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Leserinnenbriefe
(pub. Juni 2003)
Publiziert am: 02.06.03 - Medienformen: Medienform Text


Und mal wieder ist ein Brief an uns gelangt, der es würdig ist abgedruckt zu werden. Da er so schön net war, haben wir der Frau S. auch geantwortet. Die wollten wir euch natürlich auch nicht vorenthalten. Ach ja, wenn ihr der Frau auch schrieben wollt, dann schickt den Brief/die Mail/das Fax einfach an uns: redaktion@hanfjournal.de


„Sehr geehrte“ Redaktion, bzw. „verantwortliche“ Redakteure des Hanfjournals.

Mit Sicherheit sind Sie sehr stolz auf Ihre Zeitschrift und können auf eine breite (im wahrsten Sinne des Wortes) Leserschaft zählen. Die Ziele, die Sie sich irgendwann einmal beim Gründen Ihrer Zeitschrift gesetzt haben, nämlich den Konsum von Cannabis als cool, lässig, trendy, witzig, ungefährlich etc. pp darzustellen, ist Ihnen bestimmt gelungen. Das kann ich aus den Leserbriefen der Kinder u. Jugendlichen ersehen. Ich selbst bin Mutter zweier Jungs, im Alter von 14 und 12 und mir fehlen im Moment die Worte für diese gequirlte Scheiße ( upps ist mir doch eins eingefallen- und das völlig unbekifft, vielleicht werden es ja noch mehr ), die ihr da verbreitet. Es ist Schade um das Papier, um den Strom, um einfach alles, das nötig ist, um dies zu fabrizieren. Dass Sie sich nicht schämen. Welch verantwortungslosen Hirnen muss so etwas entspringen? Ich mag es mir nicht vorzustellen. Wahrscheinlich sind Sie vielleicht auch noch in meinem Alter – eine Schande für meine Generation (ich bin Geburtsjahr 66). Falls Sie jünger sind, habe unser Herrgott erbarmen mit uns, wenn Sie die kommende Generation darstellen. Mein Sohn kam heute aus der Schule mit Ihrem Schrott nach Hause ( das Markteting- Konzept scheint also auf zu gehen ), und fand dies alles sehr amüsant und fühlt sich aber nicht angesprochen. Leider weiß ich aber, dass es bei vielen seiner Freunde ( 8. Jahrgangsstufe ) schon seit 1 Jahr nicht mehr so ist. Aber das hat mit Sicherheit nichts damit zu tun, dass allerortens, sogar in Zeitschriften- man stelle sich das mal vor- der Konsum von Cannabis als harmlos und ….s.o., hingestellt wird. Eigentlich ist es auch Schade um meinen Strom, den ich gerade verbrauche, indem ich dies hier schreibe, weil Sie diese Zeilen mit Sicherheit belächeln, wenn Sie sie überhaupt zu Ende gelesen haben. Antwort erwarte ich eigentlich auch keine, denn es gibt keine, aber auch gar keinen Rechtfertigungsgrund für Ihren Dreck,den Sie veröffentlichen. Ich wünsche Ihnen noch weiterhin ein sorgenfreies, benebeltes Leben. Aufhören mit Kiffen werden Sie mit Sicherheit nicht mehr, denn da würde ja Ihr Verstand wieder funktionieren und Sie müssten sich vielleicht über die Folgen Ihres Handelns Gedanken machen und sich damit auseinandersetzen. Ich glaube nicht, dass Sie das aushalten würden. Sie würden umgehend zum Sorgenkiffer.
Eine äußerst angewiederte und entsetzte Mutter
Frau S.



Sehr geehrte Frau S.,


Zuerst möchte ich mich – auch wenn Sie es mir vielleicht nicht glauben – für diesen Leserinnenbrief bedanken. Selbst wenn Sie keine Antwort erwarten bzw. wollen, bekommen Sie nun eine von uns. Ob Sie diese lesen bleibt Ihnen überlassen.

Leider ist es mir nicht möglich festzustellen, auf welchem Wissenstand Sie sich im Bereich der Cannabisprohibition befinden, daher werde ich am Ende dieses Briefes eine Zusammenstellung von Links der neusten Studien im Bereich der Drogenpolitik anhängen. So bekommen Sie die Möglichkeit sich intensiv in das Thema einzulesen.

Wenn über Drogenpolitik diskutiert wird, verfallen viele sehr schnell in eine sehr emotional geführte Aussprache. Ich bitte Sie aber nun einmal, einfach die folgenden Überlegungen nüchtern und sachlich zu lesen und für eine offene Diskussion bereit zu sein.

Der neue Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung hat eines wieder klar gemacht. Eine drogenfreie Gesellschaft wird es niemals geben. Die Zahlen der Drogentoten belegen dies eindeutig: 40.000 Tote durch Alkohol, 100.000 durch Nikotin, 1.513 durch illegale Drogen. Dies ist ein Desaster! Bei Cannabis haben wir im Bereich der unter 14jährigen den prozentual zur Bevölkerung höchsten Cannabiskonsum in Europa – und dies trotz des Verbotes! Seit Jahrzehnten versucht die Bundesregierung mit harter Hand des Gesetzes illegale Drogen „auszurotten“. Doch was passiert? Der Konsum steigt und die Preise bleiben stabil oder werden billiger! Kann das wirklich das Ziel sein?

Die Frage, die sich in der Drogenpolitik immer wieder stellt, ist die nach dem Ziel. Wenn Sie wirklich eine drogenfreie Gesellschaft wollen und auch daran glauben dies realisieren zu können, dann würde es mich wirklich interessieren wie dies ablaufen soll. Stellen sich einmal vor, wir sind soweit, dass nun auch Alkohol, Tabak, Kaffee und Internet (ja auch hier gibt es Abhängige) verboten sind, glauben Sie dann wirklich, dass diese keiner mehr konsumiert? Wie war es denn während der Alkoholprohibition in Amerika? Dank Menschen wie Al-Capone, war es gesichert, dass immer genug Alkohol zum Konsum zur Verfügung stand. Stellenweise wurde in dieser Zeit in der USA sogar mehr Alkohol konsumiert als in der Zeit zuvor. Falls Sie nun sagen, dass Alkohol ja keine Droge sei und das ja nur halb so schlimm ist, dann empfehle ich Ihnen die Roques-Studie des französischen Gesundheitsministeriums. Diese gruppiert Alkohol zusammen mit Heroin in den Bereich der harten Drogen. Auch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) der UNO teilt diese Auffassung. Cannabis dagegen rangiert bei den leichten Drogen.

Wie Sie sehen können, wird es diese drogenfreie Gesellschaft nie geben. Nun können Sie sagen, alles schön und gut, aber ich will partout keine weitere Drogen legalisieren, da dies ja alles böse ist. Dann ist es einmal an der Zeit die Augen der Realität zu öffnen. Über 8 Millionen Menschen haben schon einmal Cannabis konsumiert oder konsumieren es regelmäßig. Das sind über 10% der deutschen Bevölkerung! Wollen Sie mir wirklich glaubhaft versichern, dass das Verbot auch nur den geringsten Beitrag zu einem geringeren oder bewussteren Konsum beigetragen hat? Ja, und warum gebrauchen dann in Holland – hier kann man geduldet Cannabis kaufen und rauchen – weniger bis gleich viele Menschen Cannabis? Ihrem Brief zur Folge wollen Sie das doch, oder? Wäre dann das holländische Modell nicht besser?

Um was geht es eigentlich in der Drogenpolitik?

Wie ich bereits feststellte, wird es niemals eine drogenfreie Gesellschaft geben. Denn nicht die Substanz sondern wenn dann die Personen sind das Problem. Oder anders, nicht die Droge, sondern das Suchtverhalten ist das Problem, und das kann auch mit einer drogenfreien Welt nicht abgeschafft werden. Wenn etwas – meiner Meinung nach – sinnvoll ist, dann ist es der Weg der Ehrlichkeit. Es ist falsch, dass Politiker sich immer noch hinstellen und auf Volksfesten mit Bieranstichen und „Saufgelangen“ für Alkohol werben ohne die Risiken und Nebenwirkungen zu erwähnen. Es ist falsch, dass immer noch Zigarettenautomaten frei auf der Straße hängen, an denen sich jeder 10 Jährige und auch Ihre Kinder, ungehindert und anonym Drogen besorgen können. Es ist aber auch falsch, dass über Drogen wie Cannabis meist nur polemisch aufgeklärt wird. Was ist denn die größte Nebenwirkung dieser Droge? Eine körperliche Abhängigkeit gibt es nicht – sollten sie einen Beweis für eine solche Abhängigkeit besitzen, bitte ich Sie mir diesen zukommen zulassen. Die körperlichen Nebenwirkungen beschränken sich beim Joint auf die des Tabaks und auf eine leichte Erhöhung des Krebsrisikos, wer hingegen einen Vaporizer (ein Gerät zum Verdampfen von Kräutern) benützt kann diese sogar ausschalten. Es ist wahr, dass es eine psychische Abhängigkeit geben kann. Doch wo gibt es die nicht? Schokolade, Spielzeugautomaten, Fernsehen, alle haben die Gefahr der psychischen Abhängigkeit. Hier ist wohl eher die Person zu therapieren als nur alles auf eine Substanz zu schieben. Dieser Weg ist schlichtweg zu einfach. Denn nicht durch eine Substanz wird eine Abhängigkeit hervorgerufen!

Wenn Menschen schon Drogen gebrauchen, und dies werden sie immer tun, dann sollten sie es zumindest bewusst und aufgeklärt tun. Denn Menschen müssen ehrlich über Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt werden. Warum ist es denn böse, wenn man das oben genannte über Cannabis sagt? Wenn es nicht stimmt, beweisen Sie es mir, ich bin gerne bereit meine Meinungen zu revidieren. Es ist auch wichtig, dass Personen, die Drogen gebrauchen, wissen, was in ihrer Substanz drin ist. Glauben Sie wirklich, dass es hilfreich ist, wenn Extasy-Konsumenten jedes mal aufs Neue russisches Roulette spielen, weil sie nicht wissen, ob nur MDMA in Ihrer Substanz vorhanden ist? Warum ist das für über 2 Millionen Konsumenten lebensnotwendige Drug-Checking immer noch nicht erlaubt? In Österreich zeigen nun die Studien, dass Personen, die getestete Pillen schlucken, ihren Konsum genauer steuern, nur noch reine Pillen konsumieren und sich bewusst Gedanken machen, wann Sie eine Pille schmeißen. Übrigens wurde keine Zunahme des Konsum festgestellt.

Wenn ein Mensch eine Droge konsumieren will, dann wird er es auch tun! Beweis: Realität! Was wir tun können ist ihn zu schützen. Es ist aber kein Schutz, in die Kriminalität abgeschoben zu werden. Dealern und der Mafia das Feld zu überlassen. Keinerlei Verbraucherschutzmaßnahmen zu ergreifen, nicht zu wissen, was die wirklichen Nebenwirkungen sind und nicht aufgeklärt zu werden, was man tun muss, falls wirklich einmal etwas schlimmes passiert.

Ja ich will, dass der Staat sich endlich einmal um die Drogenpolitik kümmert. Ich will nicht länger große Gewinnspannen für die Mafia und Drogenbosse schaffen. Ich will, dass die Konsumenten wissen, was sie tun, dass sie aufgeklärt werden. Ich will, dass wir endlich aufhören einzelne Drogen zu bewerben und andere zu verteufeln. Warum sollte ein Mensch „gequirlte Scheiße“ erzählen, wenn er findet, dass es eben nicht schlimmer ist, wenn eine Clique am Abend kifft anstatt sich zuzusaufen?

Es geht uns in unserem Magazin nicht darum, für eine Droge zu werben! Es geht uns darum die Wahrheit ans Licht zu bringen! Ich glaube wir können hier die Folgen unseres Handelns sehr gut abschätzen, ich befürchte nur, dass Sie die Folgen von Verboten nicht abschätzen können. Es gibt bislang keinen einzigen Beweis, dass auf Grund von Repression ein Rückgang des Konsums und der Gebraucher stattgefunden hat. Nur Gegenteilige! Wollen Sie das wirklich? Höherer oder gleicher Konsum bei stärkerer Belastung und Gefährdung der Konsumenten und Stärkung illegaler, oft mafiöser Strukturen?

Wir wollen, dass Drogen in sauberer Form abgegeben werden. Dass Personen vor dem ersten Konsum aufgeklärt werden, was sie da eigentlich tun. Dass an Schulen endlich Drogenkunde mit unterrichtet wird. Auf dass unsere Kinder irgendwann einmal wirklich selbstverantwortlich mit sich und ihrem Körper umgehen können. Dass es verboten wird für Drogen zu werben. Dass die Konsumenten geschützt werden. Und dass die Leute zu einem bewussten Gebrauch von Drogen gebracht werden.

Sie werfen uns in Ihrem Brief auch noch vor, dass wir den Cannabiskonsum als „cool, lässig, trendy, witzig, ungefährlich etc. pp darzustellen“. Das mag, aus Ihrer Sicht auch zutreffen. Denn es ist wahr, dass wir nicht die ganze Zeit betonen, dass jemand ein böser Mensch ist wenn er Cannabis konsumiert. Das beruht aber auch darauf, dass für uns diese Aussage auch nicht stimmt. Cannabis ist eine weit verbreitete Droge, es gibt eine Subkultur, die sich sehr viel mit Drogen und hier speziell Cannabis beschäftigt. Viele Autoren, Wissenschaftler, Künstler und auch Politiker konsumieren Drogen und sind auch kulturell an dieser Droge interessiert. Sollen wird dies leugnen? Sollen wir uns hinstellen und sagen: „Meine Name ist Hase, ich weiß von nichts“? Es für uns klar, dass Cannabis ein weit ungefährlichere Droge als Alkohol ist, und das sagen wir auch. Uns ist es aber dennoch genau so wichtig, den Lesern klar zu machen, dass zum Beispiel die Teilnahme am Straßenverkehr im bekifften Zustand falsch ist. Wir wollen, dass Leute Drogen bewusst gebrauchen und auch die Risiken und Nebenwirkungen abschätzen und danach handeln. Dass es einen Kult ums Kiffen gibt, dass ist derzeitige Realität, solange diese Konsumenten mit Ihrem Kult dadurch aber keinen Anderen gefährden, wüsste ich nicht, warum dies wirklich schlimm sein sollte.

Eine Anmerkung zum Schluss! Ich halte den nüchternen Zustand sehr gut und sehr oft aus. Ich belächele Ihre Zeilen nicht, sondern hoffe nur, dass Sie diese hier auch lesen. Und zu den Anmerkungen zu unserem „Dreck“ oder unseren „verantwortungslosen Hirnen“ bzw. der Tatsache, dass es „Schade um das Papier ... ist“! Wir leben in einem demokratischem Staat, wir publizieren eine Zeitung und haben eine große Leserschaft. Es ist unser gutes Recht Wahrheiten abzudrucken. Bisher kam es nur einmal vor, dass wir eine falsche Zahl abgedruckt haben, diese haben wir aber im darauffolgendem Heft richtiggestellt. Ich hoffe doch, dass Sie uns dieses demokratische Recht auf Meinungsfreiheit zugestehen.

Vielleicht haben Sie mir ein bisschen folgen können und vielleicht können Sie auch die Ansichten unserer Zeitung nun besser verstehen.

Mit freundlichen Grüßen

Werner Graf
Chefredakteur Hanf Journal


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