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Maulhalde: Vorteil durch Technik
(Pub. April 2004)
Publiziert am: 30.03.04 - Medienformen: Medienform Text


„Seit mir das Arbeitsamt die Umschulung zum Telearbeiter bezahlt hatte, hatte ich noch mehr Gründe Computer zu hassen. Doch nur ein einziger Grund – mein neuer Beruf – zwang mich jetzt zum Kauf. Der Verkäufer erklärte mir die neuen Möglichkeiten der Kommunikation – mit dem Gerät könnte ich sie alle nutzen. Er war etwas irritiert, als ich sagte, ich kenne doch keinen. Aber dann klopfte er mir auf die Schulter und antwortete, mit diesem Wahnsinnsteil wird das schon. Also nahm ich den Computer.

Zu Hause baute ich den Rechner auf und kurz darauf hatte ich eine eigene E-Mail-Adresse. Und dann begann ich zu warten. Nachdem ich bis in die Nacht hinein jede halbe Stunde meinen Posteingang überprüft hatte, ging ich enttäuscht ins Bett.

Am nächsten Tag schaltete ich den Rechner wieder an. Gegen Abend hatte ich einen Zustand erreicht, in dem mir das Flackern des Monitors wie ein Spot auf MTV und das Brummen des Lüfters wie eine Melodie vorkam, die ich leise mitsang. Gegen Mittag des nächsten Tages heulte der Lüfter noch lauter als sonst, die Festplatte ratterte leise, ein Symbol am unteren Bildschirmrand flackerte hektisch und dann öffnete sich meine erste E-Mail: „Hallo Günter! Ich bin’s, Mandy aus der Schule. Ich habe jetzt eine heiße Homepage mit ein paar Bildern von mir, die ich für dich gemacht habe. Aber bitte sage es niemand aus unserer Klasse. Kuss, Mandy.“

Meine Mandy? Damals war ich einfach zu betrunken gewesen. Deshalb hatte sie sich nach unserer Fummelei auf der Abschlussparty nie wieder gemeldet. Ich klickte sofort auf ihre Homepage, installierte das kleine Einwahlprogramm und dann sah ich sie. Mann, hatte die sich verändert. Nur einige Stellen, die ich im Dunkel des Kellers von Toms Eltern nur ertastet hatte, konnte ich wieder erkennen. Ich antwortete sofort: „Liebe Mandy! Über deine Mail habe ich mich sehr gefreut. Ganz ehrlich, ich habe dich auch nie vergessen können. Wir haben uns wohl alle weiter entwickelt. Ich bin jetzt zum Beispiel in der Internet-Branche tätig. Wollen wir uns mal treffen? Dein Günter.“

In der nächsten Mail nannte sie sich schon Schnuckelchen68 und lud mich zum Chat ein. Nachdem ich meine Kreditkartennummer angeben hatte, tippte ich die ersten Worte:

> Hast du noch Kontakt zu anderen Leuten aus unserer Schule?

> Willst du die Schulmädchen-Nummer?

> Mann Mandy, ich versteh’ dich ja, aber wir können uns auch erstmal nur unterhalten.

> Du kannst Mandy zu mir sagen, aber zum quatschen bin ich jetzt zu heiß . . .

Stunden später schaltete ich mit zittrigen Fingern den Computer aus. So ging das ein paar Wochen. Inzwischen bekam ich auch andere E-Mails. In Vorbereitung auf ein mögliches Treffen prüfte ich verschiedene Angebote zur Penisvergrößerung. Nachdem ich aber mit Hilfe meines alten Tafelwerks die Inch-Angaben in Zentimeter umgerechnet hatte und mir mittels eines Lineals einen Eindruck verschaffte, wie das aussehen konnte, nahm ich dann doch Abstand. Ich bestellte nur einige Medikamente, die eine nette Frau empfahl, nachdem sie diese mit ihrem Mann ausprobiert hatte.

Jetzt wollte ich Mandy richtig sehen. „Ja,“ war ihre Antwort, „später.“ Und dann meldete sie sich nicht mehr – nur noch ihre Freundinnen. Aber ich wollte Mandy. Nicht noch einmal wollte ich tatenlos bleiben. Ich telefonierte ein bisschen, recherchierte und dann hatte ich sie. Ihre richtige E-Mail-Adresse war mandy.scholz@allianz.de. In der Zwischenzeit hatte ich mir auch eine Webcam angeschafft. Zuerst genierte ich mich ein bisschen. Aber weil ich aus unseren Chats wusste, worauf sie stand, legte ich mich richtig ins Zeug.

In die E-Mail mit den Bildern schrieb ich: „Mandy, ich bin bereit für dich. Ich bitte dich, lass uns diese Chance nicht schon wieder vertun. Ich liebe dich – wenn es sein muss bis zur Selbstaufgabe. Dein in Flammen stehender Günter.“ Kurz darauf bekam ich Post. Erst verschiedene Rechnungen und dann einen langen Brief von der Rechtsabteilung der Allianzversicherung. Und darum bin ich jetzt hier bei Ihnen in der Schuldnerberatung. Können Sie mir vielleicht helfen, Herr Frank?“

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