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Mörderische Identitäten
(Pub. September 2003)
Publiziert am: 02.09.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal september03 artikel Mörderische Identitäten

Ja, ja die Globalisierung . . .
Man könnte meinen, je mehr vernetzter die Welt wird, je mehr sich die Kulturen untereinander austauschen können, um so offener wird sie. Pustekuchen. Intoleranz, Selbstzentrierung und Vorurteile prägen unsere Welt so stark wie eh und je. Der französische Schriftsteller Amin Maalouf nimmt in seinem Essay „Mörderische Identitäten“ solche Vorurteile aufs Korn. Ein Beispiel? Der Islam ist intolerant und neigt zur Bildung totalitärer Regime? Im Gegenteil, ein kurzer Blick in die Vergangenheit des Christentums und der muslimischen Welt zeigt, dass nicht die Religion, sondern ihr Umgang mit den geistigen und technischen Errungenschaften der Zivilisation entscheidend ist. Und der ist wiederum stark abhängig von dem Sicherheitsgefühl der betreffenden Kultur. Wer sich angegriffen fühlt, kapselt sich ein und entwickelt dabei eine Intoleranz gegenüber allen Bedürfnissen und Werten, die nicht die eigenen, schutzbedürftigen sind. Nein, nicht die verschiedenen Kulturen, Wertesysteme und Religionen sind Schuld an Kriegen und bewaffneten Konflikten. Es ist die Begrenzung der Individuen auf einen für die Identität zentralen Aspekt. Ständig soll sich entschieden werden. Entweder ist man Christ oder Muslim, Frau oder Mann, Franzose oder Libanese. Dabei ist die Identität immer aus vielen verschiedenen Aspekten zusammengesetzt. Und gerade die menschlichen Brücken zwischen den Kulturen, die Immigranten, Aussiedler und Zwiegespaltenen dieser Welt, sind es, die uns Verständigung lehren und die Gemeinsamkeiten der Kulturen erkennen lassen.

Amin Maalouf sieht sich selbst als ein solches Bindeglied. Und in der Tat, als christlicher, heute in Frankreich lebender Libanese scheint er prädestiniert für eine Vermittlerrolle. Und er erfüllt sie großartig. Die in seinem Essay aufgebaute Argumentation lässt den Leser zu keinem Zeitpunkt aussteigen, und vermittelt ein völlig neues Bild der Hintergründe aktueller Konflikte. Obwohl vor dem 11. September 2001 geschrieben, sagt es eine solche Entwicklung voraus und erklärt mit einer beinahe pedantischen Sorgfalt, dass wir nur dann zu einer friedlicheren Welt kommen, wenn wir alle Seiten unserer Persönlichkeit und auch die der anderen zulassen und mit Stolz leben dürfen.
Eine Pflichtlektüre für alle, die nicht genau wissen wo sie hingehören, alle die zu genau wissen wofür sie stehen, und jeden der schon einmal Schwierigkeiten mit dem Fremden hatte.

„Unantastbar an einer Demokratie sind ihre Werte, nicht ihre Mechanismen.“

Mörderische Identitäten
Amin Maalouf
9,50 Euro für 143 Seiten Taschenbuch
Verlag: Suhrkamp
ISBN 3518121596
Martin Schwarzbeck
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