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Der bedarfsorientierte Konsument - Dauerkiffer und ihr Umfeld
(pub. nov.02)
„Kiffen macht blöd.“ Der Satz wandert in der Diskussion um die Legalisierung von Cannabis von konservativer Seite immer durch die Räume. Die Auswirkungen von Cannabis im Dauerkonsum sind wissenschaftlich noch immer nicht eindeutig geklärt. Der Blick an die „Basis“ zeigt ein ebenso zwiespältiges Bild.
Publiziert am: 05.11.02 - Medienformen: Medienform Text


„Jaja: Kiffen macht gleichgültig – ist mir doch egal.“ Rainer winkt ab, wenn er den Satz hört. Tausendmal hat er ihn schon gehört. Tausendmal haben ihm Freunde, Bekannte und sogar seine Eltern diesen uralten Witz entgegengeworfen.
Es ist morgens, 9:30 Uhr, Rainer hält sich an seiner Kaffeetasse fest und dreht gerade den ersten ‚Dübel’. Der Tisch ist gedeckt, Nutella geht zur Neige, der Toast ist nicht mehr frisch, aber essbar. Doch bevor Rainer den Toast anrührt, bewundert er sein Kunstwerk und zündet langsam und genüsslich dieses Kunstwerk an.
„Ein Joint am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen.“ Den Satz hat er fast ebenso oft gehört. Vor allem von seinen WG-Mitbewohnern, die genervt die Fenster aufreißen, wenn der rauchige Duft zum Zerschneiden in der Küche steht. Kiffen gehört zum täglichen Leben von Rainer. Früh morgens brennt der erste – und spät abends landet der letzte im überfüllten Aschenbecher. An wie vielen Rainer dazwischen gezogen hat, weiß er irgendwann selbst nicht mehr so genau.
„Ach, ich kiffe nun mal gerne. Kiffen ist meine Form, durch den Tag zu kommen. Ich fühl mich wohl dabei, und wer damit Probleme hat, soll erst mal seine eigenen Probleme klar kriegen, bevor er mir Vorschriften machen will. Ich führe mein Leben, wie ich will.“ Angst macht ihm sein Dauerkonsum nicht: „Mein Leben krieg’ ich auf die Reihe, ich studiere, ich bin nicht kriminell – was ist das Problem?“
Ganz so locker sieht es sein Mitbewohner Martin nicht. Er macht sich Sorgen um Rainer, ist aber auch gewaltig von ihm angenervt: „Die Sachen stehen rum, er vergisst die Hälfte. Bei den Seminaren in der Uni fehlt er auch öfters. Das Schlimmste ist, dass er auf Gespräche gar nicht mehr reagiert. Man kann nicht mehr mit ihm reden, ihm klarmachen, dass vielleicht etwas falsch laufen könnte.“ Dabei will Martin kein Spießer sein, der Rainer Vorschriften macht. Er selbst kiffe auch gelegentlich, gibt er zu, aber er habe das alles im Griff und könne auch mal eine Zeitlang ohne Cannabis leben. „Ich kenne die Situation ja. Kiffen entspannt, es ist schön mal einen zu rauchen. Aber, das was Rainer macht, schadet ihm und geht mir und allen anderen gewaltig auf den Keks!“
Der Streit um Rainers Dauerkonsum verläuft typisch. Der Betroffene hat kein Problem und fühlt sich angegriffen, das Umfeld ‚ist besorgt’ und macht Vorwürfe.

Wo fängt der Dauerkonsum an?

Welche Auswirkungen dauerhafter Konsum von Cannabis hat, das ist in der Wissenschaft noch immer heiß umstritten. Alle Jahre wieder erscheinen Studien renommierter Forscher, die sich scheinbar widersprechen. Die einen behaupten, dass regelmäßiger Konsum zu Lustlosigkeit, Desinteresse am Leben und vor allem Ausfallerscheinungen im Gehirn führt, die vor allem das Gedächtnis nachhaltig schädigen soll. Andere mutmaßen, dass Cannabis klar einen kurzfristig bewusstseinsverändernden Zustand bewirkt. Die langfristigen Folgen sollen aber eher harmlos sind.
Schon die Frage, was denn regelmäßiger und damit auch gefährdender Konsum sei, entzweit die Welt. Sind es die drei Joints in der Woche zum Entspannen, oder geht es doch um Fälle wie Rainer, bei dem sich im Zimmer die Grastüten stapeln?

In der WG jedenfalls werden diese Fragen heiß diskutiert. Jeder zieht seine Studie aus dem Ärmel, die ihm oder ihr gerade passt, jeder glaubt, den Konsum und vor allem das Leben unter Kontrolle zu haben. Am Küchentisch sitzen sie zusammen, streiten, schreien, ärgern sich übereinander. Zu einer gemeinsamen Lösung kommen sie nicht.
Rainer rollt einen Joint, zündet ihn sich an und bläst den Rauch in den Lampenschirm. Martin greift vorsichtig nach Rainers Hand und nimmt einen tiefen Zug. Der Streit ist für den Abend beendet, und Martin grinst vor sich hin: „Kiffen macht eben doch gleichgültig.“
Marco Valentino
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