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Bum Bum und ein bisschen mehr
Das Geheimnis wie man auf Techno kiffen kann
(pub. maerz 2003)
Publiziert am: 03.03.03 - Medienformen: Medienform Text



„Techno wird als ehrlich bezeichnet. Mit Techno gibt es kein Versprechen für die Zukunft, sondern ein Gefühl der Befreiung im Hier und Jetzt.“ (Rösing 2001)
House, Trance, Goa, Ambient, Progressive... Techno ist eine Spielwiese für verschiedenste Formen elektronischer Musik. Dieses Phänomen hat seinen Ursprung im Plattenauflegen auf Partys. Das erklärt sich so: Um ein zusammenhängendes Set darbieten zu können, hat es sich eingependelt die einzelnen Stücke zur besseren Mixbarkeit in selten gebrochenem vier-viertel Takt und einer (je nach Stilrichtung) relativ einheitlichen Geschwindigkeit zu produzieren. Die Vielfalt, die Techno beinhaltet, basiert eher auf über den Rhythmus gelegten Klangflächen und Melodien. Die müssen sich auch nicht in das gegebene Zeitmaß einfügen. Techno verstand sich von Anfang an als reine Tanzmusik, die ihr Potential während der Darbietung in der Diskothek entfaltet.
Die Frage nach den Wurzeln wird strittig diskutiert. Erste Anfänge der computererzeugten, rhythmusbetonten Musik finden sich schon bei Kraftwerk. Ein weiterer Kristallisationspunkt waren die schwulen Warehouse-Partys in Detroit. Anfang der achtziger Jahre brachten diese das recht harmonische House hervor. Durch den Einsatz technischer Neuigkeiten, wie dem Roland-Synthesizer TB303, wurde House zum abstrakteren „knarzigen“ Acid-House. Über Partybesucher auf Ibiza gelangte es nach England und begann von dort aus ganz Europa zu infizieren.
Die Technokultur entwickelte sich zu einer zahlenmäßig mächtigen, hauptsächlich heterosexuellen Jugendbewegung. Das unpolitische und friedliche Ambiente der Partys begeisterte viele Jugendliche, die ab dann ihr Heil in dieser gegenwartsorientierten Genusskultur suchten. Die Begeisterung, der inzwischen Asien ebenso wie Europa erlegen sind, hat es nicht in dem Maß geschafft, ihren Weg in die Vereinigten Staaten zurückzufinden. Denn gerade der geschichtliche Hintergrund von Techno als schwule Subkultur schürt viele Vorurteile ,und schreckt Interessenten häufig ab.
Die Droge Nummer eins des Technovolkes ist ganz klar Ecstasy. Aber auch Speed und LSD werden rege konsumiert. Und genau das hat dem Techno zahlreiche Gegner im Bereich der Presse, Politik und vor allem Elternschaft eingebrockt. Die Folge: Repressionen. In Großbritannien existiert noch heute ein Gesetz, dass das Tanzen auf öffentlichen Plätzen verbietet. Nicht nur Ecstasy und Speed bescheren der Technogemeinde den Ruf, maßlos konsumbereit zu sein. Das Ravervolk kifft und das nicht wenig. Die vielleicht einigen bekannte Wirkung von THC hat auch in der elektronischen Partyszene ihren Platz gefunden. Entgegen der vorherrschenden Meinung, dass auf Technoparties hauptsächlich Ecstasy ringeknallt wird, ist Marihuana immer noch die von den meisten konsumierte illegale Substanz (Quelle: BZgA 1997).
Über den Zusammenhang von Partydrogen und Techno meinte Sven, ein Freund elektronischer Musik, einmal: „Techno unter Einfluss von chemischen oder natürlichen Rauschmitteln zu hören, ist ein unglaubliches Erlebnis. Das Zusammenspiel von Sound und Droge euphorisiert und ermöglicht eine erstaunlich intensive Hingabe an die Musik. Gerade die oft kritisierte Monotonie lässt dabei die Zeit schnell vergessen.“
Die modernste Geschichte dieser Partykultur spielt auch in Deutschland. Anfangs noch von belgischen und englischen Tracks inspiriert, fand sich vor allem in Frankfurt eine große Anhängerschaft. Durch ihr kreatives Potential wurde sie zum Selbstläufer und brachte mit Sven Väth den ersten Star-DJ hervor.
Die elektronischen Musikstile waren schnell kaum mehr zu überblicken. Techno schlich sich ins Leben der Normalbürger und wurde zum Mainstream. Zahlreiche Pop-Produzenten erkannten das Potential dieser Richtung: Die Anzahl elektronisch beeinflusster Stücke in den Charts stieg. House wurde in Supermärkten gespielt und die technoide Ästhetik der Flyer für Werbespots und Anzeigen benutzt. Die Love Parade wuchs von einem kleinen anarchischen Szenetreff zum international beachteten Wirtschaftsfaktor. Im Zuge dieses Ausverkaufs musste die Technokultur zahlreiche Mechanismen der Abgrenzung entwickeln, um als Identifikationsobjekt erfolgreich zu bleiben. So ist zum Beispiel die strikte Türpolitik, die nur noch einhundertprozentig zu dieser Party passendes Publikum zulässt (und schon so manchem von uns sein Selbstbewusstsein geraubt hat), eine relativ neue Erfindung, die keineswegs dem Geist der angeblich so offenen und toleranten Technoszene entspricht.
Als weitere Abgrenzung differenziert sich die Spielart Clubkultur vom überlaufenen Kirmestechno. Ihre verhältnismäßig wenigen Mitglieder verteilen sich auf viele kleine Locations und durch ihren Anspruch an Innovativität ist sie äußerst schnelllebig. Deshalb misslingt der Unterhaltungsindustrie meist die zeitgemäße Vermarktung. Sie kann sich somit rühmen, eine Subkultur ohne Stars zu sein. Das belebt die gemeinschaftliche Atmosphäre, die für Techno einst typisch war. Techno hat also nicht nur eine kommerziell erfolgreiche Oberfläche, sondern auch einen lebendigen kreativen Untergrund. Hoffen wir, dass das so bleibt!



Martin Schwarzbeck
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