Hanf Journal Logo Teil 1
Hanf Journal Logo Teil 2
*
  SITEMAP
 
  * Rubriken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

*
 
*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-

*
 
*
-
-
-

cool-tour
Druckversion
Dichter in Uniform
- Ernst Jüngers Drogenbuch „Annäherungen“
(pub. Juni 2003)
Publiziert am: 02.06.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal juni03 artikel Dichter in Uniform Ernst Jüngers Drogenbuch „Annäherungen“

Die Rechten lieben ihn. Denn am rechten Rand des politischen Spektrums gibt es nur zwei Schriftsteller von Rang: Ernst von Salomon und eben ihn, Ernst Jünger. Doch Salomon erwies sich als zu sperrig für eine einfache politische Vereinnahmung. Anders Ernst Jünger. Während linke Autoren vor den Teilnehmern bundesdeutscher Ostermarschierer beschwingte Reden hielten, verherrlichte er „Stahlgewitter“. Jünger bramarbasierte gerne von edlen Tugenden und Männerstolz, schwärmte „vom Kampf als innerem Erlebnis,“ der Krieger war ihm die höchste Entwicklungsstufe menschlicher Intelligenz. Schwülstig kommen seine Texte daher, aber in bürgerlichen Kreisen haben manche das immer schon geliebt. Es ist dieser religiöse Tonfall, der, unter dicken Staubschichten liegend, immer noch jedem anständigen Linken Pickel ins Gesicht treiben kann.

Die Rechten hassen ihn. Denn so einfach war es dann eben doch nicht um ihn bestellt. Und spätestens 1982, als er in einem feierlichen Akt in der Frankfurter Paulskirche den Goethe-Preis verliehen bekam, schlugen die Protestwellen – gerade aus dem rechten Lager – hoch. Denn zwar war es einer der ihren, der da die Auszeichnung bekam, aber hatte der Mann nicht auch ausführlich von seinen Drogenerfahrungen berichtet, und das ohne nachträglich zu allen Rauschmitteln auf Distanz zu gehen?

1970 waren die „Annäherungen“ erschienen, ein Buch über seine persönlichen Erfahrungen mit „Drogen und Rausch“, wie es im Untertitel heißt.

Und er hat nichts ausgelassen. Er hat vom Opiumtöpfchen aus der großväterlichen Apotheke genascht, vom Wein (von dem er sagt, er habe Europa stärker verändert als das Schwert) reichlich genossen, Erzählungen unter Meskalin verfaßt und zusammen mit seinem Freund Albert Hofmann mit dessen neuer Entdeckung, dem LSD, herum experimentiert. Und gibt, auf fast 400 Seiten, davon ausführlich Bericht. Das konnte seinen politischen Freunden nicht recht sein, auch wenn der Ton immer noch der gleiche war. Denn natürlich schrieb er nicht ein nüchtern-sachliches Buch, sondern auch hier versucht er sich in dem, was manche sein Philosophieren nennen, was aber eben doch mehr ein dunkles Raunen bleibt, ein dem mystischen Verhaftetes Denken.

Nein, er war kein Aufklärer. Aber er war facettenreich genug, um auf alle Lager verstörend zu wirken, und das ist auch keine gering zu schätzende Qualität.


Jünger, Ernst:
Annäherungen
Verlag Klett-Cotta



Pol Sax
Versenden: Artikel drucken Druckversion Versenden: Artikel bookmarken bei einem ServiceBookmark it!

Mehr zum Thema:

- Diskutiere das Thema im Hanf Journal Forum

 
*
 Aktuelles HanfJournal
-