Hanf Journal Logo Teil 1
Hanf Journal Logo Teil 2
*

  SITEMAP
 
  * Rubriken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

*
 
*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-

*
 
*
-
-
-

brettspiele
Druckversion
Breitspiele
Spiel 04 – und wie es entsteht
Publiziert am: 05.11.04 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal november04 artikel

Die „Spiel 04“ in Essen ist vorbei. Wieder hieß es für uns, durch riesige Hallen zu rennen, die letztjährigen Kontakte aufzufrischen und neue zu knüpfen. Und das war ganz schön anstrengend. Wie jedes Jahr wurde zudem der Deutsche Spiele-Preis vergeben, den der Chef vom Hans im Glück Verlag Bernd Brunnhofer alias Michael Tummelhofer für „St. Petersburg“ in Empfang nahm. Das meistgespielte Spiel auf der Messe dürfte allerdings „Zug um Zug“ von Alan R. Moon gewesen sein, Spiel des Jahres 2004. Und wir haben nicht nur Spiele getestet, sondern mit einigen Spieleautoren gesprochen, denen wir folgende zehn Fragen gestellt haben:

1)Wie entsteht ein Spiel?
2)Wann entstand dein erstes Spiel und wie heißt es?
3)Ist das Spieleerfinden Hobby oder Beruf?
4)Was bedeutet Spielen für dich?
5)Was kommt zuerst, das Thema oder der Mechanismus?
6)Wie oft verwirfst du eine Idee?
7)Wen fragst du um Rat?
8)Wie lange brauchst du um ein Spiel zu entwickeln?
9)Wie oft kamen Absagen von Spieleverlagen?
10)Wie war es, als du das erste Mal auf der „Spiel“ in Essen warst?

Gesprochen haben wir in Sachen Spieleerfinden mit alten Hasen genauso wie mit Frischlingen, die mit den in Klammern stehenden Spielen nach Essen gekommen sind. Im Einzelnen waren das Klaus Teuber („Candamir“), Alan R. Moon („Zug um Zug“, Spiel des Jahres 2004), Friedemann Friese („Funkenschlag“), Steve Gross („Bootleggers“), Peter Eggert und Tobias Stapelfeldt („Neuland“), Andrea Meyer („Große Geschäfte“), Emiliano Sciarra („Dodge City“, ist die Erweiterung zu „Bang“) und Domenico Di Giorgio („Abracadabra“), Dirk Henn („Alhambra“, Spiel des Jahres 2003), Heiko Wiese, Petra Brandenburger („UFOs! Fritten aus dem All“), Bruno Faidutti („Boomtown“ und „Die dunklen Lande“, ist die Erweiterung zu „Ohne Furcht und Adel“), Martin Wallace („Struggle of Empires“), Emanuele Ornella („Oltre Mare“) und Richard Sivél („Friedrich“).
Da es etwas langweilig wäre, alle einzelnen Interviews abzudrucken, folgt sozusagen die Quintessenz aus allen Gesprächen.

Wie entsteht ein Spiel?
Will man pauschalieren, gibt es eine deutsche Herangehensweise und eine amerikanische. Typisch deutsch sei es, zuerst den Spielablauf und die Spielweise festzulegen. Diesem Mechanismus kann eigentlich jedes Thema übergestülpt werden. Die Amerikaner gehen meistens erst von einem Thema aus und suchen dann den passenden Mechanismus. Einig sind sich die Spieleautoren jedoch, dass die besten Spiele die sind, bei denen beides Hand in Hand geht.


Wann entstand dein erstes Spiel und wie heißt es?
Klaus Teubers Grundlage für „Barbarossa“ (1988) war ein Roman. Alan R. Moon veröffentlichte seinen Erstling „Black Spy“ 1982 bei Avalon Hill. Friedemann Friese brachte 1992 mit „Wucherer“ ein Spiel ohne F im Titel heraus. Bis auf die diesjährige Neuheit „Bootleggers“ landeten alle Spiele von Steven Gross auf dem Müll. Tobias Stapelfeldt baute im Alter von Zwölf ein Pyramidenspiel, weil ihm „Hotel“ zu teuer war. Genauso alt war Peter Eggert, als er sich ein Pferderennspiel sozusagen den Vorläufer von dem 1996 erschienenen „Duhner Wattrennen“ ausdachte. Der Erstling von Andrea Meyer war 1998 „Stimmvieh“. Emiliano Sciarra versuchte sich zuerst in Videospielen, bevor er 2001 gemeinsam mit Domenico Di Giorgio „Bang“ herausbrachte. Ende der 1980er hat Dirk Henn sein erstes Spiel gemacht, das kein Verlag wollte, heute heißt es „Metro“. Salagames produzierte 1991 Heiko Wieses „Würfelduell“. „UFOs! Fritten aus dem All“ stellte Petra Brandenburger in diesem Jahr in Essen vor. Inzwischen mag Bruno Faidutti sein Kneipenschlägereispiel „Baston“ aus den frühen 1980ern gar nicht mehr. „Lords of Creation“ aus dem Jahre 1993, findet Martin Wallace, war sein erstes richtig gutes Spiel. Mit „Cave Carnem“ gewann Emanuele Ornella 2001 einen Spiele-Wettbewerb auf der Lucca-Spielemesse. Und Richard Sivél schuf schon als Kind Spiele.

Ist das Spieleerfinden Hobby oder Beruf?
Nur Klaus Teuber, Friedemann Friese, Alan R. Moon und Dirk Henn verdienen ihr Geld mit Spieleerfinden. Ein paar haben nebenbei noch einen anderen Beruf und Steven Gross kann mit den Einnahmen noch nicht einmal die Miete zahlen.

Was bedeutet Spielen für dich?
Für alle ist Spielen in erster Linie Spaß, dann eine schöne Art Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen, ohne von den Alltäglichkeiten heimgesucht zu werden. Außerdem kann man mal so sein, wie man im richtigen Leben selten ist.

Was kommt zuerst, das Thema oder der Mechanismus?
Na ja, da will sich niemand wirklich festlegen. Die meisten halten das Thema für das wichtigste. Für die Mathematiker unter den Spieleautoren wie Friedemann Friese und Dirk Henn ist eher der Mechanismus der Ausgangspunkt für ein Spiel.

Wie oft verwirfst du eine Idee?
Die meisten Ideen wandern in die Tonne oder landen wie bei Andrea Meyer in einer Schublade.

Wen fragst du um Rat?
Familie, Freunde, Spielgruppen und andere Spieleautoren sowie unbekannte Spieletester.

Wie lange brauchst du um ein Spiel zu entwickeln?
Tobias Stapelfeldt hält Alex Randolphs Aussage „Ein gutes Spiel braucht zehn Jahre Entwicklungszeit” erstrebenswert. Die Antworten schwankten zwischen zwei Tagen für einen fertigen Prototypen bis zu zehn Jahren. Meist dauert es von der Idee bis zur Fertigstellung ein bis vier Jahre.

Wie oft kamen Absagen von Spieleverlagen?
Natürlich haben diejenigen, die ihre Spiele selbst verlegen, keine oder nur wenige Absagen erhalten. Die häufigste Anwort war jedoch „oft”.

Wie war es, als du das erste Mal auf der „Spiel“ in Essen warst?
Unglaublich, großartig, riesig, beeindruckend. Für einige der Spieleautoren war die Messe auch der Einstieg in ihre Karriere.
Wer sich selbst mal ein Bild machen will, sollte sich folgenden Termin merken: 13. bis 16.10.2005. Da treffen sich alle wieder auf der „Spiel 05“ in Essen, eine der allergrößten  wenn nicht die größte  Spielemessen der Welt.

Und die ersten neuen Spiele stellen wir euch dann in der nächsten und übernächsten –und überübernächsten . . . Ausgabe vor, zum Beispiel „Candamir“ (Kosmos), „Herr der Ringe“ (Phalanx), „Zug um Zug“ (days of wonder), „Neuland“ (eggertspiele), „Bootleggers“ (Eagle Games), „Boomtown“ (face2face), die Erweiterung von „Ohne Furcht und Adel – Die dunklen Lande“ (Hans im Glück) usw.

Kerstin Koch und Veith Schnetker


Druckversion

 
*
 Aktuelles HanfJournal
-