Hanf Journal Logo Teil 1
Hanf Journal Logo Teil 2
*
  SITEMAP
 
  * Rubriken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

*
 
*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-

*
 
*
-
-
-

cool-tour
Druckversion
Die Sucht nach dem Leben
Jörg Fausers Romane und Erzählungen
(pub. Juli 2003)
Publiziert am: 26.06.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 03juli artikel Die Sucht nach dem Leben Jörg Fausers Romane und Erzählungen

Da ist zum Beispiel „Der Schneemann“. Sein Studium hat er abgebrochen. Als Galerist ist er gescheitert. Als Kunstfälscher ist er aufgeflogen. Als Pornohändler war er glücklos. Kleine Gaunereien, billige Tricks: er schummelt sich durch. Reist über den ganzen Globus, versucht sich von alternden Touristinnen aushalten zu lassen. Aber der Geruch des Erfolglosen haftet ihm an. Bis ihm durch einen Zufall fünf Pfund reinsten Kokains in die Hände fallen.
Als Reisender in Sachen Glück kehrt er zurück nach Deutschland, in der Hoffnung auf den großen Deal. Denn er sieht sich schon als reichen Mann. Nur seine „Ware“ muss er noch schnell los werden, und seine Träume werden alle in Erfüllung gehen. Doch es gibt Schwierigkeiten. Haben wollen alle seine Peruvian Flakes, aber zahlen will dafür keiner.
Verrauchte Kneipen, dubiose Nachtbars, versoffene Geschäftsmänner. Liegt es an dem schmuddeligen Winterwetter? Es ist ein graues, schmutziges Deutschland, durch das Fauser seine Protagonisten reisen lässt. Hier gibt es nicht den Glanz der High-Society, nicht den Glamour der Reichen und Berühmten zu bestaunen, wie es im Genre des Kriminalromans nur allzuoft der Fall ist. Nein, die Menschen in seinen Büchern leben am Rand der Gesellschaft. „Nur nicht auffallen!“ lautet die Devise. Einfach durchmogeln ist, was bleibt. Denn längst begraben sind die Hoffnungen und Illusionen der jungen Jahre. Man klagt sich gegenseitig sein Leid, aber was letzten Endes bleibt ist doch immer nur das Gefühl, dass in diesem Spiel jeder für sich selber kämpft.
Die Liebe bleibt ausgeklammert. Wo sie vorkommt, wird sie falsch verstanden. Denn in dieser Philosophie des Jeder-gegen-Jeden ist für sie kein Platz mehr.
Fauser ist nicht der Mann, darüber ein langes Lamento anzustimmen. Er beobachtet nur und berichtet. Ohne falsches Mitleid, ohne die großen Gefühle, wie wir sie aus dem Kino oder aus verlogenen Schmonzetten kennen. Ein weites Land, darin ein paar Menschen, die sich als Schachfiguren in einem Spiel bewegen, dessen Regeln sie nicht kennen und dessen Richtung sie nicht sehen können. Bis es zu spät ist.
Jörg Fauser, selbst lange Jahre morphiumabhängig, schrieb eine Unmenge an Reportagen. Hier fand er den Stoff für seine Romane und Erzählungen. Der Plot ist nur von sekundärer Bedeutung und oft genug reichlich hanebüchen. Fauser porträtiert den Typus des Außenseiters, und mit ihm eben auch die bundesdeutsche Gesellschaft, oder zumindest einen Teil von ihr.
Seine eigentliche Qualität aber ist es, seine Figuren auch noch in ihren aberwitzigsten Gedankengängen glaubwürdig erscheinen zu lassen. Denn ihre Spannung beziehen Fausers Texte nicht aus einem spektakulären Handlungsverlauf, sondern aus den Psychogrammen der Protagonisten.
„Der Schneemann“ übrigens driftet aus schierer Angst vor seinen eingebildeten Verfolgern in Panik und Paranoia ab: kein Wunder, dass er am Ende leer ausgeht. Auch seine Pläne sind bescheidener geworden. Gefragt, was er nun vorhabe, lautet sein letzter Satz: „Ich sehe mir die Show in der Roxy-Bar an.“



Fauser, Jörg:
Gesammelte Werke
Rogner & Bernhard
bei Zweitausendeins


Pol Sax
Versenden: Artikel drucken Druckversion Versenden: Artikel bookmarken bei einem ServiceBookmark it!

Mehr zum Thema:

- Diskutiere das Thema im Hanf Journal Forum

 
*
 Aktuelles HanfJournal
-