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Wachtmeister Studers Beichte
Die Drogenkarriere des Friedrich Glauser
(Pub. Januar 2004)
Publiziert am: 08.01.04 - Medienformen: Medienform Text


„Was war einfacher, als in die Apotheke zu gehen, ein Aspirin zu verlangen, um ein Glas Wasser zu bitten, weil man die Tablette gleich einzunehmen wünsche – und während der Apotheker den Laden verließ, einen großen Schluck aus der Flasche zu nehmen?“ fragt Friedrich Glauser in seinem autobiographischen Text „Morphium“. Gemeint ist eine Flasche mit Laudanum, die offen auf der Ladentheke steht.
Denn Glauser ist seit Jahren abhängig von der Droge. Die Mutter des 1896 in Wien Geborenen stirbt früh, der Vater wird über seinem Kummer zum Säufer, der sich nachts, wenn der Junge im Bett liegt, im Nebenzimmer gnadenlos betrinkt. Mit 13 läuft Friedrich von Zuhause weg und landet im Polizeigewahrsam. Er scheitert am Gymnasium und kommt in ein Landerziehungsheim in der Schweiz. Seine Flucht setzt er fort, diesmal mit Äther und Chloroform. Nach einem Suizidversuch fliegt er von der Schule.
Schließlich landet er in Zürich und freundet sich mit den Dadaisten um Hugo Ball an. Er beginnt das Leben eines Bohemien zu führen: Suff, Frauen, Drogen. 1918 wird er wegen „liederlichem und ausschweifendem Lebenswandel“ entmündigt. Ein halbes Jahr später landet er zum ersten Mal im Knast: als Morphinist. Ab jetzt: Entziehungskuren, Rückfälle, Selbstmordversuche, Gefängnisaufenthalte. Immer und immer wieder. Ein tödlicher Kreislauf, aus dem es kein Entkommen mehr zu geben scheint. Er wird Fremdenlegionär in Nordafrika, Kumpel im belgischen Kohlenrevier, kommt zurück und landet wieder in der Klapse. Mit 29 Jahren sieht es ganz danach aus, als ob sein Leben schon gelaufen sei.
„Im Grunde gibt es nichts Uninteressanteres als das Leben eines Morphinisten. Es beschränkt sich auf Perioden, in denen er das Gift nimmt, und auf Perioden, in denen die Gesellschaft ihn zwingt, sich das Zeug wieder abzugewöhnen,“ wird er später schreiben.
Doch dann verändern drei Dinge sein Leben: er unterzieht sich einer Psychoanalyse, er beginnt zu schreiben und – er verliebt sich. Glauser sieht plötzlich die Möglichkeit für einen Neuanfang. Als freier Schriftsteller will er sich nun durchschlagen, doch schon bei den ersten Schwierigkeiten, die sich ihm in den Weg stellen, wird er wieder rückfällig. Aber er schreibt trotzdem weiter. Und erfindet schließlich 1934 den Wachtmeister Studer. Der Zigarre rauchende Studer ist das exakte Gegenstück zu Glauser. Er ist groß und dick, verliert nie die Fassung, sondern bleibt in allen Lagen ruhig und gelassen, einer der jede Situation beherrscht. Die Figur des biederen Wachtmeisters wird der Strohhalm, an dem Glauser sich festzuklammern sucht. An Stoff fehlt es ihm dabei nicht. Für die Fälle des Wachtmeisters schöpft Glauser aus seiner eigenen Biografie. In schneller Folge entstehen so ein halbes Dutzend Kriminalromane und, nebenbei, noch eine Reihe kürzerer Erzählungen, die einen ganzen Band füllen. Den „Simenon der Schweiz“ wird man Glauser später einmal nennen.
Doch sein Leben verläuft weiterhin problematisch. Er wechselt die Freundin, hat wieder Geldsorgen. Er zieht in die Bretagne, kurze Zeit später nach Italien. Gesundheitlich angeschlagen scheint er dem Schreiben nicht mehr gewachsen. Seine letzte Erzählung („Knarrende Schuhe“) kann er nur noch mit Mühe zu Ende bringen. Seine letzten Briefe zeigen einen depressiven Mann, der für sich keinen Ausweg mehr sieht.
Dabei hat er noch vor zu heiraten. Doch einen Tag vor der Hochzeit bricht er zusammen. Zwei Tage später, am 8.Dezember 1938, ist er tot.
Pol Sax
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