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brettspiele
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Spielemesse November 2003
Publiziert am: 01.11.03 - Medienformen: Medienform Text


Ende Oktober war es wieder soweit. Zum einundzwanzigsten Mal trafen sich Spielebegeisterte in Essen, um sich den Neuerscheinungen zu stellen, mit den Spielemachern zu plaudern, Spiele zu testen und mehr oder minder in einen Kaufrausch zu verfallen. Zum Glück haben Journalisten schon einen Tag vor der offiziellen Eröffnung die Gelegenheit dazu. Des nächtens wurden dann die Spiele getestet. Und hier folgen die ersten Eindrücke.

Das erste Probespiel fand am Stand von daVinci games aus Italien (der mit dem super Kartenspiel „Bang!“) statt: Bei „Viva il Re!“ oder „Hoch lebe der König!“ von Stefano Luperto schlagen drei bis sechs Mitspieler einen neuen König vor, denn der Alte hat keine Lust mehr auf seinen Job. Es versammeln sich alle Thronkandidaten (13 an der Zahl) vor dem Königsthron, um ihn zu erklimmen. Die Thronkandidaten werden reihum von den Spielern Richtung Thron geschoben, abhängig von der eigenen Auftragskarte. Sobald einer ganz oben steht, wird abgestimmt. Dafür hat jeder drei Nein- und eine Ja-Stimmkarte. Stimmt nur ein Mitspieler gegen den Kandidaten, verschwindet der Kandidat und der nächste versucht sein Glück. Das ist die Kurzfassung, wobei es in dem Spiel darum geht, möglichst die eigenen Kandidaten unauffällig auf den Thron zu bringen und gegen die anderen Kandidaten zu stimmen. Denn je weiter oben die eigenen Kandidaten stehen, umso mehr Punkte gibt es und der mit den meisten gewinnt nach drei Runden das Spiel. Ein schnelles Spiel für zwischendurch mit ’nem nicht zu verachtenden Bluffanteil. Außerdem hat daVinci ein Zusatzpack für „Bang!“ nachgeschoben: Ereignisse wie Goldrausch oder Suff bringt der Sheriff ins Spiel. Und zu guter Letzt gibt es die „Werwölfe“ (lupus in tabula) auch auf italienisch, allerdings mit anderen Charakterkarten wie Werhasen, Medium oder Besessener, werden wir auf alle Fälle mal antesten.

Dann waren wir natürlich sehr gespannt auf „König Arthur“ vom Ravensburger Spiele Verlag. Als Revolution angekündigt, war der Karton schon mal riesig. Der Inhalt weniger. Das einzig Markante auf dem Spielbrett ist ein Stein, in dem ein Schwert steckt und der zu einem spricht. Das Zugucken war zumindest spaßig, sah man den Spielern doch an, wie wenig sie die Stimme aus dem Stein verstanden. Und den Spielvorführer immer wieder mit fragenden Blicken anstarrten.

Und noch ein Trend wurde auf der Messe deutlich: Aus Computerspielen wurden Brettspiele. So müssen wir uns noch etwas gedulden, bis wir Lara Croft „Tomb Rider“ von winning moves und „Warcraft“ von Fantasy Fligt Games in den Händen halten und spielen können. Zumindest „Warcraft“ sieht ganz ansprechend aus. Mitgenommen haben wir schon „Anno 1503“, das Klaus Teuber für den Kosmos Verlag umgesetzt hat. Schon getestet haben wir „Age of Mythology“ von Eagle Games. Wer das Computerspiel kennt, weiß wie das Brettspiel funktioniert. Macht nach einem Spielabend Laune auf mehr. Mehr davon demnächst.

Der französische Verlag Ludi-Storia bastelt gerade an einem Poker mit Schummeln und Pistolen, solange das Spiel noch nicht auf dem Markt ist, kann man sich (und vor allem die Schiffe) mit „Aux Sabords“ („An die Kanonenluken“) über Wasser halten. Ein einfaches Spiel für die ganze Familie. Wenn die Kleinen mal wieder zuviel nerven, hilft vielleicht auch „Emil und die Detektive“ von Schmidt Spiele. Sieht ganz spannend aus. Aber auch darauf müssen wir noch warten.

Denjenigen unter euch, die Spiele erst dann gut finden, wenn sie etwas komplexer sind und entsprechend lange dauern, können sich mal „Princes of the Renaissance“ von Warfrog anschauen. Aber Vorsicht, die „Spielregel ist mit Fehlern“ behaftet, wie immer, so einer von Warfrog (im www stehen die Korrekturen). Mehrere Möglichkeiten führen zum Sieg und Krieg muss wohl auch nicht sein, was die Pazifisten unter euch zufrieden stellen dürfte. Da gibt es noch „Global Powers“, das auch seine Zeit dauert und von dem Kleinstverlag Eggertspiele herausgebracht wurde, in entsprechend kleiner Auflage versteht sich. So nach den ersten Runden macht es einen ganz guten Eindruck. Worum es geht? Um die Weltmacht natürlich: Da genügt es oftmals schon an der Regierung beteiligt zu sein. Es muss agitiert, verhandelt und richtig taktiert werden. Ein Spiel, in dem viel geredet wird. Und soeben vereinbarte Koalitionen im nächsten Zug wieder gebrochen werden. Selbst die UNO hat da wenig Einfluss.

Emanuele Ornella aus Italien hat das kleine Spielchen „Fantasy Pub“ mit nach Essen gebracht, wo sich Hobbits, Zwerge, Krieger und Orks gegenseitig das Bier wegsaufen und der gewinnt, der am besoffensten ist, sprich das meiste Bier getrunken hat. Ein Manko hat das Spiel, die Typen sehen einfach zu niedlich aus.

Was jetzt noch fehlt und immer zur Spielmesse in Essen verliehen wird, ist der Deutsche Spiele-Preis. And the winner is: „Amun-Re“ von Reiner Knizia, erschienen im Hans im Glück Verlag. Ein Bauspiel wie „Alhambra“ von Dirk Henn (Quenn Games) seines Zeichens Spiel des Jahres 2003. Sind es in „Amun-Re“ Pyramiden, bauen die Spieler in „Alhambra“ jeder für sich einen schönen Palast, in dem Gärten, Türme, Gemächer und sonstiges möglichst von einer durchgängigen Mauer umgeben sind. Glücklich, wer zur richtigen Zeit das nötige Kleingeld, möglichst passend besitzt, um sich Gebäudeteile zu kaufen und zu verbauen. Das Ziel von allem: das meiste in der eigen Alhambra zu haben. Können keine Gebäudeteile mehr verbaut werden, ist das Spiel vorbei, alle werten noch einmal und der mit den meisten Punkten siegt. Bei „Amun-Re“ hingegen müssen die Spieler erst einmal genügend Einfluss in den Provinzen erringen, um Pyramiden zu bauen. Nach drei Runden werden die Provinzen und die darauf stehenden Pyramiden wieder neu vergeben und es werden weitere Pyramiden gebaut, die die Punkte bringen. Wer gerne schaffe-schaffe-Häusle-baue spielt, sollte sich „Alhambra“ näher anschauen, wer lieber auf einem Spielplan mit direktem Feindkontakt baut, dem dürfte „Amun-Re“ besser gefallen. Lust auf Bauen muss man bei beiden Spielen haben.

Ansonsten gab es auf der Messe tierisch viele Leute, die sich zwischen den Ständen herumgeschoben haben, Familien mit Kinderkutschen genauso wie schlecht verkleidete Grufties, massenweise Engländer und Holländer, den Kosmos Verlag, der zwar stapelweise Spiele rausrückt, aber für Plastiktüten zu geizig ist: „Wir sind halt ein schwäbischer Verlag.”

Kerstin Koch


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