bestandteil von Haschisch seien. Er sieht ganz klar eine Diskriminierung all derer, die sauberes Haschisch herstellen. Und seine These „Manipulation statt Information ist das“, stützt er auf gute Argumente: Nicht einmal im Rauschgiftjahresbericht 2000 des Bundeskriminalamts werden in der Auswertung der Reinheitsgehalte der beschlagnahmten Drogen Streckmittel im Zusammenhang mit Haschisch erwähnt. Daher hat er ein Projekt gestartet, dass dazu aufrief, Fehler auf www.drugcom.de zu finden und zu belegen. Schüler, Professoren und fachkompetente Menschen haben geantwortet.

Warum der ganze Aufwand? Er kann einfach nicht zusehen, wie „aus politischen Gründen eine ganze Generation für blöd verkauft wird“. Das ist es ihm wert. Aufklären will er. Mehrere wissenschaftliche Bücher hat er schon erfolgreich veröffentlicht: die meisten zu seiner zweiten Leidenschaft, der Vertonung der molekularen Struktur beispielsweise des THC-Moleküls. Sein neues Buch wird voraussichtlich Ende August veröffentlicht werden. Titel: „Drogenmischkonsum – Genussoptimierung Wirkung und Wechselwirkungen Gefahrenpotentiale Risikomanagement“. Darin richtet er den Fokus besonders auf Drogenkompetenz und Drogenmündigkeit. Diese zwei Eigenschaften will Hans Cousto auch ohne den Zusatz „Drogen“ in der Gesellschaft fördern.
Mit Blick auf mehrere Jahrzehnte Drogenbefreiungspolitik sieht er heute mehr Leute als vor 20 Jahren, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigt haben und eine Richtungsänderung von der Politik fordern. „Es hat sich gezeigt, Repression hält Leute nicht ab und verhindert nicht die Verfügbarkeit. Das einzige, was Repression verändert, ist das „setting“, das neben „drug set“ (Material) und „set“ (körperlicher Zustand) maßgeblich das Drogenerlebnis beeinflusst. Paranoia und Angstzustände werden von drohenden Polizeikontrollen geradezu herausgefordert“, erklärt Cousto.

Noch etwas, das unbedingt gesagt werden muss: „Es geht nicht nur um die Legalisierung von Cannabis. Da wird nur eine Grenze verschoben“. In seinen Augen reicht es nicht, wenn Kiffer bürgerlich werden. Wenn Kiffer auf Ecstasy-Konsumenten herunterblicken und vielleicht sogar noch wegen ihres Konsums anzeigen, dann wäre es das gleiche Verhältnis wie die Alkis zu Kiffern jetzt, meint Hans Cousto. „Es geht um mehr, um eine Drogengenusskultur, Selbstbestimmung, freies Denken und Handeln. Verbote haben keine positive Wirkung. Überhaupt Pflanzen zu verbieten, ist Gotteslästerung. Wenn es einen Gott gibt, ist Pflanzenverbot Blasphemie, denn sie wurden von Gott geschaffen.“
Ines Eichmüller
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