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Dope Pollution - Zwischen Farm und Pharmageddon
Werner Piepers Buch über die Folgen illegaler Drogenherstellung
(pub. Juli 2003)
Publiziert am: 26.06.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 03juli artikel Dope Pollution – Zwischen Farm und Pharmageddon

Ist euch bewusst, dass man mit dem Konsum von illegalen Drogen die Umwelt verschmutzt? Ich will euch damit bestimmt nicht mit dem moralischen Zeigefinger kommen. Ich meine diese Frage wirklich ernsthaft, mir persönlich war das nicht so klar. Wenn man sich irgendwelche Drogen besorgen geht, sei es Kokain, XTC oder Cannabis, man schadet der Umwelt. Die Sache ist nur die: man tut das ja nicht freiwillig, diese Drogen sind verboten. Und genau diese Tatsache verursacht Umweltzerstörung und Raubbau an der Natur. Viel Lebensraum für Mensch und Tier werden durch die Repression täglich zerstört. Werner Pieper, einer der renommiertesten Drogenschriftsteller unserer Zeit, versucht in seinem Buch „Dope Pollution – zwischen Farm und Pharmageddon“ eine Bestandsaufnahme zu geben, welche globalen Auswirkungen auf die Natur und Umwelt sowie auf Menschen durch die Herstellung illegaler Drogen bestehen. Einige Auszüge aus dem Buch wollen wir euch hier zusammengefasst vorstellen.

Die Zahl der illegalen Drogenplantagen und – labors nimmt weltweit rasant zu. Die hochgiftigen Grundstoffe, die bei der Drogengewinnung übrig bleiben, verseuchen ganze Regionen, deren Flüsse und das Grundwasser. Aber nicht nur die Abfälle der Drogen-Herstellung bergen Gefahren – sowohl im Goldenen Dreieck Asiens wie auch in den Anden, den Zentren der globalen Kokain- und Heroinindustrie werden für den Anbau von Coca und Mohn große Gebiete Tropenwald und andere natürliche Bepflanzung vernichtet, um den Boden für den Anbau der Pflanzen (der entstehenden Drogen) zu bereiten. Je aktiver die örtliche Polizei oder das Militär ist, um so weiter ziehen sich die Anbauer in bislang unberührte Gegenden zurück und vergrößern so die Fläche „verbrannter Erde“. Der neue Bewuchs ist häufig nicht in der Lage, die einsetzende Bodenerosion zu verhindern, die Böden trocknen schnell aus.

Ein Beispiel ist Peru: dort sind in den vergangenen 20 Jahren nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 700.000 und 2,4 Millionen Hektar Regenwald, das wäre etwa die Größe El Salvadors, allein für den Cocaanbau vernichtet worden. Doch nur ein Drittel dieser Länderein wird noch bepflanzt; einen Cocabusch kann man normalerweise bis zu 35 Jahre lang abernten, seine Wurzeln können sich in Ruhe stärker entwickeln und Erosion verhindern. Doch Militär und Polizei treiben die Landwirte und die Infrastruktur, die für die Herstellung der Droge notwenig ist, immer mehr in die Wälder, diese werden dann dadurch vernichtet.

In den Anden sieht es ebenfalls düster aus: Eine Untersuchung der Landwirtschaftsuniversität Lima in den früheren 90ern, fallen für die Kokainherstellung in den Anden jährlich rund 600 Millionen Liter Chemikalien an, für die es keine legale Entsorgung gibt. Das entspricht rund zwei metrische Tonnen hoch toxischer Chemieabfall pro Hektar Cocapflanzen. Ein Fachmann hat dies für Pieper hochgerechnet: demnach fielen 1986 bei einem Hektar Land rund 2.400 kg getrocknete Cocablätter an. Insgesamt wurden in der Huallaga Region rund 160.000 Hektar mit Coca bepflanzt, aus denen 6.400 Tonnen Cocapaste gewonnen wurden. Das bedeutet, dass diese Region mit rund 57 Millionen Litern Petroleum, 32 Millionen Liter Schwefelsäure, 16.000 Tonnen Kalk, 3.200 t Karbid, 16.000 Tonnen Toilettenpapier, 6.400.000 Liter Essigsäure und gleichviel Toluol getränkt wurde. Nachweislich sind in jener Zeit pro Jahr allein in dieser Region in Peru rund 100 Millionen Giftabfälle in den Huallaga Fluss, der dann später in den Amazonas fließt, eingeleitet worden. Wissenschaftler haben einige der Nebenflüssen des Huallage untersucht und dabei festgestellt, dass die Verseuchung der meisten dieser Nebenflüsse die Verschmutzungsstandards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei weitem überschreiten und ein Großteil der normalerweise in diesen Flüssen heimischen Fische und Pflanzen vernichtet wurden. Solange es für die Menschen vor Ort keine wirkliche Alternative zum Cocaanbau gibt, wird der Krieg gegen die Umwelt kein Ende finden.

Derweil erhöhten die USA ihren Etat 2002 für ein Sonderprogramm zur Vernichtung der Kokaplantagen in Kolumbien auf 1,3 Milliarden US-Dollar. Rund 120.000 Hektar werden mit dem Herbizid Glyphosphat gegen Mohn- und Kokapflanzen besprüht. Seit dem Beginn dieser Aktion meldeten sich über 1000 Verletzte aus der behandelten Region: Haut- und Augenverbrennungen, Husten und Erbrechen sind sichtbare Folgen. Der Herbizidmantel hatte sich auch über Kornfelder und Gärten gelegt.

Selbstkritisch beleuchten wir den Hanfanbau. Traditionell ist der Hanfanbau eine „handwerkliche“ Einnahmequelle von Landwirten der 3. Welt. Sie haben seit Generationen das Know-How, sind ohne importierten Dünger und Pestizide ausgekommen. Reine Bio-Ware. Wie in anderen (Bio-)Bereichen verleitete eine steigende Nachfrage oft zu unüberlegten Schritten. Anfang der 70er Jahre verursachte die Ölkrise ein großes Defizit im Haushalt Jamaikas. Da die örtlichen Farmer keine Chance hatten, ihre Produkte im eigenen Markt gegen die hoch subventionierten aus den USA durch zu setzen, versprach nur ein Produkt, das in den USA alles andere als subventioniert wurde, Gewinne: Marijuana. Mitte der 80er Jahre führte der Hanfboom dann zu immer mehr Regenwaldrodungen, so dass sogar die Regierung einschritt. Und auch die Grower hier in Deutschland bauen ihren Hanf nicht sehr umweltverträglich an: Immer mehr unter Umständen, unter denen man sein Gemüse oder Obst nicht wachsen lassen würde, gengezüchtet auf kunstdüngergetränkten Kunstböden und Kunstlicht.

Werner Piepers „Dope Pollution“ ist innerhalb der Rauschkunde Edition in Zusammenarbeit mit dem Verein für Drogenpolitik (VfD) erschienen. Besonders interessant sind auch die genauen Beschreibungen der Herstellung von Kokain, Heroin, XTC und Cannabis sowie deren Auswirkungen auf die betroffenen Regionen. Auch Auswirkungen auf Mensch und Natur von legalen Arzneien hat Pieper genau geschildert. Ein erschreckend interessantes Buch, das uns wieder einmal die Chance gibt, über den europäischen Drogentellerrand hinaus zu schauen.
Unter www.gruenekraft.de könnt ihr das Buch für einen geringen Preis bestellen, es lohnt sich!
Katrin Schmidtberger
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