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Guerilla Growing Teil 9: Die Ernte
(Pub. November 2003)
Publiziert am: 01.11.03 - Medienformen: Medienform Text


Nils ist besonders guter Dinge, als ich in unserem holländischen Balkonien ankomme. Heute scheint ein besonderer Tag zu sein – und tatsächlich hat Nils auch gleich eine freudige Überraschung für mich: die erste Pflanze ist erntereif.
Und so kommt es, dass ich das erst mal vor einer wunderschönen, ausgereiften und graziösen Hanfdame in ihrer ganzen Blütenpracht stehe.
Zwei weitere Babies wurden von Nils vor drei Wochen in einer Indoor-Zuchtanlage untergebracht und haben hübsche und etwas fettere Buds entwickelt. Sie sind richtig fest und kompakt geworden, mit vielen Blütenkelchen, die jetzt den größten Teil der Blüte ausmachen.
Seit zehn Tagen wurden die Pflanzen nicht mehr gedüngt. So werden eingelagerte Düngesalze in den Blüten verbraucht. Beim Rauchen würden sie unangenehm kratzen und gesund ist das bestimmt auch nicht. Nils meint, in dem Substrat sind noch genug Nährstoffe für die letzten Tage der Blüte vorhanden. Deswegen sind die meisten großen Blätter auch schon verwelkt. Jedoch ist bisher nur eine Pflanze reif, die restlichen sieben brauchen noch ein paar Tage. Nils grummelt jetzt schon, wenn er daran denkt die restlichen Pflanzen alleine ernten zu müssen.
„Das ist doch ein großer Aufwand, die vielen Blätter aus den Buds zu pulen!“ meint er, aber lässt sich seine Ernte-Stimmung trotzdem nicht verderben. Mir macht es Spaß – war ja auch zum ersten Mal - mit den harzigen Fingern in den Blüten zu hantieren. Vielleicht helfe ich ihm ja auch noch den Rest zu ernten.

„Aber woran erkennt man nun genau, dass die Pflanzen reif sind?“ frage ich Nils. „Dann, wenn die THC-Produktion ihren Höhepunkt überschritten hat und mehr Cannabinoide zerfallen, als neu synthetisiert werden.“ Die Pflanzen geben uns dafür viele Signale: Was jeder leicht erkennen kann, ist die Braunfärbung der feinen Fruchtfäden in den Blütenkelchen. Das rührt daher, dass frische Cannabinoide in Säure-Form klar sind, wogegen sie sich braun färben, wenn sie langsam in die aktive Form umgewandelt werden. Wenn sich nun 2/3 bis 3/4 aller Härchen verfärbt haben, ist dies der erste Hinweis für Erntereife. Die Produktion frischer, weißer Blütenkelche ist nahezu zum Erliegen gekommen und die vorhandenen sind stark geschwollen. Ich hätte nicht gedacht, dass die Blüten in den letzten Tagen noch so dick werden. Doch Nils erklärt mir mit der zufriedenen Gelassenheit eines erfahrenen Growers vor der Ernte, dass es ganz normal ist und die Blüten kurz vor Schluss noch mal einen kräftigen Wachstumsschub erhalten. Deswegen sollte man nicht zu früh ernten. Für unerfahrene Grower, die beim Erntezeitpunkt unsicher sind, hat Nils auch einen Tipp: Wenn ihr meint, die Pflanzen sind jetzt reif, dann wartet noch eine Woche und erntet danach.
Einige Experten richten sich nach dem Mondkalender. Blüten, die bei abnehmendem Mond geerntet werden, behalten ihr wohliges Aroma und ihre Frische länger. Ebenfalls nützlich macht sich eine Lupe, mit der nach den besonders harzreichen, gestielten Kopfdrüsen gesucht werden kann, die zum Schluss hin immer häufiger gebildet werden. Ihre bernsteinähnliche Färbung sollte deutlich erkennbar sein.
Nils erzählt mir auch, das Forscher am SIMM herausfanden, dass Pflanzen, die drei Tage vor der Ernte komplett ins Dunkle gestellt wurden bis zu 30 Prozent mehr THC enthielten als solche die normal bis zum Schluss beleuchtet wurden. Wahrscheinlich wird THC verstärkt während der Nacht gebildet. So enthalten die Pflanzen morgens etwas mehr THC als abends. „Aber das wäre mir zu kompliziert.“ grinst er und nimmt einen kräftigen Zug an seinem Joint.
Nun machen wir uns daran die erste Pflanze zu fällen. Sie wurde bereits länger nicht mehr gegossen, damit das Trocknen nicht so lange dauert. Zuerst schneide ich aufgeregt den dicken Stamm durch. Dann hängen wir die Pflanze kopfüber mit einem Draht auf und entfernen die großen Blätter am Haupttrieb, falls sie nicht schon verwelkt sind. Mit diesen kann man in der Regel nicht viel anfangen und auf den Kompost geben. Genauso wie die dicken Stängel später.
Die Pflanze wird kopfüber in einen dunklen Raum gehängt, der ein paar kleine Luftschlitze besitzt. Bei konstanten 20 °C und 50 bis 70 Prozent Luftfeuchte können die Blüten schön langsam trocknen, was wichtig für ein gutes Aroma ist. Generell gilt: je länger die Trocknung dauert, umso besser wird das Gras. Wenn die äußeren Blüten knusprig trocken sind, die Stängel beim Biegen aber noch nicht brechen, können wir beginnen diese zu ernten. Die Blüten werden von den Stängeln und Blättern getrennt und in atmungsaktiven Behältern verstaut. Briefumschläge oder Pappkartons eignen sich gut dafür. Plastik- und andere luftundurchlässige Behälter sollten wegen der Schimmelgefahr gemieden werden. Die Blätter werden separat getrocknet.
Sind die Blüten so trocken, dass die Stängel beim Brechen knacken, sind sie fertig. Da sie sonst zu unangenehm rauchbaren Staub zerfallen, sollte man sie aber auch nicht knochentrocken werden lassen. Vor der Endverarbeitung können noch die Blattspitzen geschnitten werden – das nennt man Maniküre.
Die Blüten sind direkt nach der Ernte nicht tot, sondern es finden wie in einem Apfel verschiedene Stoffwechselprozesse statt. In dieser Zeit verändern sich Aroma und Geschmack des Grases. Einer der wichtigsten davon ist die Fermentation. „Ein Vorgang bei dem das Chlorophyll, welches beim Rauchen kratzt und ungesund ist, von Mikroorganismen abgebaut wird“, erklärt mir Nils. Die Farbe des Grases ändert sich von grün in gelblich-braun. Je langsamer die Blüten getrocknet werden, umso feiner wird das Produkt. Auch wenn die Freude über das erste eigene Gras groß ist und man es am liebsten sofort rauchen würde. „Schnelles trocknen ruiniert den Geschmack!“ weiß Nils. Nach dem Trocknen sind nur noch 20 bis 25 Prozent des ursprünglichen Gewichts vorhanden.
Nun ist das Gras eigentlich fertig zur Lagerung. „Aber was machen wir mit dem übrigen Blattmaterial?“ frage ich Nils. Und auch darauf hatte er eine Antwort, doch die erfahren wir beim nächsten Mal.
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