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DJ Friction - Wenn der Soul ganz sonic wird
(Pub. Maerz 2004)
Publiziert am: 09.03.04 - Medienformen: Medienform Text


Zwei Minuten zu spät erscheine ich zum Interviewtermin bei Four Music, doch Martin Welzer alias DJ Friction hängt genauso relaxt auf der Couch wie die ganzen goldenen Schallplatten an der Wand. So werden erstmal Pizza, Nudeln und Salat beim Italiener bestellt, man schnappt sich eine Cola und gesellt sich in den Nebenraum. Eine gute halbe Stunde bleibt mir Zeit, einen Einblick in die DJ-Figur Friction und sein neues Album zu bekommen. Viel zu kurz, da der Mann ein sehr angenehmer Gesprächspartner ist, der darüber hinaus auch viel Interessantes zu erzählen hat. Zuallererst möchte ich natürlich wissen, was es mit dem neuen Albumtitel auf sich hat, da ich damit in erster Linie Africa Bambaataa’s Kult-Projekt „The Soul Sonic Force“ assoziiere.

 

„Ich wollte einen Begriff finden, der das Warme und Alte, also „Soul“, mit dem Modernen und Elektronischen, für was dieser futuristische Ausdruck „Sonic“ steht, verbindet. Und das beschreibt genau das, was man auf dem Album zu hören bekommt.“ - Doch bevor wir weiter über sein neuestes Werk sprechen, will ich die Uhr etwas zurückdrehen und ein bisschen die Vergangenheit aufarbeiten. So erzählt mir Martin etwas von der musikalischen Entstehungsgeschichte in Stuttgart, das bis Anfang der Neunziger ja ein ziemlich unbeschriebenes Blatt auf der Landkarte Deutschlands war. Erst zum Jahreswechsel 1995/96 wurde mit Four Music eine Plattform geschaffen, die es Künstlern wie Friction ermöglichte sich zu verwirklichen.

 

Doch wie kam Friction eigentlich zur Musik? Anfang der Achtziger hörte er die ersten Platten von Kurtis Blow, Grandmaster Flash und natürlich „Rappers Delight“. „Wildstyle“ lief als Dokumentationsfilm im deutschen Fernsehen und die so genannten vier Säulen - Graffiti, Breakdance, MCing & DJing - hinterließen bei ihm einen tiefen Eindruck. „Ich bin immer mehr dahintergekommen, dass mich am meisten die Musik interessiert, die von Afro-Amerikanern gemacht wird. Ich habe festgestellt, dass alles was ich gehört habe, „Blackmusic“ war.“

 

Bewusst angefangen Platten zu sammeln hat DJ Friction 1985, als Disco und Garage gerade zu House fusionierten. Doch dann wandte sich Friction immer mehr dem Mixing von HipHop-Platten zu. Die Eintrittskarte in Stuttgarter Clubs löste er sich quasi mit seinem Musikverständnis und viel Fleiß, als er 1990 die Baden-Württembergische DMC-Meisterschaft gewann. Von Michi Beck („Die Fantastischen Vier“) übernahm er einen regelmäßigen HipHop-Abend in einem der damals bekanntesten Clubs der Landeshauptstadt, welcher in der Nacht auch der erste Treffpunkt der Leute wurde, die sich später inklusive Friction zur „Kolchose“ zusammenschlossen.

 

Kurz darauf wurde ihm von seinem Partner und MC, mit dem er die Formation Raw Diamenz gründete, der Name „Friction“ verpasst. Und „Friction“, englisch für Reibung, könnte für sein Schaffen als DJ und Produzent kaum besser gewählt sein. Nachdem er sämtliche Stuttgarter mit Beats versorgte, experimentierte er selbst auch mit anderen Stilen. So erschien im Jungle-Jahr 1995 auf East West „I feel Good“ von James Brown im Breakbeat-Gewand, was auch auf britischen Dancefloors einschlug. Und zusammen mit Don Philippe (Freundeskreis) und Thommy Wittinger entstand 1998 unter dem Projektnamen „DJ FK“ die astreine Electro-Nummer „Rock the most“ (Four Music).

 

Nach zwei Studio-LPs, einem Live-Album und zwei goldenen Schallplatten mit „Freundeskreis“ veröffentlichte DJ Friction im Jahre 2000 mit dem puren HipHop-Album „Science Friction“ (East West) sein Solo-Debüt. Auf seinem zweiten Long Player gelang es ihm 2002, ein Album voller eigenständiger Tracks zu produzieren, die weit über das übliche Instrumtental-Beats-Schema hinaus gingen. Hier wurden Elemente der letzten 25 Jahre DJ-Culture durch Electro-Funk, Big Beats und Uptempo-Breaks in einen frischen und modernen Kontext gebracht. Da das Album von Reibung und Spannung lebte, lag es nahe, das Album „Friction“ (Four Music) zu betiteln.

 

Das aktuelle Album „Soul Sonic“ hat dagegen wieder mehr einen souligen Background, wobei die Stimmen „nur“ als Ergänzung dienen und seine Songs ausschmücken. „Ich denke, dass eine LP mit fast ausschließlich Songs für den Hörer zugänglicher ist, als eine Anhäufung von DJ-Tools, die zwar ein paar andere DJs cool finden, aber der Rest damit nichts groß anfangen kann.“ - So wurden aus ganz Deutschland Rapper, Sänger und Sängerinnen ins Studio geladen. Und neben dem wohl schon bekannten MC Ty bringen sich auch Manu von Manumatei, der die erste gecoverte Single „Could Heaven Ever Be Like This“ (im Original 1977 von Idris Muhammad) singt, die Stuttgarter Sänger Anthony und Fetsum, die Hamburgerin Öslem, die Münchner Reggaekünstler Jahcoustix und Caramello, der 60-jährige Berliner Bluessänger Wayne Martin, der Stuttgarter Rapper Pi Suave und Freestyle von den Arsonists mit Gesang und Raps im Sinne des Sounddesigners Friction mit ein.

 

Neben drei HipHop-Tracks stehen die anderen Stücke überwiegend im schnellen Disco-Electro-Funk und rootigem House-Kontext. „Nasty U“ ist durch seine Breakbeats und den souligen Gesang von Fetsum einer meiner absoluten Lieblingstracks. „Visions Of A Lady“ dagegen ist ein organisches Downtempo-Stück zum Relaxen und Träumen. „The Way You Dance“ kommt wieder sehr funky daher und groovt mit warmen Bassläufen, Vocoderstimmen und einem 1A-Electro-Boogie-Vibe. Wayne Martin lässt seine tiefe Bluesstimme sowohl auf dem schnellen, Jestofunk-artigen „It Ain’t Nothin’“ als auch auf dem melancholischen Stück „What You Need“ vibrieren. Mein „Soul Sonic“-Highlight ist „Sweetest Thang“, ein Oberklopfer von Friction & Özlem, die mich mit ihrer Stimme ins Jahr 1984 beamt, als Shannon ihr unvergessliches „Let The Music Play“ sang.

 

„Wenn ich versuchen müsste, meinen aktuellen DJ-Stil zu beschreiben, würde ich sagen, dass es ein Mix-Up aus 70s-/80s-Disco-Funk-Nummern ist, mit neuen und frischen Retro-Sachen kombiniert, die sich auf diesen Background beziehen und modernen elektronischen Stücken, die in diesen Zusammenhang reinpassen, und ein geringer Anteil an R’n’B & HipHop. Sprich, mein Set hat sich verlagert auf up-tempo-lastigen und clubbigen Sound.“ - Wer sich von dieser Aussage live überzeugen will und nicht genug vom Album, das am 1. März erscheint, bekommt, geht am 5. März ins Berliner „Watergate“, wenn Friction gemeinsam mit DJ Thomilla an den Turntables den Laden auseinander nimmt. Ich jedenfalls werde dort sein!

 

www.djfriction.com

www.fourmusic.com 

Interview & Text : Roland Grieshammer


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