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Jorges Grow Corner
Ist es ein Junge oder ein Mädchen?
Publiziert am: 10.08.04 - Medienformen: Medienform Text


Alle unter euch, die schon mal ein neu geborenes Baby gesehen haben, können diese Frage sicher nachvollziehen. Denn es ist schon ganz schön schwer, am Anfang das Geschlecht des Babys zu erkennen. Außer, es ist in den typischen Farben (rosa oder blau) gekleidet. Und genauso schwer ist das beim Hanf am Anfang auch. Eigentlich noch schwerer. Denn erstens haben die Pflanzen keine Kleider und zweitens gibt es immer wieder auch Zwitterpflanzen.
Der weibliche Hanf produziert die Eizellen, die männliche den Pollen. Wird die weibliche Blüte mit Pollen bestäubt, so kommt es zur Samenbildung, und dann ist es aus mit dem Wunsch nach „Sinsemilla“ (spanisch für „samenlos“), und auch die THC-Produktion lässt nach. Deswegen ist es für die meisten Grower wichtig, alle Männchen so früh wie möglich zu erkennen und auszumerzen.
Beide, der männliche und der weibliche Hanf, haben eine Vorblüte. Dieses Stadium wird bei Samen normalerweise nach ca. fünf Wochen vegetativem Wachstum erreicht. (Schaue vorsichtig an der 4. und 5. Nodie von unten an gezählt.) Nodien sind die Wuchsknotenpunkte am Stamm, aus denen Blätter und Äste wachsen. Die Vorblüten findet man am oberen Rand dieser Knotenpunkte. Meist sind diese Vorblüten klein und sehr schwer mit dem nackten Auge zu erkennen, deswegen benutzen erfahrene Grower eine Lupe mit sechs- bis zehn-facher Vergrößerung. Es handelt sich in der Regel um genau eine Blüte.

Die männliche Vorblüte:
Sie zeigt sich als kleiner Wuchsknoten, an dem in der Regel relativ spät genau ein kleiner Pollensack austritt, der wie ein Mini-Football am Stiel aussieht. Dabei ist der Stiel aber dünn und weich, der Pollensack hängt laternenartig herunter.

Die weibliche Vorblüte:
Die einzelne weibliche Blütenkapsel sitzt genau am gleichen Platz, aber sie ist birnenförmig, und oben ragen sehr charakteristisch ein bis drei weiße Haare heraus, die Narben. Aber Vorsicht: Die Narben entstehen manchmal auch erst lange nach dem Einsetzen der Vorblüte. Und es wird leider noch komplizierter: Manche weiblichen Vorblüten bilden nie Narben. Also nicht voreilig aussortieren, wenn ihr nicht ganz sicher seid. Wenn nicht absolut eindeutig zu erkennen ist, was es ist, lassen vorsichtige Grower die Pflanze lieber bis zum Einsetzen der richtigen Blüte stehen.

Die Blütephase:
Der Zeitpunkt, an dem eine Pflanze ihr Geschlecht „für immer“ offenbart, ist beim Einsetzen der Blütephase. In der freien Natur setzt diese bei uns im Spätsommer (~August) ein, wenn die Tage wieder merklich kürzer werden. Indoor wird die Blüte durch das Umstellen des Beleuchtungsintervalls auf 12/12 eingeleitet. 12/12 bedeutet, dass die Zuchtlampe zwölf Stunden an und zwölf Stunden aus ist. Nach Umstellen der Lampen brauchen die Pflanzen noch ein bis zwei Wochen, bis sie die ersten Blüten zeigen. Pflanzen, die in Hydrokulturen wachsen, zeigen häufig ein paar Tage früher Blüten als Pflanzen aus Erdkulturen.
Man kann dann an zahlreichen Nodien die Blüten oder Pollensäcke sprießen sehen. Dann spätestens sollte die Geschlechtsbestimmung kein Problem mehr sein.
Die männlichen Pflanzen zeigen ihr Geschlecht meist eine Woche vor den weiblichen. Auch das Wuchsverhalten an sich ist etwas anders. Sie werden meist etwas höher, verzweigen nicht so sehr, und bilden weniger Blätter aus. In Relation zu den weiblichen Pflanzen produzieren die Männlichen weniger Blüten, und auch anteilig weniger aktive Wirkstoffe wie z. B. die Cannabinoide.
Wenn die Pflanzen anfangen zu blühen, kann man Veränderungen im Wuchsverhalten beobachten. Aber auch die chemischen Prozesse innerhalb der Pflanzen selbst ändern sich. Der Stängel streckt sich, die Blätter bekommen langsam immer weniger Finger, die Cannabinoid-Produktion geht erst leicht zurück, um dann wieder stärker zu werden. Die Bildung der Blüten geht erst schnell, dann immer langsamer voran. Auch der Nahrungsbedarf ändert sich. Die Produktion von Blattgrün (Chlorophyll) geht zurück, damit auch der Bedarf an Stickstoff (N). Für die Bildung der Blüten benötigt die Pflanze nun mehr Phosphor (P). Ungefähr dann, wenn die ersten Blüten sichtbar werden, ist es auch Zeit, den stark stickstofflastigen „Grow“-Dünger gegen einen stark phosphor-kaliumlastigen Blütedünger zu tauschen.
Als Letztes noch mal zur Erinnerung: Nicht alle Männer sind böse! ;-)
Jorge Cervantes
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