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Gibt es genug Lust?
Zum Tode von R.W.Leonhardt+
(pub. mai 2003)
Publiziert am: 07.05.03 - Medienformen: Medienform Text


Er war auf vielen Gebieten zu Hause. Das mag an seinem Lebenslauf gelegen haben. Als Sohn eines sächsischen Vaters und einer französischen Mutter war er zum Kosmopoliten prädestiniert. Daß er als junger Pilot in der Luftwaffe des Reichsmarschall Göring zweimal abgeschossen wurde, wird seinem Hang zum Abenteurertum durchaus förderlich gewesen sein. Das Studium der Literaturwissenschaft bei Curtius, das ihm nach dem Krieg eine Dozentenstelle in Cambridge brachte, bildete ihn zum Weltbürger. Reisen gehörte zu seinen großen Leidenschaften. Genau so wie gutes Essen und leichte Weine, denn der leidenschaftliche Raucher Rudolf Walter Leonhardt war eben auch ein Genußmensch. Und ein Arbeitstier. Er bewältigte ein Riesenpensum an Schreibarbeit, sei es als Feuilletonist oder als Buchautor. 1953 kam er zur ZEIT, deren Feuilleton-Chef er vier Jahre später wurde. Adenauer war dabei die Bundesrepublik „wiederzubewaffnen“, Minister Strauß konnte seiner Lust auf Korruption ungestört fröhnen und so mancher alte Nazi gelangte mit seinem neuen CDU-Parteibuch wieder zu Amt und Würden: die junge Republik war eifrig bei dem, was man später „Restauration“ nennen sollte. Da gab es nur wenige Gegenstimmen und sie wurden nicht gerne gehört. Leonhardt sorgte dafür, daß auch sie ihr Forum erhielten.
1961 landete er mit „X-mal Deutschland“ einen Bestseller, 1964 berichtete er in seiner „Reise in ein fernes Land“ aus der DDR. Er war ein eigenwilliger Kopf, und so hatte er auch immer eine eigene Meinung. Aus Ärger über eine verfehlte Politik die sich verlogener Argumente bediente, veröffentlichte er 1970 den „Haschisch-Report“, in dem er Auszüge aus den wichtigsten wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema veröffentlichte. Gleichsam als Vorwort stellte er diesen Texten 70 Seiten eigener Erfahrungen und Kommentare voran.
Er setzte sich resolut für die Legalisierung von Marihuana ein und fragte seine Leser rhetorisch: „Es gäbe, sagen Sie, wahrhaftig schon genug Laster – warum noch ein weiteres zulassen?
Gegenfrage: gibt es auch genug Lust?“
Und besorgten Eltern antwortete er: „Die Frage, ob ich denn wolle, daß unsere Kinder sich aus der Wirklichkeit in Pot-Träume flüchten, verlangt doch wohl nach der Gegenfrage: ob Sie denn wollen, daß unsere Kinder dafür 25 Jahre ins Gefängnis gehen?“
Er war eben realistisch genug zu sehen, daß das ewige Gejammer über den Drogenkonsum junger Menschen weniger der realen Sorge um ihre Gesundheit entsprang, als vielmehr dem gesellschaftlichen Mißtrauen gegenüber einer - im Gegensatz etwa zum allgemein akzeptierten Rauschmittel Alkohol – nicht mehrheitsfähigen Droge. „In einer modernen Industriegesellschaft mit ihrem dauernden Zwang zu funktionieren, so schrieb er, wirkt der Rausch als ein störender Fremdling.“ Dem Humanisten Rudolf Walter Leonhardt konnte eine solche Mißachtung der wahren menschlichen Natur nur mißfallen. Am Sonntag, dem 30.März, ist er 82-jährig gestorben.


Pol Sax
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