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Kleine Kunstgeschichte für Konsumenten
(Pub. Mai 2004)
Publiziert am: 04.05.04 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal mai04 artikel Kleine Kunstgeschichte für Konsumenten

Wer von euch stand noch nicht verplant vor einem Bild, das er ebenso in sich aufgesogen hat wie den letzten Joint? Warst du schon mal bekifft im Museum und hast dich von den Perspektiven eines M. C. Escher-Bildes an der Nase herumführen lassen? Schon mal versuchtmit deiner künstlerischen Ader einen Knetklumpen so zu formen, dass sich die eben gehörte Musik in ihm visuell darstellt? Ja? Dann gehörst du wohl auch zu denen, die finden, dass die Sensibilität für Formen, Farbe, Konsistenz, etc. unter dem Einfluss von Cannabis zunimmt. Seltsamerweise haben viele der berühmten Künstler unter Drogeneinfluss ihre Werke geschaffen, man denke nur an van Gogh, Warhol, Hendrix, etc. Diese nicht ganz neue Erkenntnis verleitet zu einer Betrachtung von Künstlern aus unserer besonderen Interessenperspektive. Hier sollen Informationen oder Denkanstöße zu evt. anstehenden Diskussions-, Philosophierrunden oder ähnlichem gegeben werden. Anlässlich des 100. Geburtstags am 11. Mai diesen Monat bei uns Programm: Dalí.

Der als Salvador Felipe Jacinto Dalí y Domenech 1904 in Figueras geborene Katalane fand mindestens ebenso viele künstlerische Ausdrucksformen wie er Namen trug. Mit dieser Vielseitigkeit erinnert er ein wenig an einen Renaissancekünstler, den „homo universale“. Neben der Herstellung von Schmuck, Objekten, Zeichnungen, Gemälden widmete er sich dem Ballet, dem Film und betätigte sich als Literat. Die Naturwissenschaft sollte bei ihm allerdings ganz im Hintergrund bleiben. Dalí ist eher als „homo ludens“, derMensch, der spielt, zu begreifen. Sein gesamtes öffentliches und privates Verhalten ist davon bestimmt. Der Begriff des „homo ludens“ geht auf den Kunsthistoriker Huizingra zurück, der all den vielseitigen menschlichen Handlungen die spielerische Tätigkeit zugrunde legt. Ständig muss Dalí provozieren und parodieren, moralische Verantwortungslosigkeit wird gefolgt von geistreichem, intelligentem Humor. Eine ebensolche Zweischneidigkeit ist in seinen Bildern zu finden, bei denen das Ungeheuerliche und Widernatürliche in pedantischer Detailverliebtheit dargestellt ist. Auch seine Bildtitel lesen sich mit Schmunzeln sowie mit in Erstaunen und Gedankenverlorenheit versetzender Ehrfurcht. „Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Aufwachen“(1944) oder derungekürzte „Brot und Eier“-Titel von 1938: „Mittelgroßes französisches Brot mit zwei Spiegeleiern ohne Pfanne, aufsitzend, im Begriff, ein Stück portugiesisches Brot zu sodomisieren“. Da wird die Bildbeschreibung überflüssig.

Berühmt wurde Salvador Dalí als Mitglied der Künstlergruppe der Surrealisten, dessen Kopf, der Schriftsteller André Breton, Folgendes schreibt: „Der Surrealismus beruht auf dem Glauben an die höhere Wirklichkeit gewisser bislang unbeachteter Assoziationsformen, dem Glauben an die Allgewalt des Traumes und das von aller Zweckhaftigkeit gelöste Spiel des Denkens. Er will alle anderen psychischen Mechanismen endgültig überwinden und ihren Platz bei der Lösung der wichtigsten Lebensprobleme einnehmen.“ An die Lehren der Psychoanalyse anknüpfend, betonten die Surrealisten die Bedeutung des Unbewussten, der Halluzination, des Traumes und des Rausches, um an die Ganzheit der menschlichen Existenz zu kommen. Die Vernunft wird übergangen, der Surrealist gibt direkt wieder, was die Eingebung ihm diktiert. Die Anarchie wird zum Prinzip.

„Der Unterschied zwischen mir und den Surrealisten ist der, dass ich Surrealist bin“, sagt Dalí selbstverliebt (siehe Bild). Unglücklicherweise gehört auch Dalí zu denen Künstlern, die mit steigendem Erfolg mit guten Werken zurückhaltender wurden. Mit Hilfe seiner Frau Gala, die es verstand ihn zu managen, gelang ihm noch zu Lebzeiten der große Durchbruch, obwohl er aufgrund seiner reaktionären, rückschrittlichen Tendenzen bezüglich des spanischen Bürgerkriegs, des inquisitorischen Katholizismus und des Naziregimes nicht immer unumstritten war.

Zitate von Salvador Dalí

Unter „Metamorphose des Narziss“

„Mit drei Jahren wollte ich Koch werden, mit fünf Jahren wollte ich Napoleon sein. Seitdem ist mein Ehrgeiz nicht geringer geworden, denn jetzt heißt das, was ich anstrebe, Salvador Dalí.“

Unter „Die Beständigkeit der Erinnerung“ (auch: „Die zerrinnende Zeit“; „Die weichen Uhren“)

„Weiche Uhren: Sie sind nichts anderes als der paranoisch-kritische, zärtliche, extravagante und von Zeit und Raum verlassene Camembert.“

Raoul Roßmann


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