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Wein und Haschisch
Charles Baudelaire: Die künstlichen Paradiese
(pub. maerz 2003)
Publiziert am: 03.03.03 - Medienformen: Medienform Text


Charles Baudelaire. Sein Buch von den Blumen des Bösen gehört mit zum Besten, was die französische Lyrik zu bieten hat. Dabei war es nicht die traumtänzerische Eleganz seiner Verse, nicht seine Wort- und Sprachgewalt und nicht die abgrundtiefe Auslotung menschlicher Seelenängste die ihn berühmt machten, sondern der Skandal. Brave Bürger, verknöcherten Herzens, sahen in ihm den finsteren Pornographen, und nur diesen. 1857 erschien dieser gewaltige Gedichtzyklus. Im gleichen Jahr noch verurteilte ein Pariser Gericht den Autor zu einer satten Geldstrafe und zur Ausmerzung von sechs Gedichten. Ein Urteil, das pikanterweise erst 1949, also fast ein Jahrhundert später, förmlich aufgehoben wurde.
Baudelaire war aber nicht nur ein großer Erotomane und ein genialer Lyriker, sondern auch ein stilsicherer Prosaschreiber. Er war ein kritischer Theoretiker, übte sich als Übersetzer, unter anderem von E.A.Poe, schrieb Aufsätze über Malerei und Literatur, Tagebücher und Aphorismen, und eben auch Die künstlichen Paradiese.
„Vom Wein und vom Haschisch“ heißt denn auch bezeichnenderweise das erste Kapitel, „Das Gedicht vom Haschisch“ ein anderes. Das Thema an sich war damals nicht einmal besonders originell. Seit der Jahrhundertwende erschienen Reihenweise Bücher, die sich mit Drogen und Rauschzuständen beschäftigten. Seit der Veröffentlichung von Joseph von Hammers Geschichte der Assassinen im Jahre 1818 war es eines der großen Modethemen in ganz Europa. Baudelaires Verdienst aber ist es, als erster die poetische Form seinem Thema angepaßt zu haben.
Das erste Kapitel der Künstlichen Paradiese ist noch reiner Bericht. Im zweiten Teil wird der Text dann zusehends poetischer, komplexer, vielschichtiger. Denn sein Verhältnis zu der Droge bleibt durchaus ambivalent. In einem Atemzug lobt er die Fähigkeiten von Haschisch das Denken leicht zu machen und den Geist zu beflügeln und warnt doch gleichzeitig vor der Gefährlichkeit und Heimtücke seiner Wirkung. Sein kunstvoll konstruierter Text wird dadurch aber nicht widersprüchlicher sondern glaubwürdiger. Baudelaire bleibt immer Manns genug, mit den Abgründen seiner eigenen Seele spielen zu können.
Kein Wunder, daß er, um den Horizont seines eigenen Buches zu erweitern, noch ein langes Kapitel über Thomas de Quincey anhängt und so in einen Dialog mit dem englischen Opiumesser tritt, der seiner Droge so viel verdankte, zum Guten wie zum Schlechten.

Pol Sax
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