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Die Maulhalde: Die Kandidaten
(pub. okt.02)
Publiziert am: 08.10.02 - Medienformen: Medienform Text


„Arbeit! Arbeit! Arbeit!“ skandieren die Kandidaten und fordern den Wähler zum Volkstanz auf den Gemeinplätzen. Aber der Posaunenchor der gepuderten Nasen kommt aus dem Takt, ist taktlos sozusagen, wie soll man dazu tanzen?
Und warum soll man sich tanzend vergnügen, wenn Arbeit noch die letzte gültige Instanz der Sinnstiftung in diesem Lande ist?
Ist es da verwunderlich, daß man angesichts solcher Kinnhaken, die ins Land der Träume befördern, angesichts dieser Phrasen, die auf ihre Tauglichkeit abgeklopft werden, in den Ohrensessel zurücksinkt und nicht einmal mehr gewillt ist, mit einer klappernden Spraydose im Rucksack um den Block zu ziehen und die Parole „Zeit für Taten“ durch ein „16 Jahre gehabt“ zu vervollständigen?
So sitzt man da, sorgsam eingekeilt zwischen seinen politischen Glaubenssätzen und kommt nicht weiter. Freiheit, ja sicher: „Ich bin so frei“, sagt schließlich auch das Reklamefräulein, während es sich eine Scheibe Wurst in den Mund führt - man ist so frei zu naschen von jeder Art Mode. Sicherheit, andererseits, ja freilich: Man zieht den Hut besser tief in die Stirn, damit er nicht von den Windböen der Globalisierung erfaßt und fortgeblasen wird.
Das Zukunftsprogramm in der Endlosschleife: Zwischen Leitplanken hupend ins Gewerbegebiet, zwischen Clustern weitläufiger Parkraummarkierungen kämpfend; Schnellrestaurants, vor denen rot-gelbe Plastikclowns winken, Menüs mit lustigen Kronen aus Papier, die man sich aufsetzt, ohne doch wirklich ein König zu sein. Verschleißerscheinungen eines Alltags, dessen Gleichförmigkeit Wunden schlägt.
Nicht einmal eine Träne möchte man hinauspressen in die Tristesse, eine kleine melancholische Träne, die vage daran erinnert, daß da noch etwas anderes war, abseits von Getränkedosen und Gewerbegebieten, weil man befürchten muß, plötzlich mitten im Fegefeuer eines christlich-sozialen Werteprogramms aufzuwachen.
Und so pilgert man schließlich doch noch in die Kabine, um sich seiner staatsbürgerlichen Pflichten zu entledigen, bewaffnet mit Weib, Kind, Hund und dem Spazierstock der eigenen Meinung.
Die Maulhelden
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