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Mods
Youth of Yesterday
(Pub. Januar 2004)
Publiziert am: 08.01.04 - Medienformen: Medienform Text


London in den frühen Sechziger-Jahren: Der Rock’n’Roll regiert, die Mode auf den Straßen wird beherrscht von Tollen, Lederjacken, Creepers und Blue Jeans. Die Jugend schielt in Sachen Musik und Style über den Großen Teich. Zu diesem Zeitpunkt beginnt eine kleine, elitäre Gruppe Mittelklassejungs sich betont ordentlich und schick zu kleiden.

Man trägt italienische Anzüge und Schuhe, Krawatten, ordentlich frisierte, am Hinterkopf hochtoupierte Haare (Frenchline) und fährt – im Kontrast zu den bei den Rock’n’Rollern beliebten Motorrädern – Motorroller. Musikalisch sind R’n’B, Soul und Jazz angesagt, später auch Beat und Blue Beat, die jamaikanische Variante des R’n’B/Soul, besser bekannt als Ska. Die jungen Trendsetter nennen sich selbst „Modernists“, was schnell in der Kurzform zu „Mods“ wird. Ein neuer Jugendkult ist geboren, und zwar der erste wirklich europäische! Der neue Style findet großen Anklang und rasend schnell Nachahmer. Mod-Bands schießen wie Pilze aus dem Boden: Die „High Numbers“ ( die späteren „The Who“), „Small Faces“, „The Action“, „The Eyes“ etc. pp.! Schnell werden Parkas trendy, ist klar, so ein Teil hält auf dem Roller warm und vor allem den Anzug sauber, und bald wimmelt ganz England vor Grünjacken auf Vespas und Lambrettas. Die Wochenenden werden gern am Meer, in den spießigen Seebädern wie Margate oder Brighton verbracht, wo man tagsüber zu Hunderten einige wenige „Rocker“ jagt und verprügelt. Das lassen diese sich natürlich nicht lange bieten und mobilisieren ihrerseits, was dann zu riesigen Massenschlägereien an den bisher so beschaulichen britischen Stränden führt. Für die Yellow Press ist das ein gefundenes Fressen und so weiß jeder, vom Schulkind bis zum Rentner, bald Bescheid über die „jugendlichen Vandalen“! Die Nächte gehören dem Sehen und Gesehenwerden: Mit den neuesten, smartesten Klamotten auf den hippsten Gigs und Allnightern sein! Als Mod ist man ständig unterwegs, deswegen ist die Droge der Wahl Amphetamin. Purple Hearts, Blaue, was für Pillen auch immer, Hauptsache wach und schnell sein. Eine immer wieder gern erzählte urbane Legende ist die von dem Typen, der völlig zugepillt bei ner Party vom Balkon fällt und als die Kumpels runterrennen nach wie vor über seinen Roller schwadroniert, ohne sich weiter um den Ortswechsel zu scheren!

Der ganze Modernism ist ein von Jungs dominiertes Ding, Mädels sind allenfalls Nebensache. Die Jungs wetteifern untereinander, wer ein „Face“, also der Coolste, ist und nichts ist schlimmer als in denselben Klamotten wie letzte Nacht gesehen zu werden. Die Roller werden mit Chrom und tonnenweise Lampen und Spiegeln aufgemotzt, nach dem Motto: Egal ob das Ding noch fährt, Hauptsache es leuchtet, blinkt und funkelt!

Der Niedergang der Mods beginnt 1966/67 mit der aufkommenden Psychedelia-Welle und die Szene splittet sich in kiffende und LSD-nehmende Blümchenhemdträger und so genannte „Hardmods“, die kurze Haare und bald auch Boots tragen, und sich eher aus der Working Class rekrutieren, die späteren „Suedeheads“ und „Skinheads“.

In den Siebzigern wird es dann erstmal still, bis nach Punk und mit „The Jam“ 1979 das „Mod-Revival“ ausbricht. (Zitat Paul Weller: „How can I be a fucking revivalist when I'm only eighteen?“) Die Musik ist jetzt eine Mischung aus 60s und Punkrock, wobei auffällt, dass die Texte deutlich politischer sind als die der Vorbilder. Bands wie die „Purple Hearts“, „The Chords“, „Secret Affair“ oder die „Merton Parkas“ füllen Hallen. Außerdem wird viel „Two Tone“ Ska á la „The Specials" oder „The Selecter“ gehört.

Diese Welle flaut zwar relativ schnell wieder ab, der Kult jedoch hält sich die ganzen 80er hindurch und ist jetzt auch wirklich international. Es gibt Mods und Modbands von Amiland („Manual Scan“) bis Australien. Auch die deutsche Szene ist in dieser Zeit sehr rege, besonders im norddeutschen Raum und im Rheinland („Stunde X“ / „Die Profis“ / „The Crap“ etc.). Nebenher gibt es weltweit auch ein „Garagepunk-Revival“, die toughe amerikanische D.I.Y.-Spielart des Beat mit Bands wie den „Fuzztones“, den „Miracle Workers“ u. a. Die Szenen überschneiden sich weitgehend.

In den Neunzigern wird die Szene kleiner und das Durchschnittsalter geht merklich nach oben. Tja, man wird halt alt . . .

Zwischenzeitlich wird im Zuge der „Britpop“-Welle von der „Livestylepresse“ ein erneutes „Mod-Revival“ gehypt, was aber der Szene weder hilft noch schadet.
Heute jedoch zeichnet sich in den Metropolen dieser Welt wieder ein Trend zu guter Musik in smarten Klamotten ab! „The Movement“ aus Kopenhagen, die „Cool Jerks“ aus Bremen, die „Men From S.P.E.C.T.R.E. “ aus Winterthur, „The Oddz“ und „Manne & die Maulhelden“ aus Berlin to name but a few!

Stay smart!
Clean living under difficult circumstances . . .
Urs Gebert
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