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Klüger werden mit dem Hanf Journal
(Pub. Juni 2004)
Macht kiffen träge? Gibt es das Amotivatiossyndrom?
Publiziert am: 08.06.04 - Medienformen: Medienform Text


Hanf Journal – Mai 2004 Der akute Konsum von Cannabis hat häufig einen dämpfenden, beruhigenden und träge machenden Effekt. Das ist eine allgemeine Erfahrung. Die Frage, ob sich diese Wirkung auf das gesamte Leben des Konsumenten überträgt, ist jedoch umstritten. Möglicherweise spielen das Alter des Konsumenten sowie Umfang und Häufigkeit des Konsums eine Rolle. Erschwert wird die Beantwortung der Frage dadurch, dass Ursache und Wirkung nicht immer leicht auseinander zu halten ist: Verursacht Kiffen Trägheit oder kiffen träge Menschen?
Die Annahme, dass gewohnheitsmäßiger Cannabis-Konsum dem Konsumenten seine Energie und Motivation raubt, ist mindestens 100 Jahre alt. Sie wurde in einem ausführlichen Bericht über den Cannabis-Konsum in Indien aus den Jahre 1893 geäußert. Der Begriff Amotivationssyndrom wurde jedoch erst viel später, im Jahre 1968, von dem amerikanischen Wissenschaftler David E. Smith geprägt, der damit den Verlust des Wunsches, zu wetteifern und zu arbeiten, charakterisierte. Smith illustrierte das an zwei Fallbeispielen. In der Folgezeit wurde das Syndrom auch von einer Anzahl weiterer Wissenschaftler und Psychiater beschrieben und mit Einzelfällen belegt. Im Laufe weniger Jahre wurde die Existenz dieses Syndroms von vielen als Tatsache angesehen.
Es gibt dabei allerdings ein grundsätzliches Problem, das Fallbeispielen grundsätzlich anhaftet und bei Wissenschaftlern als „Unvollständigkeit des klinischen Bildes“ bekannt ist. Es ist nicht überraschend, dass Cannabis-Konsumenten, die Kontakt mit Psychiatern oder Psychologen haben, häufig psychische Probleme haben, beispielsweise depressiv und demotiviert sind. Genauso wenig ist es überraschend, dass Cannabis-Konsumentinnen, die Kontakt mit Frauenärzten haben, häufig schwanger werden. Daraus lässt sich nicht folgern, dass Cannabis-Konsumenten häufiger als andere Menschen psychische Probleme haben oder häufiger schwanger werden.
Bei den ersten Untersuchungen, die die Häufigkeit des Amotivationssyndroms in größeren Kollektiven untersuchten, waren die Ergebnisse dann auch nicht mehr eindeutig. Während beispielsweise eine Forschergruppe (Kupfer und Kollegen, 1973) bei Marijuana-Konsumenten Anzeichen für eine verminderte Motivation und schlechtere Studienleistungen feststellte, verzeichnete eine andere (Mellinger 1978) bei ihnen bessere Studienleistungen als bei Nicht-Konsumenten. In Feldstudien mit gewohnheitsmäßigen starken Cannabis-Konsumenten in Gesellschaften mit einer langen Tradition des Konsums wie etwa in Costa Rica und Jamaika gelang es nicht, die Existenz des Amotivationssyndroms nachzuweisen.
In den achtziger Jahren wurden zwei kontrollierte Studien zum Amotivationssyndrom durchgeführt. So beobachteten Halikas und seine Kollegen 97 gewohnheitsmäßige Cannabis-Konsumenten über einen Zeitraum von sechs bis acht Jahren und befragten sie auch zu möglichen Symptomen eines Amotivationssyndroms. Sie fanden nur drei Teilnehmer, die jemals eine Häufung dieser Symptome erlebt hatten. Ein anderer Wissenschaftler befragte 237 Sportstudenten, die regelmäßig, gelegentlich oder nie Cannabis konsumieren, hinsichtlich der Häufigkeit des amotivationalen Syndroms. Bei 5,6 Prozent der gewohnheitsmäßigen Cannabis-Konsumenten und 6,2 Prozent der Nicht-Konsumenten stellte er die Symptome eines solchen Syndroms fest.
In einer umfangreichen australischen Untersuchung zu den Auswirkungen des Cannabis-Konsums heißt es: „Die Belege für ein amotivationales Syndrom unter Erwachsenen sind bestenfalls zweifelhaft. Die positiven Belege bestehen weitgehend aus Fallgeschichten und Beobachtungsberichten. Die kleine Zahl an kontrollierten Feld- und Laborstudien haben keine zwingenden Belege für ein solches Syndrom gefunden . . . Es ist trotzdem vernünftig zu folgern, dass falls ein solches Syndrom existiert, es relativ selten auftritt, selbst unter starken, chronischen Konsumenten“" (Hall, 1994, Seite 105).
Es erscheint jedoch möglich, dass jugendliche Cannabis-Konsumenten und starke Konsumenten häufiger mit Motivationsproblemen zu tun haben. So heißt es in der Schlussfolgerung einer sehr umfangreichen Studie aus Neuseeland aus dem Jahre 2003, bei der 1.265 Personen von ihrer Geburt bis zum 25. Lebensjahr in regelmäßigen Abständen untersucht und zu verschiedenen Themen befragt worden waren: „Die Ergebnisse unterstützen die Ansicht, dass Cannabis zu einer Verminderung der Ausbildungsleistung bei jungen Menschen führt. Es ist wahrscheinlich, dass dies die Wirkungen des sozialen Kontextes reflektiert, innerhalb dessen Cannabis konsumiert wird, und nicht eine direkte Wirkung von Cannabis auf die kognitive Leistungsfähigkeit oder Motivation“ (Fergusson, 2003).
Dr. med. Franjo Grotenhermen


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