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Aus dem Blechnapf gefressen
Hans Fallada: Sachlicher Bericht über das Glück, ein Morphinist zu sein.
(pub mai 2003)
Publiziert am: 07.05.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal mai03 artikel Aus dem Blechnapf gefressen

Ein Träumer. Einer, der an der harten Wirklichkeit zu zerbrechen droht. Als Gymnasiast plant er zusammen mit einem Mitschüler den gemeinsamen Selbstmord. Der Freund stirbt in einem fingierten Duell, er selbst überlebt schwer verwundet. Haftbefehl und gerichtliche Untersuchung sind die Folge, 1912 weist man ihn in die sächsische Nervenheilanstalt Tannenfeld ein. Da ist er gerade mal achtzehn Jahre alt.
Wilhelm Ditzen stammt aus gutbürgerlichem Hause, sein Vater kommt aus einer alteingesessenen Juristenfamilie, die Mutter aus dem Pastorenmilieu. Eine Landwirtschaftslehre macht ihn zum Kartoffelexperten, in den Hungerjahren nach dem ersten Weltkrieg hilft ihm das nicht unwesentlich bei seinen Schwarzmarktschiebereien. Schließlich wird er Gutsbeamter in Pommern. Da aber ist er bereits schwer morphiumabhängig. Und weil er für seine Sucht viel Geld braucht, mehr Geld als er hat, fälscht er die Bücher. Am 26.März 1926 wird er wegen Unterschlagung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hofft, daß ihn der lange Gefängnisaufenthalt wenigstens von seiner Sucht befreien wird.
Und er stürzt sich in die Arbeit. 1930 zieht er nach Berlin und in den nächsten 17 Jahren wird er gut 5.000 Druckseiten zusammen schreiben. Da hat er längst schon sein Pseudonym, für das die Märchen der Gebrüder Grimm Pate standen: Hans (im Glück) und Fallada (da du hangest). Der weltfremde Glückspilz, der sein Gold wegtauscht bis ihm am Ende nichts mehr bleibt, und das Pferd, das die Wahrheit spricht. Keine schlechte Wahl für einen wie Ditzen
Vor allem aber: er verdient Geld. Kleiner Mann – was nun? wird zum Bestseller und so populär, daß ihn die Nazis, die ein Jahr später das Reich regieren, auf Grund einer Denunziation zwar festnehmen, bald aber wieder laufen lassen. Fallada aber wird sich, zumindest in seinen Büchern, ein Leben lang treu bleiben. Er erzählt Geschichten vom kleinen Mann, von seinen Sorgen und Ängsten, von wirtschaftlicher Not, vom Suff und vom Knast. Wer einmal aus dem Blechnapf frißt – der Titel des 1933 entstandenen Gefängnisromans klingt wie ein Programm: da schreibt einer für die da unten, der dazu gehört. Der sich nicht verbiegen läßt. Auch wenn ihn seine Sucht längst wieder eingeholt hat.
Kurz nach dem Krieg wird er Bürgermeister einer kleinen Gemeinde im Mecklenburgischen. Die Russen haben ihm dieses Amt mehr oder weniger aufgedrängt, weil er über den Verdacht erhaben ist ein Nazisympathisant gewesen zu sein. Für seine längst angeschlagene Gesundheit ist so ein Amt in diesen schwierigen Zeiten zuviel. 1947, im Februar, stirbt er in Ost-Berin.




Wenn Literatur nicht bei denen bleibt, die unten sind,
kann sie gleich als Party-Service anheuern.
Jörg Fauser


Sachlicher Bericht über das Glück, ein Morphinist zu sein
in:
Fallada,Hans:
Drei Jahre kein Mensch
Aufbau-Verlag
(antiquarisch unter: www.zvab.de)
Pol Sax
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