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Maulhalde, Mai 2004
Publiziert am: 04.05.04 - Medienformen: Medienform Text


 

Wie, keine Kugelschreiber mehr, was soll das heißen? Die Bürger von Freiheitsstadt sind empört: Nicht nur, dass heute ihre Nachbarn mit der EU-Mitgliedschaft geadelt werden, jetzt sind auch noch die blauen Kugelschreiber alle. Die mit den gelben Sternen drauf.

Schwarze Limousinen rollen über das Kopfsteinpflaster vor dem Rathausplatz. Sie biegen, die „Straße der Einheit“ nehmend, auf die Friedensbrücke, die das polnisch-tschechische Grenzland mit dem teutonischen Munizipium Freiheitsstadt verbindet. In der Brückenmitte, auf dem Trennstrich zwischen Europa und Europa, probt eine tschechisch-deutsche Blasmusikkappelle den Radetzkymarsch.

Dr. Zbigniew und Vaclav Rübenzahl, die Bürgermeister aus den westslawischen Übergangsprovinzen, stellen ihre Krüge beiseite und wischen Budweiser-Schaum aus den Walrossbärten. Aus dem abgedunkelten Fond einer Staatslimousine steigt der Ehrengast des Tages, der Prokonsul a. D. der vereinten Provinz Teutonien. Er winkt den slawischen Völkern, den runden Leib unter dem Mantel der Geschichte verbergend.

Über dem teutonischen Limes kreisen die Hubschrauber der Grenztruppen ihren letzten Einsatz, während eine weißrussische Flüchtlingsfamilie mit blauen Plastiksäcken die Neiße durchquert. Der Prokonsul a. D., Vaclav Rübenzahl und Dr. Zwigniew - das historische Dreigespann, von der Geschichte an diesem denkwürdigen Tage zusammengeführt – schreiten auf das Bühnenpodest und winken in die Kameras. Ihre sorgsam über die Glatzen gelegten Haarsträhnen wirbeln im Kreise, während der Kinderchor der Freiheitsstädter Ganztagsschule gegen das Schrapp-Schrapp der Hubschrauber und mit der Hymne des Europas kämpft.

Miss Neiße, die Schönheitskönigin im Dreiländer-Eck, zieht ihren über die Skihosen gestreiften Stringtanga zurecht und überreicht dem Prokonsul a. D. einen holländischen Tulpenstrauß und eine Stange Zigaretten. Dr. Zbigniew hat sich unterdessen am Rednerpult postiert, er klopft und pustet in das Mikrofon. Am nächsten Tag wird seine Rede unter dem Titel „Willkommen, liebe Neubürgerinnen und Neubürger des Europäischen Reiches vieler Nationen!“ abgedruckt werden, und zwar im „Freiheitstädter Tagblatt“, neben der Grußadresse an den hohen Kommissar in Brüssel.

 

„Verehrter Prokonsul, Vater der Einheit, Leuchte des Fortschritts, großer europäischer Integrator! Liebes Volk! Einstmals haben wir Westslawen unser Heiligstes - unsere Nation - in die Hände der roten tatarischen Horden geben müssen, um Europa vor ihrem Klauengriff zu bewahren. Wir haben geblutet, während das Reich der Freiheit ohne uns wuchs und gedieh und seinen Wohlstand mehrte. Heute endlich erhalten wir den Lohn, der uns für dieses Opfer gebührt.“

Der Prokonsul a. D. wischt mit einem zu groß geratenen Taschentuch in seinem Gesicht herum. Unter dem Beifall des Bundes der Vertriebenen schreitet er in die Brückenmitte, um den Stacheldraht symbolisch zu durchtrennen. Wenn Agence France Press sie wahrheitsgemäß wiedergegeben haben sollte, dann lauteten seine Worte: „Hiermit sei Euch, Ihr Slawen und Balten, Ihr Ugren und versprengten Völker, das Bürgerrecht des Heiligen Opäischen (Europäischen???) Reiches verliehen.“ Ein Wind der Veränderung weht an diesem historischem Tage durch das Tal der Neiße, ein wind of change, der über die erhitzten Köpfe der Neubürger streift – im Duett geblasen von Karel Gott und dem Sänger der Rockgruppe Die Skorpione.

Nur die Kugelschreiber - ausgerechnet die schönen, runden, blauen mit den gelben Sternen drauf - die sind vergriffen.

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