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Kann man Cannabis oder THC auch spritzen?
(Pub. Juli 2004)
Publiziert am: 06.07.04 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 04juli artikel Klüger werden mit dem Hanf Journal Kann man Cannabis oder THC auch spritzen?

Eine Anzahl von Cannabis-Konsumenten hat versucht, sich Cannabis-Produkte zu spritzen, beispielsweise indem sie Haschisch aufgelöst oder Cannabis-Blüten gekocht und sich den abgeseihten Tee injiziert haben – und es oft bereut. Ob dabei immer gesundheitsschädliche Wirkungen aufgetreten sind, ist nicht bekannt. Bei den Fällen, die medizinisch bekannt wurden, traten allerdings zum Teil erhebliche Schäden auf. Bei meiner Suche habe ich in der wissenschaftlichen Literatur elf Berichte über Fälle, bei denen Cannabis intravenös (in die Venen) gespritzt worden war, gefunden. Der älteste dieser Berichte stammt aus dem Jahre 1968, der jüngste aus dem Jahre 2000.

Der Fallbericht von 1968, der in einer britischen Ärztezeitschrift veröffentlicht wurde, handelt von einem Konsumenten, der sich Haschisch spritzte und einen Kreislaufzusammenbruch erlitt, von dem er sich aber wieder erholte. 1975 berichteten Ärzte in einer amerikanischen Ärztezeitschrift von vier Fällen, bei denen schwere Magen-Darm-Störungen, schwere Leberentzündungen, akutes Nierenversagen sowie Störungen der Zusammensetzung des Blutes aufgetreten waren. In einer Veröffentlichung aus dem Jahre 1976 wurde von zwei Fällen berichtet, bei denen ein Blutdruckabfall, Störungen der Nierenfunktion, Auflösung von Muskelfasern und eine Abnahme der Zahl der Blutplättchen beobachtet worden waren. Diese Wirkungen verschwanden nach einiger Zeit wieder vollständig. Auch über allergische Reaktionen wurde nach intravenöser Gabe von Cannabis-Produkten berichtet. Wegen der Vielzahl der möglichen zum Teil schweren Nebenwirkungen ist eine intravenöse Gabe von Produkten aus der Cannabis-Pflanze nicht zu empfehlen.

THC kann dagegen gespritzt werden. Allerdings erfordert dies spezielle Kenntnisse und Vorbereitungen. THC wurde bereits in vielen Tierversuchen und auch in einigen klinischen Studien mit Menschen intravenös verabreicht. THC ist sehr schlecht wasserlöslich und löst sich daher auch schlecht im Blut. Die Löslichkeit von THC in lauwarmem Wasser beträgt nur etwa drei Milligramm pro Liter. THC muss daher vor der intravenösen Gabe in Substanzen gelöst werden, die ihrerseits in Wasser löslich sind, wie beispielsweise Äthanol (Alkohol), Polyäthylenglykol oder Twen 80 (Polyoxyäthylensorbitanmonooleat). In einer jüngeren klinischen Studie, bei der die Wirkung von intravenösem THC mit inhaliertem THC verglichen wurde, wurde THC in Alkohol und Tween 80 gelöst und anschließend mit Ultraschall beschallt. Es ist also durchaus möglich, THC zu spritzen. Das ist allerdings keine Angelegenheit für den Hausgebrauch.

In der Medizin ist es oft von Vorteil, Medikamente auch intravenös geben zu können. Daher wurden bereits in den 70er-Jahren wasserlösliche synthetische Cannabinoide entwickelt. Zur Zeit wird das synthetische Cannabinoid Dexanabinol in klinischen Studien an Personen, die bei einem Unfall eine schwere Kopfverletzung erlitten, getestet. Dexanabinol ist ein nervenschützendes Cannabinoid und die beteiligten Wissenschaftler und Ärzte hoffen, mit Dexanabinol die Folgen der Verletzung auf die Gehirnfunktion abmildern zu können. Dazu muss die Substanz möglichst schnell (innerhalb weniger Stunden) nach dem Unfall intravenös gegeben werden.

Der Wirkungsverlauf nach intravenöser Gabe von THC entspricht ungefähr dem beim Rauchen. Auch nach dem Rauchen steigt die THC-Konzentration im Blut sehr schnell an, ist nach drei bis acht Minuten am höchsten und fällt dann wieder ab. Die maximale Wirkung tritt allerdings erst nach etwa 20 bis 30 Minuten ein. Diese Wirkungsverzögerung beruht auf der Zeit, die das THC benötigt, um an die Bindungsstellen im Gehirn zu gelangen. Wegen der Fettlöslichkeit benötigt THC eine gewisse Zeit, um die so genannte Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, die dafür sorgt, dass bestimmte Substanzen nicht oder nur schlecht aus dem Blut in die Gehirnflüssigkeit gelangen. Auch beim Spritzen von THC tritt diese Wirkungsverzögerung auf. Wer sich also THC spritzen will, um eine schnellere Wirkung zu erzielen, wird enttäuscht sein, dass die Wirkung nicht wesentlich schneller eintritt als nach dem Rauchen. Wer eine sehr starke Wirkung wünscht und sich große Mengen injiziert, muss mit starken Wirkungen auf den Kreislauf rechnen.

Zusammengefasst möchte ich vom Spritzen von Cannabis-Produkten abraten. Das Spritzen von Haschisch oder Cannabis-Tee hat in der Vergangenheit zu starken Nebenwirkungen und zu unfreiwilligen Aufenthalten im Krankenhaus geführt. Reines THC kann dagegen mit einigen Kenntnissen und Vorbereitungen gespritzt werden. Es ergibt sich hinsichtlich des Wirkungseintritts allerdings vermutlich kein Vorteil gegenüber dem Rauchen.



Dr. med. Franjo Grotenhermen


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