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Literatur und Drogen
(pub. sept.02)
Publiziert am: 16.09.02 - Medienformen: Medienform Text


Eine neue Modedroge überschwemmt Europa. Aus Amerika kommend, verbreitet sie sich rasch. Große Teile der Bevölkerung verfallen einer neuen Sucht. Auch mancher Literat stimmt ein Hochlied auf den Stoff an.
Doch auch warnende Stimmen bleiben nicht aus. Ernst Freiherr von Bibra widmet ihr das erste Kapitel seines Buches über narkotische Genußmittel und der – selbst schwer opiumsüchtige – S.T.Coleridge spricht sogar von einem „höchst bösartigen Stimulansmittel“.
Kein Wunder also, daß Europas Regierungen hellhörig werden. Namhafte Vertreter der katho-lischen Kirche warnen vor der neuartigen Substanz, wie sie ja immer warnen vor allem Neuen, das in ihre Denkschemen nicht so recht passen will. Eine Initiative betroffener Familienangehöriger fordert das Verbot des Stoffes. Die von der gefährlichen Substanz verursachte soziale Erosion scheint zur Bedrohung für das gesamte Gemeinwesen zu werden.

Und zeitgleich überschwemmt eine zweite Droge den europä-ischen Markt. Der deutsche Regierungsvertreter Rusdorff zeigt sich schockiert. Der englische Prinz Charles weist auf die Gefahren des Drogenmißbrauchs hin.
Schließlich werden beide Substanzen verboten. In der Türkei werden die Drogenhäuser bis auf die Grundmauern abgerissen. Der Drogengenuss wird sogar, genau wie in Rußland, mit dem Tode bestraft.

Und trotzdem sind Kaffee und Tabak auf ihrem Siegeszug um die Welt nicht zu bremsen. Und das aus denkbar einfachen Motiven. Denn, auch wenn die europäischen Staats- und Regierungschefs im Kaffee- und Tabakkonsum schon den Untergang des Abendlandes wittern wollen, so merken sie doch, dass sich mit dem Drogen-handel gutes Geld verdienen läßt. Und da man fleißig im Kriegführen ist, herrscht in den Staatskassen meist Ebbe. Aber 1629 hat der französische Premierminister Kardinal Richelieu die eben so einfache wie rettende Idee, eine Tabaksteuer einzurichten. Der Erfolg ist berauschend. In Italien, Österreich und England ziehen die Regierungen nach. Überall entstehen staatliche Tabakmonopole. Und auch Preußens Friedrich I, der Soldatenkönig, fördert nach Kräften den Kaffeekonsum. Zumindest so lange, bis er merkt, daß dadurch die Einnahmen aus der Biersteuer zurück gehen. Doch da ist es längst zu spät.

Die Auseinandersetzungen um die Modedrogen Kaffee, Tee und Tabak sind längst vergessen. Aber so wie die Literaten der Zeit sich damals in die Diskussion einmischten, so taten sie das auch bei anderen Drogen.

Ob Alkohol, Opium, Haschisch oder Kokain: kein Rauschmittel, das nicht in der Weltliteratur seinen künstlerischen Niederschlag gefunden hätte.

Was liegt also näher, als ein kleiner Rückblick auf die Geschichte der Literatur, die auch eine Geschichte des Rausches ist?

Und es ist ein sehr gemischter Chor, der da zustande kommt. Denn die Präferenzen der Einzelnen, aber auch ihre, oft vehement vorgetragenen, Abneigungen, sagen nicht nur einiges aus über die verschiedenen Rausch-mittel. Auch etwas über ihre Konsumenten und die Zeit in der sie lebten, kann man dadurch erfahren.

Eine kleine Kulturgeschichte eben.
Pol Sax
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