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Berauschende Landschaften – völlig ohne THC
Ein Besuch bei der Hanf-Faser-Fabrik Uckermark
Publiziert am: 03.08.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 03august artikel Berauschende Landschaften völlig ohne THC Ein Besuch bei der Hanf-Faser-Fabrik Uckermark

Um für euch mal einen ganz anderen Zweig der Hanfbranche zu beleuchten, machten sich Werner Graf, Herausgeber dieses wundervollen Journals, und meine Wenigkeit auf nach Prenzlau (Brandenburg). Dort befindet sich nämlich eine der vier Faser-/Nutzhanffabriken in Deutschland: die Hanf-Faser-Fabrik Uckermark. Wir setzten uns ins Auto und versuchten unser Ziel zu erreichen. Mehrmalige Irrfahrten (einer unserer grünen Freunde hatte uns den Weg falsch beschrieben) ermöglichten uns auch gleich die wunderschöne Natur im Brandenburger Land zu erkunden, bis wir dann in Prenzlau ankamen, wo uns schon der Besitzer der Fabrik, Rainer Nowotny, erwartete.

Aus den Fasern der Hanfpflanze stellte man in China bereits 4000 v. Chr. nassfeste Seile, Taue, Textilien wie auch das erste Papier her. Darüber hinaus wurden die Früchte als ölhaltiges Nahrungsmittel sowie die Blüten, Blätter und Wurzeln als Heilmittel eingesetzt. Auch aus der Antike ist die Hanfnutzung bekannt. In Europa erlebte der Hanfanbau vom 15. bis zum 17. Jahrhundert seine Blütezeit und ging ab dem 18. Jahrhundert aufgrund des Baumwollanbaus rapide zurück. Wegen seiner berauschenden Wirkung bestand in Deutschland ab 1982 ein vollständiges Anbauverbot. Seit 1996 werden Sorten mit einem THC- (Tetrahydrocannabinol) -Wirkstoffgehalt unter 0,3 Prozent zugelassen. Rainer Nowotny gründete daraufhin noch im selben Jahr seine Hanf-Faser-Fabrik.

Doch wir Städter werden weiterhin auf den Anbau von Nutzhanf verzichten müssen. Nur Landwirte können beim Bundeslandwirtschaftsministerium eine Genehmigung beantragen. Die Auflagen werden dann stets mehrmals jährlich kontrolliert, beispielsweise wird regelmäßig der genaue THC-Wert der Pflanze gemessen. Heute beträgt die Anbaufläche von Nutz-/Faserhanf in Deutschland rund 5000 ha, und sie wächst weiter an.
In der Uckermark blüht auf über 700 Hektar landwirtschaftlicher Fläche Nutz-/Faserhanf. Mitte/Ende April werden die Felder bestellt. An sonnigen Tagen wächst Hanf bis zu 7 cm täglich. Nur 100 Tage nach der Aussaat können die Pflanzen eine Höhe von bis zu 4 m erreichen. In diesem Jahr ist der Hanf leider noch nicht so hoch, weil es zu wenig geregnet hat. Aber erst Ende August wird die Ernte beginnen, die bis Anfang Oktober viel Geduld und Kraft kostet. Vor den herbstlichen Regenfällen muss das Erntegut Hanfstroh in die Scheunen gebracht werden.

Die Verarbeitung von Hanf unterteilt sich in mehrere Prozeduren, die rein mechanisch geschehen. In den vier Hallen der Hanf-Faser-Fabrik wird der Hanf nach der Ernte zunächst in Ballen auf ein Band gelegt und durchläuft mehrere Verarbeitungsstufen wie Faseraufarbeitung, mehrmaliges Brechen und Riffeln, Trocknen und eine Wasserbehandlung, bis die einzelnen Rohstoffe zur Weiterverarbeitung gewonnen werden. Der Staub und die Kleinteile werden zu Briketts (Heizmittel) verarbeitet, sodass kein Müll entsteht.

„Nutzhanf ist doch doof, da ist kein THC drin, kann man nicht rauchen!“ Nein: Hanf ist in jeder Hinsicht eine Bereicherung: ob als Dope oder Kultur- und Nutzpflanze. Oft wird Hanf nur auf seine berauschende Wirkung reduziert. Dabei kann Hanf noch viel mehr. Aus Hanf lassen sich über 20.000 verschiedene Produkte gewinnen. Die Palette reicht von Öl, (Zigaretten-)Papier, Textilien, Kosmetika und Haustierstreu bis hin zu Gummibärchen. Weitere Märkte für die Hanffasern sind der Bau- sowie der landwirtschaftliche Bereich. Der wichtigste technische, textile Anwendungsbereich für Flachs- und Hanffasern ist der Bereich „Mobiltech“ und hier insbesondere die Automobilindustrie. Fast alle größeren Hersteller bzw. Zulieferer in Deutschland haben in den letzten Jahren umfassende Versuche mit Naturfasern wie Hanf durchgeführt. Inzwischen finden sich in zahlreichen Serienmodellen Naturfasern in den Türinnenverkleidungen, Hutablagen oder Reserveradabdeckungen – und mit jedem Modellwechsel werden es mehr. Ihr seht, ein ökologischer Wirtschaftszweig mit Zukunft!

Apropos Ökologie: Rainer Nowotny legt großen Wert auf nachhaltiges und ökologisches Wirtschaften. Die Produkte der Hanf-Faser-Fabrik Uckermark bestehen zu 100 Prozent aus Hanf und enthalten keine umweltbelastenden oder giftigen Zusätze. Der Hanf wird weder mit Pestiziden, Herbiziden noch mit Insektiziden behandelt. Außerdem kommt der Hanf direkt aus der Umgebung, lange Transportwege werden vermieden. Bis zu 30 Prozent der Anbaufläche werden jährlich kontrolliert biologisch bewirtschaftet.
Streng wird auf die Vermeidung von Abfall und die möglichst 100-prozentige Verwertung geachtet. Die Maschinen werden mit 100-prozentig abbaubaren Reinigern gepflegt, die Stromversorgung arbeitet über ein eigenes Energiekonzept (Blockheizkraftwerk und somit ohne Atomenergie). Außerdem ist Hanf eine Vorfrucht, der Boden wird somit geschont und bleibt fruchtbar.

Die Hanf-Faser-Fabrik zeichnet sich aber nicht nur durch ihren verantwortungsvollen Umgang mit unserer Erde aus. Auch die innerbetriebliche Struktur ist vorbildhaft. Hierarchien richten sich in der Firma nach den momentanen Erfordernissen, bei neuen Entwicklungen werden die Erfahrungen aller zehn Mitarbeiter miteinbezogen und im Kollektiv besprochen. Neue Produkte und Verfahren werden gemeinsam mit anderen Partnern aus der Industrie und Wissenschaft entwickelt.
Was bewegt einen Landwirt dazu Hanf anzubauen? Neben den bekannten Vorteilen sieht Rainer Nowotny große Chancen für umweltschonendes Wirtschaften. Der 39-jährige Mathematiker sagt von sich selbst, dass er ein Feind der heutigen Wegwerfgesellschaft ist. Für ihn ist die Nutzhanfbranche genau in diesem Bereich ein Vorbild, weil kaum Müll entsteht: ein viel versprechender, spannender und zukunftsfähiger Bereich, der die Umwelt schont und hohe wirtschaftliche Erträge erzielt! Und er hat Recht. Die Nachfrage an Hanf als Nutzprodukt steigt immer mehr an. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, wann erste Massenmärkte erschlossen werden können.

Auch ihr solltet auf natürliche Hanfprodukte setzen! Auf www.hanffaser.de erhaltet ihr mehr Infos über alle Produktangebote der Hanf-Faser-Fabrik Uckermark.

Da es uns dort so gut gefallen hat und wir so fasziniert sind von dieser tollen Pflanze, könnt ihr euch auf einen zweiten Teil über die Hanf-Faser-Fabrik Uckermark freuen! Wir werden Rainer Nowotny bei der Ernte begleiten, seid gespannt!




Katrin Schmidberger
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