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Die Geschichte des Drum & Bass
(Pub. September 2003)
Publiziert am: 02.09.03 - Medienformen: Medienform Text

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Was mittlerweile eine komplexe Mischung aus verschiedenen Einflüssen und Musikstilen darstellt, hatte bescheidene Wurzeln. Die Ursprünge von Drum & Bass, Jungle & Breakbeats sind in den frühen 70-ern bei DJ Kool Herc zu suchen, der einer der ersten war, zwei Exemplare derselben Platte zu benutzen, um die in den Tracks enthaltenen Instrumentalpassagen („breaks“) mithilfe von Plattenspielern und Mischpult loopen zu können.

Wie in den meisten Mythologien gibt es auch bei „Jungle“ die verschiedensten Geschichten über die Herkunft des Namens. So soll es eine Straßengang in Kingston (Jamaika) gegeben haben, die sich „Junglists“ nannte. Und ich denke beispielsweise, dass der Name von einem Club in London stammt, der „Jungle“ hieß und in dem die ersten Experimente mit dieser Musik gespielt wurden.

So oder so, die Bezeichnung wurde von Musikern und dem Publikum angenommen und beschreibt eine Klassifikation der verschiedenen Spezies von Drum'n'Bass. Im historischen Sinne liegen die unmittelbaren Wurzeln von Jungle in der englischen Underground Rave Szene aus den frühen 90-er Jahren, als die monotonen Acid House- und Techno-Klänge durch Hardcore Breakbeats ersetzt wurden. Neben Elementen aus Reggae, Ragga, HipHop, Jazz und Dub sind weitere Einflüsse sozialer und wirtschaftlicher Natur, wie sie in britischen Städten oft vorzufinden sind.

Bei Hardcore Breakbeats wurden mehr und mehr hochgepitchte Sprachsamples sowie Klavierakkorde in die immer schneller werdende Musik integriert. Viele bezeichneten diese Musik als Mickey Mouse-Sounds und prophezeiten das baldige Ende des Genres. So wurde eine komplexere und „verschärfte“ Form der Musik immer populärer: „Darkside“. Sie wurde zu der Underground Music der urbanen Zentren der Großstädte und der jungen Arbeiter-Klasse.

1992 wurde Mannheim zum Geburtsort der deutschen Drum'n'Bass-Szene. Zu einer Zeit als Techno die Nation regierte, wurde das Phänomen Breakbeat ausschließlich in der Kurpfalz zelebriert. Städte wie Köln, Frankfurt oder Berlin zogen, wenn überhaupt, nur mit Verspätung nach. Auf den Planken war das milk! der Ort, an dem jeder sein wollte. Anfangs noch urban and stylish wurde bald die britische Rave-Kultur mit Old School-Sneakers, Adidas-Klamotten, Stüssy-Hüten und Wollmützen gefeiert. Woche für Woche tanzte man hier zu den unendlich mächtigen Bässe der legendären milk!-Anlage bis weit über die Sperrstunde hinaus. An den Decks standen Groover Klein und Bassface Sascha. Letzterer gilt bis heute als der renommierteste Drum'n'Bass-DJ Deutschlands.

In der folgenden Zeit setzte sich in der Szene die Genrebezeichung „Jungle“ immer mehr durch, denn man versuchte, sich wieder von der Öffentlichkeit und den Charts in den Underground zurückzuziehen. Der hauptsächliche Unterschied zu seinem Vorgänger Hardcore bestand darin, dass dieser sich noch mehr an der Regelmäßigkeit des 4/4-Taktes festhält, während Jungle einen geloopten asynchronen Rhythmus besitzt. Die Breakbeats und Drums wurden auf bis zu 170 bpm beschleunigt, während die weich fließende oder energetisch pumpende Bassline und der Gesang oft nur das halbe Tempo hatten.

1993 gründete LTJ Bukem sein Label Good Looking Records. Von dort an gab es einen Split in der Musik. So waren es LTJ's frühe Werke „Demon's Theme“ und „Atlantis“, die die Plattform für das bildeten, was später „Intelligent“ heißen sollte. Für was jedoch Bukem Pionierarbeit geleistet hatte, war eine mehr strukturierte Herangehensweise an die Produktion, bei der weniger Aufmerksamkeit den perkussiven als viel mehr den atmosphärischen Elementen gewidmet wurde. Doch Goldies „Terminator“ und ein Whitelabel mit dem Stempel „Tic Tac Toe“ brachten Drum'n'Bass auf ein neues Level: Die Weißpressung beeindruckte mit einer noch nicht dagewesenen Reife und Goldies Werk überzeugte durch technische Finesse.

1994 war der Höhepunkt von Jungle. In den britischen Clubs lief fast nur noch Jungle. DJ Hype gründete mit DJ Zinc und Pascal das Label Ganja Records, welches später zu einem der Hauptlabels der Szene wurde. Die Anzahl der Piratensender stieg rapide an, und Kool FM war die Hauptquelle von Jungleauffrischungen für die Leute.

Ende '94 begann Jungle in verschiedene Subgenres zu zerfallen. Unter dem Namen „Drum & Bass“ wurde die „newschool“ des Jungles geboren. Viele Drum & Bass-Produzenten fingen jetzt an, die Ragga-Elemente durch jazzig-funkige zu ersetzen und die Geschwindigkeit etwas zu verringern. Zu den Vätern gehörten bekannte DJs wie LTJ Bukem, Fabio, Grooverider, Doc Scott, Photek und Dillinja, welche sich nach einem frischeren Sound und großartigen Akustikeffekten orientiert haben. Die Stadt Bristol und der dort geborene Bristol Style beeindruckte zu dieser Zeit mit dem „Full Cycle“-Label die Jungle-Szene. Zusammen mit Bryan Gee's Londoner Label „V Recordings“ veröffentlichten sie eine Flut von Werken. Künstler wie Roni Size, Krust, Die, Flynn & Flora und Bill Riley hatten somit ein Forum geschaffen, auf dem sie Jazz, Dub und smokey Trip Hop-Elemente auf eine ganz neue Art und Weise präsentieren konnten.

1995 war das Jahr des „Techstep“. DJ Trace und Nico von No U-Turn sowie Grooverider mit seinem Label Prototype konnten mit neuen Sounds ein Revival des in Vergessenheit geratenen „Darkside“ feiern! Goldie brachte „Timeless“ raus, welches sich alleine in UK über 150.000 Mal verkaufte, und er gründete sein eigenes Label Metalheadz. Ende des Jahres erlebten mehr als 1.500 Junglisten die erste „Future“ - damals noch in der Walzmühle in Ludwigshafen, und diese Reihe entwickelte sich zur größten Partyinstanz in Sachen Drum'n'Bass in Deutschland. Es folgten die legendären „Meditation“ Raves, „Royal Rumble“ und die deutschen Ableger von „Desire“ und „Kings Of The Jungle“.

1996 erreichte Grooverider's Gebiet „Hardstep“, was eine Mischung aus Jungle und HipHop war, Mainstream-Akzeptanz. Der „step“ war ein rauherer, stärkerer Beat und hatte mehr mit einem 4/4-Rhythmus als mit Breakbeat gemeinsam. Adam F wurde mit dem legendären Track „Circles“ bekannt.

1997 waren mehrere Entwicklungstrends in der jetzt weltweiten Ausbreitung von Drum'n'Bass erkennbar. „Jump Up“ war das große Ding und wurde mit schweren Bassdrums von DJs wie Mickey Finn und Aphrodite unter die Leute gebracht. Es gab Alben von DJ Krust, Adam F, Goldie, Source Direct und Dillinja, und neue Longplayer, wie z. B. Photeks „Modus Operandi“ sowie die Full Cycle Crew „Reprazent“ (ein Campus aus DJ Die, DJ Suv, Krust und Roni Size), wurden mit Lobeshymnen überschüttet. Roni Sizes „Brown Paper Bag“ wurde nach seiner Veröffentlichung gleich ein Aushängeschild. Jonny L tauchte wieder aus der Vergangenheit auf und brachte den Track „Piper.

1998 dann das Ende vom Styleaufsplitting. Die Szene war endlich wieder zusammen. Alles war Drum & Bass! Und 4Heros „2 Pages“ zeigte der Welt genau, dass Drum'n'Bass als eigenständiges Genre weiterhin ganz an der Spitze der technischen und produktionsbezogenen Innovation verweilt, während die ständige Dynamik der Musik und Szene selbst ihre Langlebigkeit und Beständigkeit sichert.

Nun sind schon fünf weitere spannende Jahre vergangen. Drum'n'Bass hat sich seit seiner Entstehung in beeindruckender Weise zu einer der unverwechselbarsten englischen Musikbewegungen seit der Zeit, in der Rock so sehr boomte, entwickelt. In Deutschland hat es in den Clubs begonnen, ist auf die Raves übergesprungen und ist längst wieder auf dem Weg zurück in die Clubs. Ekstase, Anarchie und Euphorie sind Professionalität und Sachlichkeit gewichen. Im Rhein-Neckar-Gebiet wurde vor einiger Zeit mit „Jungle 68“ eine Dokumentation von Junglisten über die lokale Drum'n'Bass-Szene erstellt, die versucht, für diese Lebenswelt und deren Musik zu interessieren und sie in 79 Minuten möglichst authentisch wiederzugeben. Infos dazu auf der Website www.jungle68.de. Freuen wir uns auf kommende Strömungen im wilden Dschungel - weltweit.

When I'm weak, you're tellin me that I'm strong,
When I'm right, you're tellin me that I'm wrong,
But I know, now I understand, now I see,
I see your wicked plan. I'm a Junglist!

Don't try to change my plan.
Understand … . .
Why won't you understand?
Hmm . . . I'm a Junglist!

(aus: A Tribe of Issachar feat. Peter Bouncer „Junglist“)



Roland Grieshammer
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