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Die Maulhalde
Das Sommerloch
(Pub. September 2003)
Publiziert am: 02.09.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal september03 artikel die Maulhalde Berlins optisch schönste Wortband

Schweiß perlt auf meiner Stirn, sammelt sich an den Schläfen, rinnt fein den Hals hinab, verbindet sich mit anderen Rinnsalen, läuft die Innenseite meines Armes hinunter, den ich schlaff vom Sessel hängen lasse. Tropft dann von meinem Mittelfinger in ein Schälchen am Boden, das ich dort vorsorglich aufgestellt habe. Auf der anderen Seite des Sessels steht eine weitere Schale. Hin und wieder reiße ich mich aus meiner Apathie und entleere die Näpfe in die Toilette. Danach lasse ich mich wieder in den Sessel fallen.
Die dumpf dröhnende Hitze in meinem Kopf ist so undurchdringlich wie die Luft in den Tropen kurz vor Einbruch des Monsuns. Nur mühsam dringt ein Schmerzsignal zu mir durch. Ich öffne die Augen. Vor mir, in ein weiches Kissen gebettet, liegt auf einem Stuhl mein Fuß. Er sieht aus wie ein aufgeblasener, roter Gummihandschuh mit Stummelfingern. Ich versuche mich zu erinnern. Langsame quäle ich mich durch die letzten Stunden zurück, so langsam, dass mir die Minuten wie Tage vorkommen. Eine Mücke hat mich gestochen und jetzt sieht mein Fuß aus wie ein Ballon. Damit er nicht an die Zimmerdecke steigt, habe ich ihn mit einem Eisblock beschwert, den ich mit einem Schraubenzieher vom Boden meines Gefrierschrankes gehackt habe. Er riecht nach Fisch.
Mit Erstaunen stelle ich fest, dass der Fernseher läuft. Zahllose Bienen drängen sich auf der Mattscheibe und ich bin erleichtert, dass das Summen doch nicht aus meinem Kopf kommt. Unmotiviert versuche ich ein Stück von dem Eisblock auf meinem Fuß zu brechen, um es in das Cola-Bier mit einem Schuss Kirschwhisky zu tun, das immer noch neben mir steht. Dann gebe ich auf und halte mir den ganzen Block an die Stirn. Jetzt kann ich den Schmerz viel deutlicher spüren.
Im Fernsehen läuft jetzt „Making Of Terminator 3“. Sollte ich mich heute zwischen der Herrschaft der Maschinen oder der Insekten entscheiden – alles in allem realistischer, als würden Menschen dauerhaft an der Macht bleiben –, ich würde mich für die Maschinen entscheiden. So vertrauenserweckend steht mein Fernseher vor mir, so beruhigend wirkt sein Programm.
Ich schalte weiter. Nach Programm 29 kommt 00 und danach geht es bei 01 wieder von vorne los. Ich suche nichts, ich schalte nur. Die immer gleiche Abfolge der Programme ist mein Mantra. Es ist meine Art, das Sommerloch zu füllen.
Das Sommerloch, es ist in meinem Kopf. Ein großes schwarzes Loch. Es saugt mit unendlicher Kraft Informationen in mein Gehirn, die dann im Nichts verschwinden. Eine einzige, große Informationsvernichtung. Unmöglich daraus etwas zu fischen, um eine Geschichte oder eine Kolumne zu schreiben. Das Blatt, was ich mir vorsorglich neben den Sessel gelegt habe, bleibt weiß.
Ich habe jetzt dass Fenster offen und der Nachtwind bringt etwas Abkühlung. Mit ihm kommen die Heuschrecken ins Zimmer und verwandeln es mit ihrem Zirpen in einen Hain am Mittelmeer. Dann kommen auch die Spinnen, Motten und Mücken. Ich schlage nach der sirrenden Stelle an meiner Stirn und betrachte den blutigen Fleck auf meiner Hand. Wenn mir bis morgen früh kein Thema für die Kolumne einfällt, schreibe ich etwas über die Herrschaft der Insekten.
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