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Cannabis-Psychologie
Was denkt sich eigentlich meine Pflanze?
(Pub. März 2004)
Publiziert am: 08.03.04 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal maerz04 artikel Cannabis-Psychologie Was denkt sich eigentlich meine Pflanze?

Pflanzen sind Lebewesen, wie wir auch. Sie wollen gehegt, gepflegt und geliebt werden. Wer hat nicht schon einmal den Spruch gehört, dass gut Zureden das Wachstum verbessern würde?


Aber was ist da eigentlich dran? Kann ein so vergleichsweise einfach aufgebautes Lebewesen so komplexe Reaktionen wie Gefühle zeigen? Klingt ja irgendwie schon ein bisschen abwegig. Ja klar, wir lieben unsere Pflanzen, aber das hängt wohl eher mit der frohen Hoffnung auf den Wirkstoff zusammen als mit einer tatsächlichen sozialen Beziehung. Und dennoch scheint es, als würden die Pflanzen mehr mitkriegen als wir denken.

Alles begann am 2. Februar 1966. In einer Zeit, die für außergewöhnliche Experimente einen außergewöhnlichen Nährboden bot. LSD und Theorien über die kosmische Einheit aller Lebewesen waren gerade groß im Kommen, als der Lügendetektorexperte Cleve Backster kurz vor Feierabend einen letzten Blick über sein Büro schweifen ließ.

Ein gewöhnlicher Drachenbaum ließ ihn kurz verharren und schenkte ihm in diesem Moment die Idee seines Lebens. Man müsste doch mithilfe des Lügendetektors herausfinden können, wie lange das Gießwasser braucht, um bis in die Blätter zu kommen. Theoretisch ist das durchaus möglich, denn der Lügendetektor - ein Gerät das Herzströme, Atemfrequenz, Blutdruck, Hautfeuchtigkeit und damit auch die elektrische Leitfähigkeit des menschlichen Körpers misst - müsste durchaus in der Lage sein, die durch das Wasser verbesserte elektrische Leitfähigkeit der Pflanze wahrzunehmen.

Die Reaktion war aber eine völlig andere. Der Lügendetektor zeichnete eine Kurve, die der aufs Haar glich, die er bei einer kurzen menschlichen Erregung wahrnimmt. Backster war schockiert. Konnte es sein, dass sich die Pflanze über das Gießwasser gefreut hatte? Er dachte den Gedanken weiter: Die heftigsten Reaktionen zeigen Menschen in Angstsituationen. Also beschloss er die Pflanze mit einem Streichholz zu verbrennen. Und siehe da, die erwartete Reaktion kam just in dem Moment in dem er diesen Gedanken fasste. Konnte es sein, dass die Pflanze sogar seine Gedanken wahrnahm?

Diese Idee ließ Backster nicht mehr los. Die Kommunikation der Pflanzen wurde fortan sein Steckenpferd und er entwickelte zahlreiche weitere Experimente dazu. So ließ er zum Beispiel eine von fünf im Raum anwesenden Personen eine Pflanze grausam zerstückeln. Wurden diese Fünf einer weiteren Pflanze gegenübergestellt, zeigte die Pflanze nur bei dem „Mörder“ panikartige Reaktionen. In einem weiteren Versuch zeigten sich die Pflanzen jedes Mal betroffen, wenn vor ihren Augen eine Schale Garnelen in heißes Wasser gekippt wurden. Außer einem leckeren Mahl für die Versuchsleiter brachte dieser Versuch auch die Erkenntnis, dass die Wahrnehmung der Pflanzen sich nicht auf menschliche Gefühle beschränkt. Obwohl seine Experimente nicht von jedem wiederholt werden konnten und somit bis heute wissenschaftlich fragwürdig blieben, brachte Cleve Backster damit einen Stein ins Rollen.

Der Gedanke, dass die Pflanzen uns weit ähnlicher sind, als wir je gedacht hätten, ist einfach zu faszinierend um sofort wieder im Strudel semiseriöser 70er-Jahre-Entdeckungen zu versinken. Und so wandten sich auch nach ihm einige Wissenschaftler dem Thema zu. Rupert Sheldrake zum Beispiel ging noch einen Schritt weiter. Er entwickelte die Theorie der morphogenetischen Felder. Diese bestehen angeblich aus elektromagnetischen Wellen und erlauben es einer jeden Pflanze mit all ihren Artgenossen auf der ganzen Welt zu kommunizieren. Angeblich beinhalten diese gar ein kollektives Gedächtnis der jeweiligen Gattung. Die Visionen, die man mittels psychoaktiver Pflanzenstoffe erreichen kann, seien Einblicke in diese weltumspannende Kommunikationsform. Das klingt dann doch alles ein bisschen hippiehaft, aber es gibt tatsächlich einen Beleg, dass an dieser These was dran sein könnte. Den Phyllostachys Bambusoides. Das ist eine Bambusart, die exakt alle 120 Jahre blüht. Generationen von Bambussen sterben, ohne je geblüht zu haben und dann 120 Jahre später blühen sie alle – weltweit. Da muss doch eine Form der Kommunikation dahinterstecken.

Und tatsächlich ist es bereits bewiesen, dass Pflanzen, wenn auch in etwas anderer Form, mit ihrer Umwelt in Kontakt treten. Nicht elektromagnetische Wellen, sondern Duftstoffe sind es, die zahlreiche Pflanzenarten aussenden, wenn sie sich bedroht fühlen. Die Limabohne etwa ruft bei Raubmilbenbefall per Duft Spinnmilben herbei, die sich dann der Räuber annehmen. Diese Signale hören auch andere Pflanzen ab und schützen sich (z. B. durch die Produktion von Bitterstoffen) vorsorglich gegen die Schädlinge. Bei weiteren 25 Pflanzenarten wurde inzwischen ein ähnliches Verhalten nachgewiesen.

Aber auch die Kommunikation mit der Pflanze mittels Messung ihrer Energieströme (wie sie Backster als erster erdacht hatte) ist inzwischen gesellschaftlich anerkannt. Ein Schüler aus Norderstedt hat auf diese Weise ein Naturkatastrophen-Frühwarnsystem gebastelt, dessen Effizienz der „Jugend forscht“-Wettbewerb mit einem zweiten Preis honorierte. Denn Pflanzen sind einfach feinfühliger als wir und so kann die siegreiche „Peperomia“ ein Wärmegewitter bis zu sechs Stunden vorher voraussagen.

Wenn dem nun wirklich so ist und die Pflanzen auf so viele Reize reagieren, vielleicht sogar eine „Persönlichkeit“ ausbilden, wie der IBM-Chemiker Marcel Vogel behauptet, dann ist es wirklich nicht nett, wie wir mit ihnen umgehen. Massenhaltung in überfüllten Schränken, chemische Keulen zur Wachstumsstimulation und ständige Beschneiderei sind wohl nicht ganz die feine englische Art. Und zahlreiche Grower berichten, dass liebevolle Pflege und das besagte „gut Zureden“ oft wesentlich bessere Ergebnisse bringen, als die Gewaltmethoden. Vielleicht wird es tatsächlich Zeit umzudenken. Nicht nur unter Cannabis-Growern, sondern in der kompletten Landwirtschaft. Denn irgendwie sind wir ja doch eins mit den Pflanzen. Ein Ökosystem.

Martin Schwarzbeck


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