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Hanf Journal on tour: `t Rotterdammertje @ Doetinchem
- Ein Kleinod an der Grenze
(Pub. Mai 2004)
Publiziert am: 04.05.04 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal mai04 artikel Hanf Journal im Land der Wohnwagen spezial`t Rotterdammertje @ Doetinchem Ein Kleinod an der Grenze

Wir kommen im `t Rotterdammertje gegen Mittag an. Eigentlich waren wir viel zu früh, aber ein ausgiebiges Mittagessen und eine Raucherpause haben uns über die Zeit gerettet. Der Laden ist leer um diese Zeit, denn die Jungs vom `t Rotterdammer öffnen extra für uns eine Stunde früher. In einer der großzügigen Couchecken lümmeln sie sich, ihre Business-Materialien (Handy, Timer und was man halt sonst noch so braucht) vor sich ausgebreitet. Das Ganze wirkt in dem aufgeräumten Ambiente eher wie eine wichtige Geschäftssitzung als wie ein Treffen mit den Machern eines grenznahen Coffee Shop. Ganz dem ersten Eindruck nach geht es dann auch weiter: die Macher des `t Rotterdammertje legen viel Wert auf Seriosität.

Auf die Einhaltung der goldenen Regeln des niederländischen Coffe Shop-Gewerbes wird zum Beispiel stark geachtet. Auf internationalen Druck entstanden nämlich die Vorgaben, niemals mehr als fünf Gramm pro Tag und Kunde zu verkaufen, niemals mehr als 500 Gramm im Laden zu haben und auf alle Fälle drauf zu achten, dass die Kunden älter als 18 Jahre sind. Diese werden im ´t Rotterdammertje auch penibel eingehalten, denn wie gesagt, man setzt auf Seriosität.

Teil dieser Strategie, bei der zwar strikte Regeln herrschen, der Kunde sich aber immer sicher sein kann, dass auch gewissenhaft mit ihm umgegangen wird, ist auch das öffentliche Abwiegen. Hat man sich einmal in der kleinen Verkaufskabine im hinteren Teil des Ladens eingefunden, kann man dem diensthabenden Mitarbeiter bei seiner Arbeit direkt über die Schulter gucken. So geht man auf alle Fälle sicher, dass man auch das kriegt, wofür man bezahlt. Der nächste Kunde wartet in einigem Abstand vor der Kabine, man kommt sich vor wie am Bankschalter.

Und, apropos Bankschalter: Man kann hier an der Theke tatsächlich auch mit EC- oder Kredit-Karte zahlen. Und keine Angst, auf den Kontoauszügen erscheint dann auch nur ganz diskret der Name des Shops. Keine Sorten oder Mengenangaben!

Wer übrigens Kif vom Arzt verschrieben bekommt (das wird unseren deutschen Lesern wohl leider nicht so schnell passieren) bekommt mit seinem Rezept Rabatt an der Theke.

Einen solchen Shop in Zeiten wie diesen zu eröffnen ist nicht leicht. Man muss knallharter Geschäftsmann sein, um dieses Business in Holland unserer Tage betreiben zu können. Denn die Genehmigung zu erhalten einen Coffee Shop zu betreiben ist heutzutage schwerer denn je. Eigentlich bekommt sie niemand mehr. Und einen Coffee Shop zu verkaufen ist ausdrücklich nicht erlaubt. Das heißt, jeder Besitzer der aus dem Geschäft scheidet, nimmt seinen Shop mit ins Grab. „Die derzeitige Regierung versucht die Coffee Shops aussterben zu lassen. Aber das sind nur die Konservativen, wenn die Linken wieder an die Macht kommt gibt es im nächsten Millenium noch Coffee Shops.“ Erklären uns die Macher des schnieken Ladens. Und wie sind sie dann trotzdem daran gekommen? „Das ist reine Politik, wir haben zwei Jahre Vorbereitungszeit gebraucht um die nötigen Genehmigungen zu bekommen und uns mit den verschiedenen Interessengruppen, die wir tangieren könnten, abzusprechen.“

Als Teil einer solchen Absprache entstanden auch die relativ späten Öffnungszeiten. Unter der Woche macht der Laden erst um 17 Uhr auf. Das muss so sein, damit nicht die Schüler der 300 Meter entfernten Schule während der Unterrichtszeit dort einkaufen gehen können. Dafür kann man dann aber auch bis Mitternacht dort rumhängen. Und am Wochenende öffnen sie auch schon um 12 Uhr und machen dann ebenfalls bis 24 Uhr auf.

Öffnen konnte der Shop aufgrund lauter solcher Scherereien auch erst letzten November. Dafür haben die Macher die lange Vorbereitungszeit aber ausgiebig genutzt. Das Interieur ist, wie schon gesagt, allererste Sahne. „Der Umbau schafft einen Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Vorher war alles total verrottet.“ So ein Gast.

Wer jemals gerne in einem amerikanischen Gangsterfilm der 50er-Jahre abgehangen hätte, der ist hier genau richtig. Man erwartet geradezu, dass in der nächsten Sekunde ein Typ mit einem dieser gangstermäßigen Maschinengewehre um die Ecke springt und abdrückt. Dunkles Holz, Ledercouches, alles sieht irgendwie nobel aus. Die Einrichtung des Shops erinnert mehr an eine Vier-Sterne-Hotellobby als an ein Drogenfachgeschäft. Der Billardtisch passt da gut dazu. Nervige Plastik-und-Blink-Maschinen wurden dagegen ins obere Stockwerk verbannt. Der Shop zieht sich nämlich über zwei Stockwerke, sodass man sich eigentlich nie Sorgen machen muss, den Abstecher aus Platzmangel umsonst gemacht zu haben. Dafür garantieren auch die 20 Luxussofas, die über beide Stockwerke verteilt sind. Das einzige potenzielle Problem ist die holland-typische Treppe, die von Joint zu Joint immer steiler zu werden scheint.

Das Haus, in dem der Laden untergebracht ist, ist inzwischen 104 Jahre alt (errichtet genau 1900) und war schon immer der Erbauung der Bevölkerung gewidmet. Direkt neben der alten Bürgermeistervilla war es erst jahrelang eine Kneipe, bis dann 1996 ein illegaler Coffee Shop einzog. Wie dass so mit illegalen Coffee Shops ist, musste er 2000 schon wieder schließen und machte Platz für die Eigentümer des `t Rotterdamtjes, die das Haus gleich komplett kauften.

Für die Unterhaltung ist, wie gesagt, mehr als gesorgt: Billard, Kicker (sogar ganze Kickerturniere), Fernsehen, DVD, zahlreiche Daddelmaschinen und natürlich das Hanf Journal stehen bereit um euch die Zeit zu vertreiben. Inzwischen kann man sogar nach ner Bong fragen, auch wenn das in Holland eigentlich „Waterpijp“ heißt. Wer den vollen Service des `t Rotterdamtjes ausnutzen will, kann sogar seine eigenen DVDs mitbringen und auf dem High-Tech-Flatscreen im Shop angucken. Das gibt’s wirklich nicht überall!

Und natürlich kann man hier auch den einen oder anderen Leckerbissen käuflich erwerben. Das pulvermäßige Skuff (vermutlich aus holländischem Qualitätsgras – erste Siebung, erklärt mir Dirk) geht pur etwas blöd zu rauchen, ist sein Geld aber auf alle Fälle wert. Und hey, man kriegt sein Kiff nicht grad alle Tage pulverförmig. Die günstigste Variante im t´Rotterdamtjes Hasch zu kaufen, ist Ketama, was in meiner Sprache „Standardgrüner“ bedeutet. Aber dafür kostet’s auch nur drei Euro! Weed gibt’s von fünf bis sieben Euro, und wenn mein inzwischen leicht benebeltes Urteilsvermögen nicht täuscht, taugen alle Sorten was.

Auch die Preise für Snacks und Getränke sind mehr als moderat.

Als wir bei einem Rundgang an einem Stapel von neun Überwachungsmonitoren vorbeikommen, werden wir anfangs noch etwas kritisch – warum dieser doch gut verhüllte Einblick in die Privatsphäre der Kunden? Doch dann werden wir aufgeklärt: Die Überwachung jedes Raumes ist Pflicht in allen (angemeldeten) Coffee Shops um dem Handel mit harten Drogen vorzubeugen.

OK, da müssen wir durch. Aber es wird doch hoffentlich kein Unsinn mit den gesammelten Daten getrieben? Wir haben nämlich schon von Coffee Shops gehört, die mit der Polizei regen Handel mit den Kennzeichen von deutschen Kunden trieben. „Nein“, zwinkert der Manager des Shops „wir wollen doch, dass die wiederkommen.“

Ja und gerade für deutsche Besucher, die sich nach Überqueren der Grenze mit keinen langen Strecken mehr abquälen wollen, liegt dieser Laden wohl optimal. Von der A3 ist es nur ein Katzensprung. Der Laden liegt auch etwas vor dem Stadtzentrum von Doetinchem, sodass er erstens einfach zu finden ist und zweitens auf alle Fälle genug Parkplätze in der Nähe hat.

 

Und wie es zurück am sichersten über die Grenze geht, erklären euch die netten Menschen vom `t Rotterdamtjes natürlich auch gerne. „Es gibt da so ein paar nette Schleichwege, nicht so überfüllt wie auf der Autobahn“ erklären sie uns.

Und, OK, bevor wir gehen müssen wir eine Frage noch loswerden, das wollten wir schließlich schon immer mal wissen. Wie kommt das Weed denn eigentlich in den Coffee Shop? „Na, das fällt einfach von der Decke, denn vor der Tür von unserem Laden ist es mit der Legalität schon wieder vorbei.“ Grinst er. Tja, ein altes Problem im Staat der Niederlanden: Steuern auf die Gewinne werden zwar erhoben, aber mit der Verkehrsfähigkeit der gehandelten Ware ist es nicht so weit her.

`t Rotterdammertje

Varsseveldseweg 57

Doetinchem (NL)

www.coffeeshop-rotterdammertje.nl


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