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die Maulhalde
Herr Eiermann
(Pub. Januar 2004)
Publiziert am: 08.01.04 - Medienformen: Medienform Text


Ich werde Ihnen gar nichts über meine Haushaltsrisiken erzählen. Nein, will ich nicht. Sie könnten’s sonst dem Herrn Kaiser sagen und das will ich einfach nicht. Man wird doch noch ein Bild aufhängen dürfen ohne Diplom und Meisterbrief.
Nichts habe ich mir vorzuwerfen, streng nach Anleitung des ADAC-Ratgebers „Rund ums Haus“ bin ich vorgegangen. Den Küchentisch hatte ich beiseite geschoben, und alle Utensilien, die ich zur Aufhängung des Bildes benötigte, darauf ausgebreitet. Das Teewasser war aufgesetzt, zwei Bierflaschen und ein Staubsauger zum hygienischen Absaugen des Putzes standen griffbereit.
Ich befestigte den Bohreraufsatz im Bohrwerk, überzeugte mich von der Standsicherheit meiner Leiter, dann betätigte ich die Taste des Staubsaugers, stieg vier Stufen empor, hielt den Rüssel an die markierte Stelle, setzte die Bohrmaschine an, drückte den orangefarbenen Knopf und dann . . . und dann . . .
Ich erzähle besser nicht, wie der Bohrer in der Wand stecken blieb und die Maschine mir schmerzliche Hiebe am Kinn versetzte, wieder und wieder, wie sie erst zum Ruhen kam, als sich infolge der Verdrehung das Kabel aus der Dose löste und mir an die Stirn peitschte, woraufhin es mich vom geriffelten Trittbrett der Leiter schlug. Wie ich mich, Halt suchend, an die Deckenlampe klammerte und mich über die am Boden zerschellenden Bierflaschen hinweg schwang, bevor die Aufhängung der Lampe riss und ich in den Wandspiegel schmetterte, der in tausend Teile zerfiel.
Kein Wort davon, wie ich nach hinten taumelte, über den Schlauch des Staubsaugers, der noch immer saugte, an meiner Wange jetzt klebte, infolge des Vakuums dort. Wie ich ihn mit beiden Händen abzurupfen gedachte und wie, als er endlich nachgab, mein Hinterkopf an das Küchenregal knallte, ein Kilogramm Mehl in Papier zerplatzte und mich bestäubte und mir die Katze, die sich dort versteckte, schreckhaft ins Gesicht gesprungen kam.
Ich verschweige besser, wie ich zum Abguss taumelte, um meine Augen zu spülen und statt des Wasserhahns den brühheißen Teekessel zu fassen bekam. Wie meine Hand zwischen Henkel und heißer Emaille klemmte und das Wasser sich über mich ergoss, und ich, brüllend, mich ins Bad zu retten suchte. Wie mir plötzlich, erschöpft und müde, alles gleichgültig wurde, die Füße auf den wässrigen Fliesen ausglitten und mein Körper sich fallen lassen wollte, aber nicht konnte, weil sich der Hals in der Kordel des Vorhangs verfing. Wie ich beobachten konnte, dass die Färbung meiner Hände ins Blauviolette überging und mich nur die schwere Gardinenstange, die sich löste und auf den Hinterkopf knallte, vor dem Ersticken bewahrte.
Ich verschweige, dass erst als ich im Sicherungskasten den Hauptschalter betätigte – und mir, das sei erwähnt, ein greller Blitz in den Arm fuhr, eine kurze Stichflamme entgegen schlug – dass erst dann Ruhe einkehrte und das Licht verlöschte: bei mir in der Wohnung und im ganzen Haus und im Block gegenüber und im ganzen Straßenzug. Und wie mich der Hausmeister in einer gescherbten Bierlache fand mit den Worten: „Diesmal wird‘s teuer für Sie, Herr Eiermann!“
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