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growing
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100-prozentig weiblich
Der Traum eines jeden Growers
Publiziert am: 08.01.04 - Medienformen: Medienform Text


Vor kurzem war es wieder so weit: Die Kompetenz unserer Redaktion stieß an ihre Grenzen. Ein Gewinnspiel war angesagt und es ging um den Unterschied zwischen feminisiertem und weiblichem Saatgut. Mit solchen Fremdwörtern kann unsere growing-mäßig relativ unbelastete Redaktion wenig anfangen. Also erstmal die Antworten gecheckt. Häh? Jeder schreibt was anderes, aber im Prinzip geht’s immer irgendwie um Chemie und Gene. Dann halt noch mal schnell die Website von No Mercy überflogen (www.nomercy.nl). Aha, auch hier Chemie, Gene und haufenweise weitere Fremdwörter. Also gut, denkt sich unser dummdreister Redakteur, es geht um Chemie und Gene. So werden halt alle, die beide Wörter genannt haben, zu potenziellen Gewinnern. Wir sind da ja nicht so.

Also schwupps, ein Gewinner ausgesucht und ab zu No Mercy damit. Aber als Growing-Spezialist lassen die sich natürlich nicht so leicht von ein paar Fremdwörtern beeindrucken. „Totaler Unsinn“ schallt es aus den Niederlanden.

Oh, oh, da wurde wohl eine peinliche Wissenslücke entdeckt, bei der unbedingt Abhilfe geschaffen werden muss. Nach ewigem Studium der No Mercy-Website und einem ebenso langen Telefongespräch hab’ dann selbst ich es verstanden. Hoff’ ich zumindest. Und weil es wirklich wertvolles und spannendes Wissen zu sein scheint, werdet auch ihr nicht davon verschont.

Deswegen jetzt noch mal ganz von vorne:
Für gewöhnlich arbeiten professionelle Züchter mit weiblichen Stecklingen. Dadurch erhalten sie die selbe Qualität wie bei der Mutterpflanze und ersparen sich die unnötige Arbeit auch die Männchen bis zur Blüte großziehen zu müssen. Das bedeutet halben Platzbedarf und einen Ausschluss des Risikos ungewollter Bestäubungen.

Doch seit gar nicht allzu langer Zeit geht das auch anders. Feminisiertes und weibliches Saatgut lautet die Zauberformel. Dieses ist insofern den Stecklingen überlegen, als dass die Pflanzen robuster sowie ertragreicher sind und das Risiko, sich Schädlinge aus der Plantage des Herstellers einzufangen, ausgeschlossen wird.

Im Prinzip funktioniert das ganz einfach:
Eine Cannabispflanze besitzt, wie der Mensch, zwei Chromosomen, die das Geschlecht regeln. Ein X- und ein Y- Chromosom bei Männchen – zwei X bei einem Weibchen. Jetzt ist es aber beim Hanf von Natur aus so, dass sich bei weiblichen Hanfpflanzen einzelne männliche Blüten bilden können, vor allem wenn die Pflanzen gestresst wurden. Dies machen sich die meisten Samenbanken zunutze, wenn sie feminisiertes Saatgut produzieren. Sie nehmen eine weibliche Pflanze, stressen sie und bekommen so männliche Blüten und damit auch männlichen Pollen von dieser Pflanze. Normalerweise sollte dieser Pollen dann nur X-Chromosomen enthalten, denn er stammt ja genetisch von einem Weibchen. So werden in der Theorie die Samen dieser Züchtung rein weiblich. Laut Cees von No Mercy ist dies aber leider in der Praxis nicht der Fall. Denn: Wenn jetzt zum Beispiel ein einsames Weibchen irgendwo in der Pampa rumsteht und sich denkt, dass es bald sterben muss, produziert es schnell noch ein paar männliche Blüten. Wenn jetzt aber diese männlichen Blüten nur weiblichen Pollen produzieren würden, hätten die Nachfahren der sich dann selbst bestäubenden Pflanze keine Chance zur Fortpflanzung. Denn: es wären alles Weibchen. Also werden auch immer gleich noch ein paar männliche Samen mitproduziert. Der Erfahrung nach schwankt der Anteil der weiblichen Samen bei diesem Verfahren zwischen 70 und 95 Prozent.

Das wird dadurch erschwert, dass in den 60er- und 70er-Jahren in der Landwirtschaft und im GrowBereich ziemlich viel mit Kolchizin experimentiert wurde. Die Behandlung mit Kolchizin, einem äußerst giftigen und mutagenen Präparat, schafft Pflanzen mit einem doppelten, dreifachen oder noch größeren Chromosomensatz. Das geschah relativ zeitgleich mit dem heute oft diskutierten Sprung in der Qualität des Grases. Zufall? Eins ist zumindest sicher: Damals wurde nicht nur der THC-Gehalt erhöht, sondern es hat sich auch ein kaum wiedergutzumachender Makel eingeschlichen. Viele der heutigen Pflanzen neigen aufgrund dieser Kolchizin-Ära stärker zum Hermaphroditentum (=Zwittertum). Dadurch werden weniger Pflanzen rein weiblich.

Das war dann schon die erste Hälfte der Frage. Feminisierte Samen werden aus gewöhnlichen Weibchen gewonnen, von denen eins durch Stress männliche Blüten ausbildet. Aber was 100 Prozent weibliches Saatgut ist, weiß ich immer noch nicht. Wie macht das denn, No Mercy?

Zuerst einmal wirkt No Mercy der potenziellen Hermaphrodisierung dadurch entgegen, dass sie vor der Auswahl der Elternpflanzen allen „Bewerberinnen“ ordentlich Stress verabreichen. Nur die stabilsten, also die, die sich ihrer sexuellen Identität möglichst sicher sind, dürfen sich dann fortpflanzen. Damit wird gesichert, dass die Kinder der beiden Weibchen sich durch Umwelteinflüsse möglichst nicht vom gewünschten Geschlecht abbringen lassen. Denn die Wahrscheinlichkeit der Hermaphrodisierung verstärkt sich mit jeder Generation.

Ein weiteres Problem ist, wie oben schon genannt, dass die Samen der „zum Männchen gestressten Weibchen“ dazu tendieren relativ viele männliche Samen auszubilden. Demnach sollte man vermeiden die Pflanze zu stressen und muss sie aber trotzdem zwingen männliche Blüten auszubilden. Ein echter Knackpunkt. Cees von No Mercy hat als Lösung dafür Gibberelinsäure entdeckt. Das ist ein Pflanzenhormon, das auch im gewöhnlichen Gartenbau zur Blütenvermehrung eingesetzt wird und das in geringster Konzentration in jeder Pflanze vorkommt. Benutzt man eine etwas höhere Konzentration des Mittels während eines Blütenwachstumsschubes, verwirrt das die Pflanze dermaßen, dass sie sich ihres Geschlechtes nicht mehr sicher ist. Sie bildet männliche Blüten. Und das ohne die vielen männlichen Samen, die bei der Stressvariante mitproduziert würden. No Mercy erreicht so eine Quote von 100 Prozent weiblichen Samen. Das ist das gesuchte weibliche Saatgut.

Wenn ihr jetzt noch Fragen habt, dann macht euch keine Sorgen, das ist völlig normal. Ich hab’s ja auch erst nicht gepeilt und die Leute von No Mercy haben Jahre gebraucht um dieses Konzept auszutüfteln (und brauchen vermutlich noch weitere um es auf ihrer Homepage klar darzustellen). Aber es ist auf alle Fälle eine geniale Idee. Man erhält Pflanzen, die den Ertrag und die Robustheit von aus Samen gezogenem Hanf mitbringen und trotzdem so einfach zu handhaben sind wie Stecklinge. Kein doppelter Platzbedarf mehr, kein Risiko unfreiwilliger Bestäubungen, keine mitgelieferten Spinnmilben. Klasse Idee!
Und es ist gar nicht so kompliziert, wenn man’s erst mal gepeilt hat.

Wer mehr Infos sucht sollte einfach mal bei www.nomercy.nl vorbeischauen.
Martin Schwarzbeck
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